1978 bestieg er mit Reinhold Messner erstmals den Mount Everest

Peter Habeler wird 75 – “Ich bin noch lange nicht satt”

Freitag, 14. Juli 2017 | 10:50 Uhr

Extrembergsteiger Peter Habeler, der 1978 gemeinsam mit Reinhold Messner erstmals den Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff bestieg, feiert am 22. Juli seinen 75. Geburtstag. Im Gespräch mit der APA betonte der Jubilar, “noch lange nicht satt zu sein”. Sein “größtes Geburtstagsgeschenk” machte er sich bereits im März, als er gemeinsam mit David Lama (26) erneut die Eiger-Nordwand durchstieg.

“Da hat sich gewissermaßen ein Kreis geschlossen”, sagte Habeler. Denn das Ausnahmetalent Lama ist zum Klettern gekommen, nachdem er im Alter von fünf Jahren einen Kurs bei Habeler im Zillertal besucht hatte. “Ich habe damals sein Talent sofort erkannt”, so der Noch-74-Jährige: “Und David klettert jetzt wie ein junger Gott”. Er erinnert ihn in seiner Klettertechnik und mit der Ruhe sowie der Sicherheit, die er ausstrahlt, an den “jungen Habeler”, meinte die Bergsteiger-Ikone schmunzelnd. “Es war schon eine tolle Sache, dass sich die Geschichte jetzt umgekehrt hat, und er mit mir die Eiger-Nordwand über die Heckmair-Route gemacht hat”. Der Zillertaler hält somit den Rekord als bisher ältester Bezwinger der legendären Nordwand.

Bereits im Jahr 1974 hatte er mit seinem langjährigen Partner, der Südtiroler Bergsteigerlegende Reinhold Messner, eine Bestmarke in dieser Wand aufgestellt. In knapp zehn Stunden durchstiegen die beiden Alpinisten die Heckmair-Route und stellten damit einen Geschwindigkeitsrekord auf. Welche der beiden Glanzleistungen für ihn schöner gewesen sei, wollte Habeler nicht beurteilen: “Das kann man nicht vergleichen”. Schließlich seien nicht nur die Voraussetzungen, sondern auch die Zielsetzungen unterschiedlich gewesen: “Damals war Sommer, und wir hatten einen trockenen Fels. Außerdem wollten wir möglichst schnell sein – nicht zuletzt deswegen, weil uns Clint Eastwood zugesehen hat”, erinnerte sich die Bergsteigerlegende lachend. Die Schauspiellegende war dort gerade für Dreharbeiten.

Die Eiger-Nordwand sei damals der Startschuss für eine “unglaublich tolle Serie” gewesen. 1975 bestieg die Zweierseilschaft Habeler-Messner den Hidden Peak (8.080 m), ehe 1978 dann die Erstbesteigung des höchsten Berges der Welt ohne zusätzlichen Sauerstoff folgte, was bis dato als unmöglich galt. “Das war natürlich der Höhepunkt. Die weltweite Anerkennung danach hat uns viele Türen geöffnet”, blickte Habeler zurück: “Wir sind auf einen Schlag bekannt gewesen, nicht nur in der Alpinszene. Und ich konnte mir ein Haus bauen”. Den Ruhm danach habe er nicht als störend oder als Bürde empfunden. “Nein, ganz und gar nicht. Erfolg macht Freude und Anerkennung freut jeden. Ich habe aber erkannt, dass ich deswegen nicht überschnappen brauche”, schilderte er augenzwinkernd.

Dagegen hätte es die aktuelle Bergsteigergeneration weitaus schwerer: “Es ist heutzutage viel schwieriger, weiße Flecken auf der Landkarte des Alpinismus zu finden”, so Habeler. Daher müsse die junge Generation ein viel größeres Risiko eingehen, um Aufmerksamkeit zu erregen. “1978 war klar, dass die Erstbesteigung des Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff den Olymp des Alpinismus bedeutet”. Freilich sei die Ausrüstung heute viel besser geworden, aber das zählt für den knapp 75-Jährigen nicht: “Es kommt immer noch auf den Menschen an, der in der Ausrüstung steckt”. Und auch heute gebe es viele Ausnahmetalente, die “frech” sind und aus der Masse hervorstechen.

Er selbst sei nach wie vor “hungrig” und wolle “sein derzeitiges Leistungsniveau noch länger halten”, so der Alpinist: “Ich habe noch einige Touren geplant”. Derzeit behindere ihn zwar eine Beinverletzung nach einem Unfall mit einem E-Bike, “aber danach geht es wieder voll los”. Insgesamt müsse er zwar zur Kenntnis nehmen, dass die Leistungsfähigkeit im Alter abnimmt, so Habeler: “Aber mit Training und einem einfachen Leben, kann man sich sehr lange über Wasser halten”. Eine 8er-, 9er- oder 10er-Tour gehe zwar nicht mehr, “aber einen ‘7er’ traue ich mir vielleicht schon noch zu”.

Auf die Frage, ob er ein Besessener sei, antwortete er: “Ein bisserl deppert musst schon sein”. Aber die Berge seien nun einmal sein “Lebenselixier”. “Ich bin gerne in der Natur und gerne am Berg”, sagte Habeler. “Mittlerweile aber auch, um Kraft zu tanken”. Ihm sei es ohnedies immer um die Freude gegangen, die Rekorde standen letztlich nie im Vordergrund.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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1 Kommentar auf "Peter Habeler wird 75 – “Ich bin noch lange nicht satt”"


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witschi
witschi
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

in süditalien ist ein karton spaghetti vom laster gefallen

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