Valentin Pfeil mit seiner Platzierung zufrieden

Pfeil als 23. mit bestem ÖLV-Ergebnis in einem WM-Marathon

Sonntag, 06. August 2017 | 19:08 Uhr

Nach zwei Citymarathons mit Tempomachern hat sich Valentin Pfeil auch in seinem ersten Lauf über 42,195 Kilometer bei einer großen Meisterschaft bewährt. Der 29-Jährige klassierte sich Sonntag bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London in 2:16:28 Stunden an der 23. Stelle und war damit achtbester Europäer. Gold sicherte sich auf der Tower Bridge der Kenianer Geoffrey Kirui in 2:08:27.

Es war die beste Platzierung eines Österreichs bisher in einem WM-Marathon, 2015 in Peking war Edwin Kemboi 32. Der gute Rang von Pfeil kam etwas überraschend, hatte er bisher doch erst zwei Marathons absolviert und bei den 2:16:37 bzw. 2:14:50 in Wien jeweils Temperaturen um acht bis zehn Grad gehabt und zudem “Hasen”, die den Ton angaben. In London musste er sich das Rennen selbst gut einteilen und es war 20 Grad warm.

“Platzierungsmäßig und zeitmäßig auf diesem Kurs übertrifft das die Erwartungen”, sagte Pfeil, der den Unterschied zwischen Stadt- und Meisterschaftsmarathon zu spüren bekam. “Das unrhythmische Laufen am Anfang in den engen Kurven, sich in einem riesigen Feld richtig zu verhalten und ständig selbst Entscheidungen treffen zu müssen, wo man mitgeht und wo nicht. Das war viel mehr Stress als einfach hinter einem Tempomacher herzulaufen. Von dem her war es für mich sehr anspruchsvoll.”

Aber wie in Wien war er auch dieses Mal damit konfrontiert, sich das Selbstbewusstsein während des Rennens zu holen. “Ich bin zufrieden, dass ich das Gefühl habe, dass ich den Lauf aus einen Guss geschafft habe. Man hat ja immer irgendwie die Befürchtung, dass man komplett auseinanderfällt, das ist mir auch beim dritten Marathon nicht passiert.” Weil es im Gegensatz zu den Frühjahrsmarathons viel wärmer war, schätze er das London-Rennen als seinen bisher besten Marathon ein.

Es fand sich eine kleine Gruppe, die gut zusammenhielt, darunter war der Ire Mick Clohissey, der letztendlich vor ihm 22 wurde. “Ich kenne ihn gut, er hat einmal ein paar Jahre in Wien gelebt. Wir haben eine ganz gute Partnerschaft im Rennen gefunden.”

Pfeil machte während des Rennens, das in vier Runden u.a. an London Eye, Big Ben und St. Paul’s Cathedral vorbeiführte, viele Plätze gut. Es sei ein gutes Gefühl gewesen, jemanden zu überholen. “Am Anfang, wenn man so 40, 45 hört, da beginnt man noch nicht in Begeisterungsstürme auszubrechen. Es war lange schwierig, das Selbstbewusstsein zu haben und sich zu sagen, es ist gut, was ich gerade mache. Das kam erst am Schluss des Rennens in der letzten Runde. Eine Top-30-Platzierung ist durchaus ganz gut.” Er denke, er habe gezeigt, dass er sich ein Rennen gut einteilen könne.

Der ausgebildeten Veterinärmediziner, der seit Februar beim Bundesheer ist, zehrte laut Schilderung in London noch davon, in Wien nicht unter dem Qualifikationsdruck zerbrochen zu sein, sondern sich das WM-Ticket gesichert zu haben. “Ein Freund hat mir vor zwei Tagen geschrieben, man muss den letzten Marathon vergessen, bevor man den nächsten läuft. Das war nach drei Monaten definitiv nicht so, dass mir das gelungen ist. So hart wie es das letzte Mal war, bin ich froh, dass ich es heute so gut über die Bühne gebracht habe.”

Der 24-jährige Kirui siegte in 2:08:27 vor dem Äthiopier Tamirat Tola (2:09:49) und Alphonce Simbu aus Tansania (2:09:51). Kirui hatte sich nach Kilometer 35 abgesetzt, es war sein größter Sieg vor jenem im Frühjahr in Boston.

“Es ist der beste Moment meiner Karriere”, sagte der WM-Debütant, der erst den vierten Marathon seiner Karriere lief. Es seien der beste Kurs und die besten Zuschauer gewesen, die er bisher gesehen habe. Mit dem Titel habe er nicht gerechnet, er habe den Äthiopier auf der Rechnung gehabt. “Ich habe einfach meinen Plan bis Kilometer 35 verfolgt und dann auf meinen Körper gehört.”

Im Marathonrennen der Frauen ging Rose Chelimo als Siegerin hervor. Die für Bahrain startende gebürtige Kenianerin setzte die entscheidende letzte Tempoverschärfung kurz vor dem Ziel, nachdem sie sich bereits seit Kilometer 38 hart mit Edna Kiplagat gematcht hatte.

Die 28-jährige Chelimo gewann in 2:27:11 Stunden. Kiplagat, Weltmeisterin von 2011 und 2013, kam sieben Sekunden später nach 2:17:18 ins Ziel auf der Tower Bridge und verpasste ihr drittes WM-Gold somit knapp. Bronze ging an die US-Amerikanerin Amy Cragg (2:27:18).

Von: apa

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