Valtteri Bottas ganz knapp vor Mercedes-Teamkollegen George Russell

Pole in Bahrain an Bottas knapp vor Hamilton-Ersatz Russell

Samstag, 05. Dezember 2020 | 20:58 Uhr

In Abwesenheit von Weltmeister Lewis Hamilton hat sich dessen Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas die Pole für den zweiten Formel-1-Grand Prix in Bahrain in Folge geholt. Der Finne war am Samstagabend aber nur 26 Tausendstel schneller als der für den Corona-positiven Hamilton eingesprungene Brite George Russell. Dritter wurde Max Verstappen im Red Bull (+0,056). Der Niederländer teilt sich die zweite Startreihe überraschend mit Ferrari-Pilot Charles Leclerc.

Eine Woche nach dem von Hamilton gewonnenen Rennen auf dem Grand Prix Kurs befährt die Formel 1 diesmal beim GP von Sakhir ebendort den sogenannten “Outer Circuit”, der nur einige Kurven der üblichen Strecke beinhaltet und insgesamt deutlich kürzer ist. Bottas stellte deshalb mit 53,377 Sekunden eine Rekord-Polezeit auf und löschte die von Niki Lauda seit 1974 (Dijon) mit 58,79 gehaltene Marke.

Ihre Top-Zeit erzielten Bottas und Russel im zweiten von gleich drei Outings des letzten Qualifikationsabschnittes. Das ging sich aufgrund der kurzen Runde ausnahmsweise aus. Im Q2 hatten die beiden Mercedes-Piloten zudem ihre Zeiten auf den gelben und langsameren Medium-Reifen erzielt, womit sie nun am Sonntag auch als einziges Spitzenteam auf diesen Pneus das Rennen eröffnen können.

Bottas war mit etwas Druck ins Qualifying gegangen, denn eine Niederlage gegen den von Williams ausgeliehenen Jungspund und Mercedes-Ersatzfahrer Russell wäre wohl unangenehm gewesen. Bottas bestand den Test aber, wenn auch hauchdünn. Russell hatte in der Entscheidung erstaunlich viel Abstand zu Bottas gelassen. Am Ende stand die 16. Pole für den Finnen zu Buche, die fünfte in dieser Saison.

Russell komplettierte auch ohne Siebenfach-Champion Hamilton einen neuerlichen Front-Row-Lockout für Mercedes und stellte einmal mehr unter Beweis, wie wichtig ein gutes Auto in der Formel 1 ist. Der 22-Jährige fährt sonst im schwachen Williams dem Feld hinterher. “Wenn man mir vor einer Woche gesagt hätte, dass ich jetzt in der ersten Reihe stehe, hätte ich es nicht geglaubt”, sagte Glücksritter Russell.

Er sei glücklich, aber auch traurig, dass es knapp nicht für ganz vorne geklappt hätte. Ob er dank seines erstmaligen Starts aus der ersten Reihe die absolute Sensation mit einem Rennsieg schaffen könne? “Ich bin erstmals da vorne, das wird ungewohnt. Das Rennen ist etwas ganz anderes als ein Qualifying”, sagte Russsell.

Zudem werden die Piloten sehr viele Runden im dichten Verkehr erledigen müssen. Das vorletzte Saisonrennen geht am Sonntag (18.10 Uhr MEZ, live ORF eins, RTL, Sky) auf dem nur 3,54 km langen Kurs über gleich 87 Runden.

Bis auf die Plätze hinter Mercedes und Red Bull in der Konstrukteurs-WM sind praktisch alle Entscheidungen in der Formel 1 WM bereits gefallen. Mercedes steht längst als Konstrukteursweltmeister fest, auch der 35-jährige Hamilton hat seinen siebenten WM-Titel längst sicher. Der elffache Saisonsieger kann wegen seiner Erkrankung aber nun keine 13 Saisonsiege mehr schaffen und damit den Rekord von Michael Schumacher und Sebastian Vettel nicht egalisieren. Ob Hamilton beim Saisonfinale in Abu Dhabi starten kann, entscheidet sich kommenden Mittwoch beim nächsten Coronatest.

Auch Romain Grosjean muss beim zweiten Bahrain-Rennen passen. Der Haas-Pilot war vergangenen Sonntag schwer verunglückt, als sein Auto bei einem Crash zerbrach und in Flammen aufging. Der 34-Jährige überstand den Horror-Unfall mit Verbrennungen an den Handrücken und konnte nach drei Tagen das Krankenhaus wieder verlassen. Die Fahrervereinigung hat laut Präsident Alexander Wurz bereits erste Informationen über den Unfall bekommen. Komplette Aufklärung – auch für die Öffentlichkeit – werde es aber erst in sechs bis acht Wochen geben, sagte Wurz im ORF.

Für Grosjean sitzt in Sakhir erstmals der Brasilianer Pietro Fittipaldi im Haas. Er ist Enkel des zweimaligen Weltmeisters Emerson Fittipaldi. Der 24-Jährige wurde in der Qualifikation aber Letzter. Der Brite Jack Aitken, bei Williams Vertreter für Russell, wurde 18. Während Leclerc als Vierter überraschte, kam Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel im zweiten Ferrari zum 13. Mal in Folge über Q2 nicht hinaus und wurde nur 13. Auch Verstappens Teamkollege Alex Albon (12.) schaffte es nicht in die Pole-Entscheidung.

Von: apa