Auch Bayern-Kollege James Rodriguez konnte Lewandowski nicht trösten

Polen nach Aus ratlos – Lewandowski vermisste “Qualität”

Montag, 25. Juni 2018 | 11:03 Uhr

Polen hat bei der Fußball-WM in Russland auf voller Linie enttäuscht. Das als aussichtsreicher Außenseiter ins Turnier gegangene Team um Stürmerstar Robert Lewandowski ist als erstes europäischer Vertreter bereits nach zwei Gruppenspielen ausgeschieden.

Auch Lewandowski tat sich nach dem 0:3 am Sonntag in Kasan gegen Kolumbien bei der Suche nach Erklärungen schwer. “Viele Dinge sind nicht so gelaufen wie sie sollten bei dieser WM”, meinte der 29-Jährige von Bayern München. 55 Tore hat Lewandowski bisher für sein Land erzielt, alleine in den zehn Quali-Spielen für Russland waren es 16. Bei der WM ging Polens Kapitän bisher aber leer aus.

“Ich war allein. Wir haben gekämpft, ich habe gekämpft”, sagte Lewandowski etwas konsterniert. “Ich habe alles getan, was ich konnte, aber kämpfen ist nicht genug, um WM-Spiele zu gewinnen. Man muss auch Qualität haben, und davon hatten wir zu wenig.”

Das erste WM-Achtelfinale seit 1986 wurde klar verpasst. Dabei hatten sich die Polen bei ihrem ersten WM-Auftritt seit 2006 sogar weit mehr erhofft. In der Heimat setzte es Kritik. Das polnische Online-Portal “Przeglad Sportowy” nannte das frühe Ausscheiden eine “weltmeisterliche Blamage”, das Portal “Fakty Sportowe” urteilte: “Die Polen wurden gedemütigt.”

Während Kolumbien im letzten Gruppenspiel gegen Senegal ums Weiterkommen kämpft, geht es für Polen am Donnerstag gegen Japan nur noch um die Ehre. “Vielleicht ist das alles, was wir tun konnten”, meinte Lewandowski. “Wir müssen ehrlich sein, wir haben ja nicht nur um ein Haar verloren.” Wie es mit dem Bayern-Star selbst nach der WM weitergeht, ist offen. Hartnäckig halten sich Abgangsgerüchte. Unter anderem soll Real Madrid an ihm dran sein.

Sein Nationaltrainer Adam Nawalka wirkte ebenfalls etwas ratlos. “Offensichtlich hat unser Plan nicht funktioniert, sie haben uns weitgehend dominiert”, erklärte der seit 2013 amtierende Teamchef nach der Lehrstunde durch die agileren und ballsichereren Kolumbianer. “Das gegnerische Team war besser bei Qualität und Ballbesitz”, musste Nawalka eingestehen.

Auch für eine kuriose Strategie wurden die Polen am Ende nicht belohnt: Bis November 2017 hatten sie fast ein Jahr keine Freundschaftsspiele bestritten, um in der maßgeblichen FIFA-Weltrangliste aufgrund deren Arithmetik weit genug vorne zu liegen, um bei der WM-Auslosung aus Topf eins gezogen zu werden. Im Gegensatz zu Spanien oder England war das auch der Fall, der Winkelzug ging in der sehr ausgeglichenen Gruppe H aber nicht auf.

Seinen Spielern wollte Nawalka dafür keinen Vorwurf machen. “Es tut mir sehr leid und ich bin sehr traurig, dass wir verloren haben. Unglücklicherweise waren wir nicht effizient und nicht effektiv”, sagte der 60-Jährige, richtete den Blick aber schon wieder nach vorne: “Morgen ist ein neuer Tag. Die Spieler haben bis zum Schluss alles gegeben, das ist der Sport.”

Von: APA/dpa/ag.