OK-Chef Carlos Arthur Nuzman steht im Fokus

Polizei-Razzia in Rio wegen Stimmenkauf für Spiele 2016

Dienstag, 05. September 2017 | 16:28 Uhr

Wegen des Verdachts auf Stimmenkäufe vor der Vergabe der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 gerät der brasilianische Organisations-Chef Carlos Arthur Nuzman schwer unter Druck. Im Rahmen einer Großrazzia durchsuchte die Bundespolizei am Dienstag das Anwesen von Nuzman in Rio de Janeiro sowie den Sitz des Organisationskomitees. Computer und Dokumente wurden beschlagnahmt.

Das berichtete unter anderem das Portal “O Globo”. Nuzman stehe unter Verdacht, afrikanische Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit Geldzahlungen für eine Zustimmung zu Olympia in Rio geködert zu haben. Laut Staatsanwaltschaft gebe es “starke Indizien”.

Nuzman ist auch Präsident des Nationalen Olympischen Komitees. Er soll zum Verhör vorgeladen worden sein und seinen Pass abgegeben haben. Berichten zufolge soll unter anderem die Stimme des langjährigen Chefs des Weltleichtathletik-Verbandes und IOC-Mitglieds Lamine Diack aus dem Senegal gekauft worden sein. Rio hatte sich bei der Abstimmung 2009 gegen die Mitbewerber Madrid, Tokio und Chicago durchgesetzt.

Im Rahmen der Operation “Unfair Play” werden nun Verbindungen zu Offshore-Konten auf den Britischen Jungferninseln sowie zu Konten in den USA und auf Antigua und Barbuda untersucht. An der Operation sind auch Strafbehörden aus den USA und Frankreich beteiligt.

Bei Letzteren liegt auch der Ausgangspunkt der Korruptionsermittlungen. Wie die Zeitung “Le Monde” Anfang März veröffentlichte, hätten wenige Tage vor der Wahl Rios im Oktober 2009 stimmberechtigte IOC-Mitglieder Schmiergelder des Unternehmers Arthur Soares erhalten. Insgesamt durchsuchten nun 70 Beamte elf Anwesen und stellten zwei Haftbefehle aus, laut “O Globo” gab es insgesamt elf Durchsuchungsbefehle.

Das IOC erklärte zu den Medienberichten, es werde “alles unternehmen, um an alle Informationen zu kommen”. Aufklärung habe “oberste Priorität”. Für das IOC um Präsident Thomas Bach kommt der mögliche Korruptionsskandal zu einem heiklen Zeitpunkt: In der kommenden Woche kommt das IOC in der peruanischen Hauptstadt Lima zu seiner Vollversammlung zusammen, dabei soll am 13. September die Vergabe der Spiele 2024 nach Paris und für 2028 nach Los Angeles gebilligt werden.

Von: APA/ag.