Nationale Doping-Agenturen laufen Sturm gegen Pound

Pound verteidigte WADA im “Fall Russland” gegen Kritik

Montag, 07. Januar 2019 | 18:59 Uhr

WADA-Gründungspräsident Richard Pound hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gegen die weltweite Kritik wegen ihres Vorgehens im Fall Russland verteidigt. “Ein Großteil der Reaktion auf die Ablehnung des Zugangs zu den Doping-Daten im Moskauer Analyselabor nach Ablauf der vom WADA-Exekutivkomitee gesetzten Frist hat alle Elemente eines Lynch-Mobs”, schrieb der Kanadier.

Viele von ihnen seien mit dem Thema nicht vertraut genug, um solche “schrägen Ansichten” zu haben – und noch mehr “haben sich nicht die Mühe gemacht, sich zu informieren”, so Pound in dem am Montag vom Branchendienst “Insidethegames” veröffentlichten Beitrag.

Nach dreijähriger Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA) als Folge der Aufdeckung des flächendeckenden und staatlich unterstützten Sportbetrugs in dem Land hatte die WADA im September die Sperre mit Auflagen aufgehoben. Die Bedingungen für das endgültige Ende des Banns waren der Zugang zu den Daten im Moskauer Labor bis zum 31. Dezember 2018, den Russland bisher nicht gewährt hat, und die Analyse der dort lagernden Doping-Proben bis zum 30. Juni 2019. Eine unabhängige Prüfkommission der WADA wird Anfang kommender Woche entscheiden, ob die RUSADA wieder gesperrt wird oder nicht.

Inzwischen hat es sich Russlands Sportminister Pawel Kolobkow offenbar anders überlegt. Er will den Experten am 9. Jänner Eintritt ins Analyselabor gewähren. Man habe zuvor alle technischen Fragen klären müssen, sagte der Politiker der Agentur Interfax zufolge. Die WADA bestätigte nun am Montag, dass drei Experten der Welt-Anti-Doping-Agentur am Mittwoch Zugang zum Moskauer Labor und den gespeicherten Doping-Analysedaten erhalten.

Ursprünglich war zwischen Russland und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) vereinbart worden, dass die Experten bis Ende des vergangenen Jahres die Labore inspizieren dürfen. Die Kontrolleure waren aber mit leeren Händen aus Moskau abgereist und hatten die verlangten Daten nicht erhalten. Die russischen Behörden verlangten von der Delegation, dass ihre Ausrüstung für die Datenentnahme nach russischem Recht zugelassen werden müsse.

Die WADA hatte im September die im Zuge der Dopingaffäre, die unter anderem die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi belasten, die Wiederzulassung der suspendierten russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA) empfohlen. Voraussetzung dafür war aber die Aushändigung der Moskauer Labordaten bis zum 31. Dezember. Daraufhin hatte die Anti-Doping-Agentur eine sofortige Reaktion der WADA gefordert.

Von: APA/dpa