Slowene Ceferin will UEFA-Präsident werden

Profiligen-Vereinigung und Ceferin kritisierten CL-Reform

Donnerstag, 08. September 2016 | 21:24 Uhr

Die Vereinigung der Profiligen (EPFL) hat die Champions-League-Reform der UEFA scharf kritisiert. Die Entscheidung habe einen schädlichen Einfluss auf heimische Wettbewerbe, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung. Kurz vor der Wahl des UEFA-Präsidenten wird die Änderung, die weitläufig als Kniefall vor den großen Ligen interpretiert wird, nun auch im Wahlkampf thematisiert.

Ende August hatte die Europäische Fußball-Union neue Zugangsregeln für die Königsklasse verkündet. Demnach stellen die vier Topnationen des UEFA-Nationenrankings von der Saison 2018/19 an zumindest für drei Jahre 16 von insgesamt 32 Teams in der Gruppenphase. Bisher waren es elf. Dazu sollen sich die Einnahmen der Topclubs mitunter verdoppeln.

Die Reform werde zu einer exponentiellen Vergrößerung der finanziellen und sportlichen Kluft zwischen den größten europäischen Fußball-Clubs und allen anderen führen, meint die EPFL. Die Vereinigung sieht sich übergangen. Die UEFA habe eine Absichtserklärung zwischen den beiden Organisationen gebrochen.

UEFA-Präsidentschaftskandidat Aleksander Ceferin – als Slowene gibt er sich derzeit als Vertreter der kleinen Länder – kritisierte seinen letzten verbliebenen Kontrahenten Michael van Praag in der Zeitung “L’Equipe” für seine Rolle bei den Verhandlungen. “Ich war in das Konstrukt nicht involviert und wenn ich gewählt werde, kann ich es nicht ändern”, sagte Ceferin der Zeitung.

“Für kleine Länder wie Slowenien ist es keine gute Sache. (…) Das Projekt war seit Monaten auf dem Weg, aber die Verbände waren nicht gut informiert. Wir wussten nur, dass es eine Gruppe mit Michael van Praag, Fernando Gomes und David Gill gibt, die die Verhandlungen mit der ECA führt”, wird Ceferin von der französischen Sportzeitung zitiert.

Der Niederländer Van Praag, der bei der Wahl als klarer Außenseiter gilt, wehrte sich am Donnerstag gegen den Vorwurf: “Es gab einen Rahmen, einen Startpunkt für Verhandlungen, den ich an die UEFA-Administration weitergegeben habe”, sagte er bei einer Pressekonferenz in Kopenhagen. “Aber ich habe nicht an den Verhandlungen teilgenommen.” Er, Gomes und Gill seien zwei, drei Mal über den Stand der Dinge informiert worden, mehr aber nicht.

Ceferin sollte ihm lieber dankbar sein, anstatt ihn zu kritisieren, weil er eine europäische Superliga abgewendet habe. “Es gab eine wirkliche Bedrohung”, sagte Van Praag. “Und ich bin stolz auf mich, dass ich zweimal nach München gefahren bin, um mit Karl-Heinz Rummenigge zu reden, um sicherzugehen, dass das nicht passiert. Ich komme aus einem Land mit mittelgroßen und kleinen Vereinen und ich werde sie nie im Stich lassen”, sagte Van Praag.

Wie viele andere namhafte Verbände hat der Deutsche Fußball-Bund Ceferin seine Unterstützung zugesagt. Der spanische UEFA-Vize Angel Maria Villar Llona hatte seine Kandidatur für den UEFA-Chefposten am Dienstag zurückgezogen.

Die EPFL forderte am Donnerstag in einer Aufsichtsratssitzung der Organisation einen Neustart des Reformprozesses. Untermauert wurde dies mit einer Drohung: Sollten die derzeitigen Reformpläne durchgezogen werden, behält man sich vor, nationale Meisterschaftsspiele parallel zu Europacup-Terminen anzusetzen. Demnach wäre es denkbar, dass künftig Champions-League-Spiele und Partien aus großen Ligen wie England oder Deutschland gleichzeitig laufen, was wiederum den Wert der TV-Rechte schmälern könnte.

Derzeit sind reguläre Meisterschaftsrunden an Champions-League- und Europa-League-Spieltagen untersagt. Nachtragspartien an diesen Tagen sind zwar erlaubt, dürfen sich aber zeitlich mit dem Europacup nicht überschneiden. Damit dies auch so bleibt, verlangt EPFL-Generalsekretär Georg Pangl ein Entgegenkommen der UEFA und der großen Clubs. “Wir wollen den gesamten Reformprozess neu aufrollen, weil er intransparent war”, sagte der frühere Bundesliga-Vorstand zur APA.

Für Österreichs Clubs hat die Reform wohl negative Auswirkungen, da künftig weniger Plätze für die Königsklasse über die Qualifikation ausgespielt werden sollen. Einen detaillierten Plan für die Neuverteilung der Startplätze will die UEFA aber erst im Dezember präsentieren. Mit dieser Reform beugte sich der Kontinentalverband dem Druck der Top-Clubs, die sogar mit einer Abspaltung gedroht hatten. Auch die Geldverteilung soll zugunsten historisch erfolgreicher Vereine verändert werden. “Für die Nachhaltigkeit des Fußballs ist das schlecht”, erklärte Pangl.

Von: APA/dpa/ag.

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