Geht der Auftakt schief, steigt die Nervosität

Puelacher im Interview – “Guter Start erleichtert viel”

Freitag, 09. Februar 2018 | 12:18 Uhr

Am Sonntag haben Österreichs alpine Skiherren mit der Abfahrt in Jeongseon ihren ersten Bewerb bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Die APA – Austria Presse Agentur bat ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher zum Interview:

APA: Fünf Rennen warten, damit auch fünf Chancen. Wie wichtig ist dennoch ein guter Start in die Winterspiele?

Puelacher: “Es erleichtert natürlich viel für die Mannschaft, wenn du im ersten Bewerb schon eine Medaille holst. Das hat man auch in St. Moritz gesehen, in der Abfahrt (2. Bewerb/Anm.) haben wir eine Medaille gemacht und das half, da kommst du als Mannschaft nicht unter Druck. Auch die Trainer kommen nicht unter Druck.”

APA: Wie weit war es hilfreich, dass das Abfahrtsteam schon länger fix war?

Puelacher: “Die Vier haben sich herauskristallisiert, sie waren am Podium. Sie haben Zeit, sich in Ruhe vorzubereiten und Sachen zu probieren und den Stress des Quali-Druckes nicht. Ich finde, das ist ein Vorteil. Ich hätte sowieso maximal nur noch einen zusätzlich mitgenommen, denn das bringt einfach Unruhe, wenn zu viele um einen oder zwei Plätze fahren. Das wollte ich vermeiden. Es ist in dem Fall gut passiert, klar hätte ich noch gerne gehabt, dass auch andere so gute Leistungen auf der Abfahrt bringen, dass sie in Betracht kommen. Diese vier sind gut und ich bin überzeugt, dass wir die richtige Wahl haben.”

APA: Sind Matthias Mayer, Hannes Reichelt, Max Franz und Vincent Kriechmayr auch das Super-G-Quartett, oder ist Marcel Hirscher noch eine Überlegung?

Puelacher: “Im Super-G ist es relativ einfach. Marcel hat kein Ergebnis, die anderen haben alle Podestplätze. Von dieser Seite her hat Marcel nicht die Berechtigung zum Super-G fahren. Aber klar, Marcel ist eine sehr, sehr gute Alternative, wenn etwas danebengehen sollte, wenn einer Probleme mit dieser Piste, mit dem Schnee hätte. Ich bin froh, dass man ihn in der Hinterhand hat.”

APA: Wie sieht es in der Kombination und den technischen Bewerben aus?

Puelacher: “Die Kombinierer sind von der technischen Seite mit Marcel Hirscher und Marco Schwarz, sowie von der Speedseite Mayer und Kriechmayr fix. Riesentorlauf und Slalom sind noch offen.”

APA: Es beginnt mit der Abfahrt, wie bewerten sie die Qualitäten der Speedstrecke?

Puelacher: “Wir reden von einer sehr guten Abfahrt, die vor allem technisch sehr anspruchsvoll ist. Die Schneebedingungen sind sehr einfach, aber schwer zum Abstimmen. Sie ist olympiawürdig, mir persönlich fehlt aber einfach dieser Hochgeschwindigkeitsteil, den hätte ich gerne gehabt, dann wäre es eine super Abfahrt. Aber der Berg gibt es nicht her, da kann keiner was dafür. Das Favoritenfeld wird so ein bisschen größer, da wird es auch schwer, auf dieser Abfahrt Medaillen zu holen.”

APA: Kann es einen Überraschungs-Olympiasieger geben?

Puelacher: “Überraschungen sind immer möglich. Wer hätte mit Mayer in Sotschi gerechnet auf so einer schwierigen Abfahrt. Er hatte vorher kein Rennen gewonnen. Das Wetter ist hier auch ein großes Thema. Wenn du da Wind von vorne hast, hast du wirklich keine Chance, weil dann die Geschwindigkeit so gering ist.”

(Das Gespräch führte Birgit Egarter/APA aus Pyeongchang)

Von: apa