Was wusste der russische Präsident?

Putin kritisierte Ausschluss von Russen als Angriff

Dienstag, 30. Januar 2018 | 15:13 Uhr

Kremlchef Wladimir Putin hat den Ausschluss russischer Sportler von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang als Angriff auf sein Land kritisiert. Der Sport sei etwas, auf das die Menschen stolz sein könnten und das die Nation eine, sagte Putin am Dienstag in Moskau.

“Offensichtlich gefällt das manchen nicht. Das ist nur eine der Angriffslinien (auf Russland)”, meinte Putin Agenturen zufolge bei einer Diskussionsrunde mit seinen Anhängern. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Russland wegen Doping-Vorwürfen von den Winterspielen in Südkorea (9.-25. Februar) ausgeschlossen. Zwar erlaubte das IOC 169 Sportlern, unter neutraler Flagge anzutreten. Dennoch wurden mehrere Topathleten unter ihnen trotzdem ausgeschlossen. Dies erregte Unmut in Moskau.

Putin warnte die internationale Gemeinschaft vor einer Politisierung des Sports. “Auf keinen Fall dürfen der Weltsport und die olympische Bewegung zum Hinterhof schmutziger politischer Spiele werden. Der Sport wie auch die Kunst müssen für die ganze Welt offen sein. Alles muss transparent sein”, sagte er. Ansonsten wachse das Misstrauen.

Zugleich bekräftigte der Präsident Russlands Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den internationalen Sportorganisationen. Dort gebe es viele Menschen, die zu Russland wohlwollend eingestellt seien. Putin räumte ein, dass es in seinem Land Fälle von Doping gegeben habe. “Aber ich hoffe, dass diese Seite bald umgeblättert wird, und die Angelegenheit der Vergangenheit angehört.”

Der Kreml hat zudem Vorwürfe aus einem ARD-Bericht gegen Putin im russischen Doping-Skandal als Verleumdung zurückgewiesen und die Berichterstattung scharf kritisiert. Es gebe keinerlei Beweise für die Anschuldigungen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau. In der ARD-Dokumentation “Geheimsache Doping – Das Olympia-Komplott” vom Montagabend hatte der russische Whistleblower Grigori Rodschenkow Putin eine Mitwisserschaft im Doping-Skandal während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi vorgeworfen. Nach Rodschenkows Darstellung waren Putin “umfangreiche und genaue Details” bekannt.

Putin bezeichnete Rodschenkow als Idiot und Verbrecher. Rodschenkow sei ein “Idiot mit deutlichen Problemen”, sagte Putin am Dienstag in Moskau der Agentur Tass zufolge. Der ehemalige Chef des Moskauer Anti-Doping-Labors sei mit dem Gesetz in Konflikt geraten, sagte Putin. “Man muss ihn ins Gefängnis stecken.” Nach Putins Darstellung hat Rodschenkow versucht, sich umzubringen. “Das zeugt von Problemen.”

Rodschenkow gilt als ein Kronzeuge in dem Skandal. Er war früher Leiter des Moskauer Doping-Analyselabors, ist in die USA geflüchtet und steht unter Zeugenschutz. Peskow bezeichnete ihn als unglaubwürdig. Er warf ihm moralische Labilität vor. In Russland wird gegen ihn ermittelt.

Zugleich kritisierte Putins Vertrauter, Rodschenkow sei die einzige Quelle der Berichterstattung. “Eine derart übersteigerte Treue dazu, Rodschenkow als einen bestellten Verleumder einzusetzen, sowie die fehlende Bereitschaft und der fehlende Wunsch, andere Quellen zu nutzen, um diese Informationen zu überprüfen, rufen bei uns Unverständnis hervor”, sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Diese Arbeitsweise schade dem Image der Medien, sagte Peskow.

Von: APA/dpa