Real-Keeper Navas ließ die Bayernspieler verzweifeln

Real feierte Navas, Benzema – Bayern-Hader mit Selbstfaller

Mittwoch, 02. Mai 2018 | 13:20 Uhr

Mit dem dritten Champions-League-Finale in Serie und dem vierten Endspiel in fünf Jahren hat Real Madrid seine Ausnahmestellung im europäischen Fußball dokumentiert. “Es ist nicht normal, zum dritten Mal in Folge im Finale zu sein”, sagte Trainer Zinedine Zidane nach dem 2:2 im Halbfinal-Rückspiel gegen Bayern München. David Alaba und Co. haderten vor allem mit sich selbst.

“Es liegt nicht an irgendwas Grundsätzlichem, dass es nicht reicht”, analysierte Kapitän Thomas Müller. “Das Einzige, was sich in den letzten Jahren wiederholt in den Spielen, in denen wir ausscheiden: Wir machen zu viele deutliche individuelle Fehler, ob es verschossene Elfmeter sind, ob es Rote Karten sind.” Im Hinspiel hatte Abwehrspieler Rafinha Real ein Torgeschenk zum 1:2 gemacht. In Madrid war es Torman Sven Ulreich, der sich direkt nach Wiederanpfiff einen “Blackout” leistete, wie Trainer Jupp Heynckes sagte.

“Das ist sehr bitter für den Spieler”, sagte Heynckes über Ulreich, der zur Dopingkontrolle musste und deshalb wortlos verschwand. “Sven hat eine ganz tolle Saison gespielt.” Ein Manuel Neuer ist Ulreich am Ende aber doch nicht. “Wir spielen die ganze Saison ohne den besten Torwart der Welt”, sagte Innenverteidiger Mats Hummels. Heynckes verwies auf den Mann im anderen Tor, Reals Retter Keylor Navas: “Der gegnerische Torwart hat heute wirklich mitgespielt.”

Für Zidane wie für die Sporttageszeitung Marca waren Navas und Doppeltorschütze Karim Benzema die Helden des Abends. “Kiew schreibt man mit ‘K’. Genauso wie Karim. Und wie Keylor. Ihnen hat es Real Madrid zu verdanken, sich zum dritten Mal in Folge für das Finale der Champions League qualifiziert zu haben”, berichtete das Hauptstadtblatt. “Spieler und Torwart – in großen Spielen müssen sie da sein. In der zweiten Halbzeit hat er uns mit seinen Paraden sehr viel gegeben”, sagte Zidane. Gerade für Benzema, der in der laufenden Saison wegen seiner Trefferflaute schon hart kritisiert wurde, dürfte es eine besondere Genugtuung sein.

Hummels berichtete vom vielsagenden Wortwechsel mit seinem Nationalteamkollegen Toni Kroos. “Mats, das Ding haben nicht wir gewonnen, das habt ihr euch selber zuzuschreiben, dass ihr nicht im Finale seid. Und da hat er leider recht damit”, fasste Hummels die kurze Unterhaltung zusammen. Für Madrid-Kapitän Sergio Ramos war die Sache klar: “Sie hatten mehr Ballbesitz, aber insgesamt waren wir besser. Wir verdienen es in Kiew zu sein.” Dort ist im Finale am 26. Mai entweder Liverpool oder AS Roma der Gegner.

Weniger klar war die Angelegenheit für die Medien. “Der Fußball bleibt jenes Spiel, in dem Elf gegen Elf antreten und der Schiedsrichter sich immer zum Vorteil von Madrid vertut. (…) Verdient haben sie es nicht. Weder im Hin- noch im Rückspiel. Sie waren weder besser als die Bayern noch besser als Juventus”, schrieb “Sport” deutlich. Real hatte letztlich auch großes Glück, dass der türkische Schiedsrichter Cüneyt Cakir kurz vor der Pause ein Marcelo-Handspiel im Strafraum nicht ahndete.

Für Müller kein Grund zum Wehklagen. “Der Schiedsrichter hat einen guten Job gemacht, wir haben nicht wegen ihm verloren”, betonte er. Marcelo selbst gestand seine Missetat. “Würde ich sagen, dass er mich nicht (an der Hand) getroffen hat, würde ich lügen. Aber so ist Fußball”, erklärte der Brasilianer.

Heynckes machte auch das Fehlen von fünf Topspielern (Neuer, Jerome Boateng, Arjen Robben, Arturo Vidal, Kingsley Coman) mitverantwortlich für das vierte Scheitern im Halbfinale seit 2013. Für ihn selbst war es das letzte internationale Spiel. “Natürlich ist das jetzt eine Situation, wo ich weiß, es ist endgültig, dass ich nie mehr auf die Trainerbank zurückkehre bei einem Champions-League-Spiel. Und ich finde, das ist auch gut so”, sagte Heynckes, der im vergangenen Oktober nach der Trennung von Carlo Ancelotti noch einmal zu den Bayern zurückgekehrt war: “Ich denke, nicht viele gehen mit 72 Jahren noch solche Abenteuer ein.”

Heynckes hielt noch im Estadio Santiago Bernabeu eine bewegende Kabinenansprache, wie Anwesende berichteten. Er rühmte sein “Truppe”, mit der er die Zeit zurückdrehen und das einzigartige Triple von 2013 wiederholen wollte. “Ich habe den FC Bayern in der Verfassung, in der Form schon viele Jahre nicht mehr gesehen”, schwärmte der Coach nach 97 Minuten “Fußball vom Feinsten, Fußball, den man selten in Europa sieht”.

Als hätte das bittere Aus nicht gereicht, wurden die Bayern in der Nacht dann auch noch aus ihrem Schlaf gerissen. Gegen 5.00 Uhr gab es im Mannschaftshotel einen Feueralarm, die Spieler mussten ihre Zimmer räumen. Nach kurzer Zeit war der Spuk aber wieder vorbei.

Von: APA/dpa/ag.