Die Erfahrung spricht für Real, der Enthusiasmus für Liverpool

Real hat Titelhattrick im Visier – Liverpool aber “on Fire”

Freitag, 25. Mai 2018 | 16:19 Uhr

Real Madrid greift am Samstagabend (20.45 Uhr/live ORF eins, ZDF und Sky) in der Fußball-Champions-League nach dem dritten Titel in Serie. Die Spanier gehen als Favorit ins Finale gegen Liverpool. Ein Titelhattrick im wichtigsten Europacup-Bewerb ist seit Bayern München 1976 keinem Club mehr gelungen. “Wir wollen wieder Geschichte schreiben”, sagte Reals Superstar Cristiano Ronaldo.

Das hatte sein Team schon in der vergangenen Saison getan, als die Trophäe erstmals seit Einführung der Champions League (1992) erfolgreich verteidigt wurde. Zwölfmal haben die Madrilenen Meistercup bzw. Champions League bereits gewonnen – bei bisher 15 Finalauftritten. Seit 37 Jahren hat Real keines seiner sechs Endspiele in der Königsklasse verloren. Damals, 1981 im Pariser Prinzenpark, setzte es aber ein 0:1 gegen Liverpool.

Die “Reds” wollen den Königlichen am Samstag im Olympiastadion von Kiew erneut ein Bein stellen. Trainer Jürgen Klopp versprach einen harten Kampf. “Wir werden richtig ‘on Fire’ sein”, sagte der Deutsche. “Erfahrung ist im Fußball wichtig, aber wir haben Leidenschaft. Wenn wir gewinnen, wäre eine außergewöhnliche Reise perfekt.”

Begonnen hat sie für Klopp als Liverpool-Coach im Oktober 2015. In der laufenden Saison überzeugte sein Team mit spektakulärem Offensivfußball. 46 Tore schossen der neue Fan-Liebling Mohamed Salah und seine Kollegen auf dem Weg ins Finale und stellten damit einen neuen Rekord auf. Die Abwehr ist trotz des im Winter für 84 Mio. Euro verpflichteten Niederländers Virgil van Dijk aber noch immer anfällig.

Liverpool muss in der Verteidigung ohne die Langzeitverletzten Joel Matip und Joe Gomez auskommen. Mittelfeldmann Alex Oxlade-Chamberlain fehlt infolge einer im Halbfinale gegen AS Roma erlittenen Bänderverletzung im Knie, dafür steht der Deutsche Emre Can steht erstmals nach seiner im März erlittenen Rückenverletzung zur Verfügung – für Klopp selbst eine Überraschung. “Er ist eine schöne Option.”

Real-Coach Zinedine Zidane kann aus dem Vollen schöpfen. Die größte offene Frage lautet: Karim Benzema oder Gareth Bale? Nur einer der beiden Offensivstars hat an der Seite von Ronaldo in der Startformation Platz, dahinter scheint Kreativmann Isco gesetzt. Benzema hatte im Halbfinal-Rückspiel gegen Bayern München (2:2) zweimal getroffen, Bale erhielt aber in der letzten Ligarunde vor einer Woche gegen Villarreal (2:2) den Vorzug.

Die Madrilenen haben nur eines ihrer vergangenen fünf Pflichtspiele gewonnen. In den wichtigen Partien ist Real aber schon in den vergangenen Jahren da gewesen. Zidane könnte sein Team nach nur zweieinhalb Jahren im Amt bereits zum dritten CL-Titel führen. Damit wäre auch die verkorkste Ligasaison, die sein Team hinter dem FC Barcelona und dem Stadtrivalen Atletico nur auf Rang drei beendet, verziehen.

Drei der jüngsten vier Titel in der Königsklasse hat Real eingefahren. Zwölfmal ist die wichtigste Trophäe im europäischen Clubfußball bisher an den Rekordgewinner gegangen. Liverpool hat sie immerhin bereits fünfmal geholt, zuletzt mit einer unvergessenen Aufholjagd 2005 nach 0:3-Pausenrückstand gegen AC Milan. Mit Nummer sechs würden die Engländer an den Bayern und Barcelona vorbeiziehen.

Damit hätte auch ein kleiner Fluch ein Ende: Klopp hat seine jüngsten fünf Endspiele alle verloren, darunter auch sein erstes europäisches mit Liverpool 2016 in der Europa League gegen den FC Sevilla (1:3). Einzig im DFB-Pokalfinale 2012 gegen Bayern behielt “The Normal One”, wie er sich selbst einmal bezeichnete, mit Dortmund bisher die Oberhand (5:2).

Ganz anders Zidane, der seine sieben Finali als Real-Coach alle gewonnen hat. Der frühere Weltfußballer scheint mit Drucksituationen umgehen zu können, vor allem aber kommt er mit den großen Egos in seinem Team zurecht. “Ich weiß sehr gut, wie es in Kabinen zugeht. Ich bin nicht der beste Trainer. Ich bin taktisch nicht der Beste, aber ich habe Leidenschaft und Hoffnung – und das ist viel mehr wert”, meinte der 45-Jährige.

Von: APA/dpa