Cristiano Ronaldo erzielte 1:0 für Real Madrid

Real wieder in Champions-League-Form: “Lehrstunde” für PSG

Mittwoch, 07. März 2018 | 12:14 Uhr

Für Real Madrid war es fast “business as usual”, für Paris Saint-Germain das neuerliche Ende der hochgesteckten Erwartungen. Mit einem in der Fußball-Champions-League weiter auf Torjagd befindlichen Cristiano Ronaldo hat der Titelverteidiger aus Spanien eine vermeintlich hohe Achtelfinal-Hürde mit wenig Gegenwehr aus dem Weg geräumt. Bei den Franzosen war der Frustfaktor nach dem Aus hoch.

Wer nach dem 1:3 im Hinspiel einen Sturmlauf des französischen Ligakrösus erwartet hatte, wurde am Dienstagabend enttäuscht. Real verwaltete den Vorsprung mit einer defensiven Spielausrichtung problemlos. Ronaldo traf kurz nach Seitenwechsel (51.), nach Gelb-Rot für PSG-Akteur Marco Verratti (66.) war eine Vorentscheidung gefallen. Tore von Edinson Cavani (70.) bzw. Casemiro (80.) zum 2:1-Auswärtssieg der Madrilenen waren im Pariser Prinzenpark fast nur noch Beiwerk.

“Wir haben uns nicht beirren lassen und so werden wir auch weiterarbeiten, um etwas zu erreichen”, sagte Real-Trainer Zinedine Zidane nach dem Spiel. Der französische Ex-Star hatte bei seiner Aufstellung überrascht, indem er Gareth Bale ebenso wie die nach Verletzungen in den Kader zurückgekehrten Luka Modric und Toni Kroos auf die Bank setzte. Marco Asensio, Lucas Vazquez und der in Linz aufgewachsene Kroate Mateo Kovacic wussten zur Freude für Zidane dann zu gefallen.

Nach dem Auftritt in Paris erinnerten spanische Journalisten an Reals Vorstellungen in den vergangenen Königsklassen-Saisonen, als am Ende Titel herausschauten. Zidane ließ sich zu Vergleichen nicht hinreißen. “Wir sind jetzt einmal weiter und glücklich”, sagte er. Kapitän Sergio Ramos ortete einen Aufwärtstrend bei seiner national ins Hintertreffen geratenen Mannschaft. “Ich würde sagen: Madrid ist zurück”, meinte der Verteidiger, um zugleich zu betonen: “Gewonnen haben wir aber noch nichts.”

Spaniens Presse stimmte nach Reals achtem Viertelfinaleinzug in Folge Lobeshymnen an. “Der König erobert Paris”, schrieb die Marca über Ronaldo, der sein zwölftes Saisontor in der Champions League anschrieb. Der Portugiese hat in allen acht Spielen des laufenden Bewerbs zumindest einen Treffer erzielt. Mit seinen Toren im Finale 2017 hat Ronaldo bereits neun Partien in Serie getroffen und liegt nun gleichauf mit dem diesbezüglichen Rekordhalter Ruud van Nistelrooy (2002 bis 2003).

Während in Spanien auch von einer “Lehrstunde” (Marca) für Paris zu lesen war, war in Frankreich Frust vorhanden. “Viel Lärm um Nichts”, schrieb die Sporttagezeitung L’Equipe auf ihrer Titelseite. Hatte PSG zu Beginn der Gruppenphase noch Bayern München mit 3:0 abgefertigt, kam in der entscheidenden Phase das Aus wieder einmal schnell.

Wie im vergangenen Jahr endete die Champions League für die äußerst ambitionierten Hauptstädter bereits im Achtelfinale. Das Ausscheiden verlief nicht so dramatisch wie gegen den FC Barcelona, als PSG nach einem 4:0-Hinspielerfolg auswärts noch 1:6 unterging. Gegen Real war das Endergebnis aber deutlicher. Ohne den verletzten Superstar Neymar fehlte es offensiv an Durchschlagskraft und in der Abwehr taten sich Lücken auf.

Unai Emery wird sich wohl auf einen neuen Arbeitgeber einstellen müssen. Der Vertrag des spanischen Trainers läuft mit Saisonende aus und hätte sich nur mit dem Sprung ins Semifinale der Champions League automatisch verlängert. In der Ligue 1 und im französischen Cup auf Double-Kurs, wird die katarische Clubspitze Emery aber wohl nicht vorzeitig beurlauben. Er selbst meinte zu Fragen, seine Zukunft betreffend: “Heute ist nicht der Tag, um darüber nachzudenken.”

“Gegen Real Madrid zu verlieren ist keine Enttäuschung, im Achtelfinale auszuscheiden aber schon”, sagte Emery weiter. Clubchef Nasser Al-Khelaifi vermied es, über Konsequenzen zu sprechen. “Jeder ist jetzt aufgekratzt. Wir werden ruhig darüber reden, was wir ändern müssen. Wir haben Zeit dafür”, sagte der Katarer. Vom eingeschlagenen Kurs werde man nicht abweichen.

Mehr als 400 Millionen Euro investierte Paris im vergangenen Sommer alleine in die Transfers von Neymar und Kylian Mbappe (vorerst von Monaco geliehen). Auf die Frage, ob diese Investitionsstrategie hinterfragt werden müsse, winkte Al-Khelaifi ab. “Nein, wir glauben an unsere Spieler. Wir wollen das Projekt mit diesen beiden Spielern weiterführen, weil das die Zukunft des Clubs ist.”

Nach dem 5:0 im Hinspiel wenig aussagekräftig war am Dienstag der Heimaufritt von Liverpool. Die “Reds” begnügten sich gegen den FC Porto an der Anfield Road mit einem 0:0. Zuletzt stand Liverpool 2009 im Viertelfinale der Champions League, Trainer Jürgen Klopp wusste: “Ich denke es war Zeit, dass wir wieder dort aufscheinen. Es gibt eine gute Entwicklung bei Liverpool im Moment, aber wenn man in einem Bewerb wie der Champions League nicht aufzeigt, nimmt keiner davon Notiz.”

In seiner dritten Saison an der Merseyside sieht Klopp seine Mannschaft für Höheres bereit. “Um ehrlich zu sein, heuer gehören wir dorthin. Es sollte jetzt keine große Überraschung sein”, meinte der Deutsche über den Aufstieg. Im Viertelfinale werde es natürlich schwerer, das Semifinale bleibe aber Ziel. In einer ereignisarmen Partie war einer der Höhepunkte, als Portos Schlussmann Iker Casillas von Liverpools Fankurve mit Applaus bedacht wurde. Der Vertrag des 36-jährigen Spaniers bei den Portugiesen läuft mit Saisonende aus, es könnte die letzte Champions-League-Partie für den dreifachen Bewerbsieger mit Real Madrid gewesen sein.

Von: APA/ag.