Ricciardo brannte neuen Streckenrekord in den monegassischen Asphalt

Red Bull Racing startete mit Rekord ins Jubiläums-Wochenende

Donnerstag, 24. Mai 2018 | 19:09 Uhr

Red Bull hat beim Motorsport-Highlight des Jahres einen perfekten Start ins Jubiläums-Wochenende hingelegt und mit Bestzeiten die Favoritenrolle bestätigt. Mit den neuen Hypersoft-Reifen zertrümmerten in den freien Donnerstags-Trainings Daniel Ricciardo und Max Verstappen wechselweise den bestehenden Rundenrekord. Das Team hofft, beim 250. GP-Start auch am Ende ganz vorne zu sein.

Denn im Geschlängel der 19 engen Monaco-Kurven auf nur 3,337 Kilometern zählen am Sonntag (15.10 Uhr MESZ, Live ORF 1 und RTL) vor allem mechanischer Grip, gute Traktion und die Auto-Balance, weniger aber die PS, das große Manko beim französischen Motorenpartner der “Bullen.” Die beste Sieg-Voraussetzung wäre natürlich eine Pole, auch wenn zuletzt die Statistik dagegen sprach.

Denn von den bisherigen 65 Rennen der Formel 1 in Monaco (offiziell ist es der 76. Monaco Grand Prix) wurden zwar 28 aus der Pole gewonnen und passierte dies zwischen 2004 und 2014 gleich zehn von elf Mal: In den letzten drei Auflagen hat es der Pilot vom besten Startplatz aus aber nicht geschafft, das prestigeträchtigste Formel-1-Rennen des Jahres zu gewinnen.

Den beiden Red Bull am nächsten kam der Ferrari von Vorjahressieger Sebastian Vettel. Der mit zwei Siegen in die Saison gestartete Deutsche gerät zunehmend unter Druck. Nach vermuteten Ölverbrennungs-Tricks und dem Rückbau der am Halo montierten Rückspiegel-Flügel ist nun bei Ferrari auch die Batteriesoftware ins Blickfeld der FIA-Kontrolleure geraten. Vettel beschwichtigte, hat nach anfänglicher WM-Führung aber vor dem 6. Saisonrennen 17 Punkte Rückstand auf Lewis Hamilton.

“Das hier ist eine andere Strecke, eine ganz andere Charakteristik”, spielte Vettel zunächst die Speed-Probleme von Barcelona herunter und erinnerte an den Monaco-Doppelsieg vom Vorjahr. Auch der mittlerweile verlängerte Radstand der Ferraris sei kein Problem. “Das heißt ja nicht, dass wir jetzt einen Bus haben”, sagte Vettel und bestätigte das als Dritter noch vor Hamilton und knapp 6 Zehntel Rückstand auf Ricciardo.

Verstappen verbesserte den am Vormittag von Ricciardo auf 1:12,126 Min. gedrückten Streckenrekord (Kimi Räikkönen 2017) am Nachmittag zunächst auf 1:12,035, ehe Ricciardo auf der im Finish immer schneller werdenden Strecke mit 1:11,841 als erster Fahrer überhaupt in Monaco unter 1:12 Minuten blieb. Dazwischen hatte man in FP2 wegen gelockerter Kanaldeckel für zehn Minuten keine Autos auf die Strecke gelassen.

Die von der Konkurrenz zugeschanzte Favoritenrolle und die Hoffnungen der “Jubiläums-Spezialisten”, auch den 250. GP-Start am Sonntag mit einem Sieg zu beenden, wurden damit befeuert. “Wenn unser Chassis wo zur Geltung kommt, dann hier. Langsam kommen wir in die Favoritenrolle”, ließ sich sogar Red Bulls Motorsport-Berater Helmut Marko im ORF zu Optimismus hinreißen.

Der Moment der Wahrheit kommt aber nach dem wie immer arbeitsfreien Freitag in Monaco erst am Samstag im Qualifying. Heuer haben es die Bullen noch nicht in die Top-3 geschafft, in Monaco könnte es nun sogar für ganz vorne reichen. Im Rennen ist der RB14 ohnehin Klasse.

Er sei deshalb “aufgeregt wie ein Schulbub”, gestand Ricciardo. Seine Karriere dürfe nicht ohne Monaco-Sieg bleiben. Die bisher beste Chance vergab man bekanntlich vor zwei Jahren durch eine Boxen-Panne. “Deshalb habe ich das Gefühl, dass mir Monaco einen Sieg schuldet.”

Red Bull dürfte jedenfalls beim Jubiläum mit der aggressiven Strategie richtig liegen. Gleich elf Sätze der rosa gekennzeichneten Gummiwalzen Namens Hypersoft hat das Team geordert. Der superweiche und dennoch haltbare Pneu wurde allseits gelobt und bringt offensichtlich mindestens eine Sekunde pro Runde.

Schon vor dem Rennen wurde Red Bull zum Jubiläum gratuliert, natürlich auch von Vettel. Mit dem Deutschen war das Team von Dietrich Mateschitz zwischen 2010 und 2013 vier Mal in Folge Konstrukteurs- und Fahrerweltmeister geworden. “Eine tolle Zeit, auf die ich immer gerne zurückblicken werde”, sagte Vettel. Sein Glückwunsch fiel freilich zwiegespalten aus. “Alles Gute und kein Sieg”, meinte er schmunzelnd.

Trotz ihrer starken Zeiten blieben die Red-Bull-Piloten aber vorsichtig. “Bei uns ist der Unterschied zwischen Training und Qualifying normalerweise nicht so groß wie das, was Ferrari und Mercedes noch finden”, glaubt Ricciardo, dass die Konkurrenz noch deutlich zulegen wird. Ferrari-Ass Vettel meinte prompt: “Ich würde mich nicht festlegen wollen, wer die Nase am Samstag vorn hat.”

Angesprochen wurde damit der Qualifikations-Modus, dank dem Mercedes und Ferrari bei der Ausscheidung um die Startplätze im Rennen zusätzliche PS aktivieren können. Das funktioniert bei Red Bull wegen der schwächeren Renault-Motoren nicht.

“Sie werden also die Lücke im Qualifying mit Sicherheit schließen”, befürchtet Ricciardo. “Aber wenn wir eine wirklich gute Runde hinbekommen, haben wir nach wie vor eine gute Chance. Das ist dann mein Job am Samstag”, ist dem Australier bewusst.

Ähnlich argumentierte Verstappen. “Sie werden uns dank der Motoren-Modi näher kommen. Aber ich bin sicher, auch wir können noch etwas zulegen.” Ricciardo ist überzeugt, dass alle Fahrer der drei Topteams am Samstag unter 1:12 Minuten bleiben. “Wir haben die Latte gelegt. Ferrari und Mercedes werden nun Druck machen. Aber zumindest heute haben wir getan, was wir tun konnten. Das war gut.”

Von: apa