Nutznießer der vielen Unterbrechungen war Daniel Ricciardo

Ricciardo gewann im Red Bull Chaos-Rennen in Baku

Sonntag, 25. Juni 2017 | 20:26 Uhr

Daniel Ricciardo hat vor Valtteri Bottas unerwartet den chaotischen Formel-1-Grand Prix von Aserbaidschan gewonnen und Red Bull Racing zwei Wochen vor dem Heimrennen in Österreich den ersten Saisonsieg beschert. Sensationsdritter in Baku wurde der junge Kanadier Lance Stroll. Sebastian Vettel baute als Vierter vor Lewis Hamilton seine WM-Führung um zwei Punkte auf 14 Zähler aus.

Mit dem nur von Platz zehn gestarteten Ricciardo als Sieger vor Bottas und dem erst 18-jährigen Williams-Teenager Stroll hätte vor dem zweiten Formel-1-Rennen in Baku wohl niemand gerechnet. Grund war ein chaotischer und mit viel Zündstoff beladener Rennverlauf mit drei Safety-Car-Phasen sowie einer längeren Rennunterbrechung, der alle Prognosen über den Haufen warf.

Knackiger Höhepunkt des achten Saisonrennens, das mit dem Besuch der US-Sängerin Mariah Carey noch beschaulich begonnen hatte, war eine höchst umstrittene Szene zwischen Vettel und Hamilton. Zunächst fuhr der Deutsche mit seinem Ferrari dem hinter dem Safety Car führenden Mercedes Hamiltons leicht ins Heck und rempelte dann erbost den Wagen des Engländers auch noch seitlich an.

Der deutsche WM-Führende fasste dafür eine Zehn-Sekunden-Strafe aus. Weil der führende Hamilton nach dem Zwischenfall aber seinerseits an die Box musste um seinen defekten Kopfschutz zu tauschen, konnten die beiden WM-Kontrahenten im Finish nicht mehr in den Kampf um den Sieg eingreifen.

Hamilton zeigte sich von Vettel enttäuscht und appellierte an die Vorbildrolle eines Champions. “Jeder hat eindeutig gesehen, was passiert ist. Die ganzen Jungs in den anderen Serien schauen zu uns auf, als Weltmeister gehen wir als Vorbilder voraus – und dieses Verhalten erwartet man nicht von einem mehrmaligen Champion”, sagte Hamilton.

Der Engländer hielt sich mit Kritik gegen Vettel nicht zurück. “Wir wissen, dass sich in schwierigen Zeiten das wahre Gesicht zeigt. Ich persönlich möchte diese Weltmeisterschaft jedenfalls auf die richtige Art und Weise gewinnen.” Hamilton beteuerte, nicht gebremst zu haben. “Ich habe Sebastian keinesfalls auflaufen lassen. Wie bei den anderen Re-Starts habe ich an der gleichen Stelle eingangs Kurve 15 lediglich langsamer gemacht”, sagte der Mercedes-Pilot.

“Er ist auf die Bremse gestiegen”, war Vettel überzeugt. “Ich konnte nirgends mehr hin und bin ihm in die Kiste gefahren. Das war unnötig für uns beide”, ärgerte sich der Ferrari-Star und forderte forsch: “Wenn, dann sollte auch er bestraft werden.”

Vettel freute sich zwar, seine WM-Führung ausgebaut zu haben, ärgerte sich aber über einen möglicherweise verpassten Sieg. Zur Kollision und seiner anschließenden Rempel-Aktion gegen Hamilton meinte er: “Er hat so etwas schon mal in China gemacht. Ich wollte ihm zeigen, dass man das nicht tut. Wir sind Männer und nicht im Kindergarten.”

Speziell Vettels Rempelei im Stil eines Autorowdys wäre freilich entbehrlich gewesen. “Das war absolut respektlos und falsch von Sebastian”, sah es auch Hamilton so. Niki Lauda war überzeugt: “Wie im Autoverkehr hat der Vordere immer recht. Der Hintere muss bremsen.”

Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff war verärgert. “Lewis hat sicher nicht gebremst. Jetzt sind die Handschuhe herunten!” Hamilton reagierte jedenfalls erbost. “Jetzt ist der Kampf eröffnet”, warf der britische Dreifach-Weltmeister dem vierfachen Champion aus Deutschland erzürnt den Fehdehandschuh hin.

Und das punktegenau vor dem Österreich-Rennen in zwei Wochen in Spielberg. 14 Punkte Vorsprung auf Hamilton hat Vettel vor dem neunten Saisonlauf in der Steiermark, wo seit der Rückkehr der Formel 1 aber nur Mercedes gewonnen hat. Hamilton reist als Vorjahressieger an.

Es hätte an diesem Tag viele Profiteure des Tohuwabohus an der kaspischen See geben können. Während im Vorjahr bei der Grand-Prix-Premiere in Baku das befürchtete Chaos noch ausgeblieben war, bekam man 2017 auf dem schnellen aber zum Teil auch extrem engen Stadtkurs das befürchtete “Crashgate” gleich mehrmals inszeniert.

Dass schon in Kurve eins die beiden Toro Rossos und gleich darauf Bottas und der Ferrari Kimi Räikkönens aneinandergerieten, war nur der Auftakt eines der turbulentesten Rennen seit langem. Denn nach jedem Restart musste zunächst das Safety Car postwendend wieder auf die Strecke. Knapp nach Rennmitte kam dann sogar die rote Flagge, um den Baku City Circuit von den vielen herumliegenden Trümmern zu reinigen.

Als das auf 16 Autos geschrumpfte Feld danach wieder los fuhr, gelang Ricciardo die entscheidende Attacke. Der nur von Platz zehn gestartete Australier war durch das Chaos auf Platz fünf gespült worden, beim Restart presste er sich sehenswert an zwei Konkurrenten vorbei und war Dritter. Als Hamilton und Vettel an die Box mussten, führte Ricciardo.

Während sein von Platz fünf gestarteter Teamkollege Max Verstappen zum schon vierten Mal heuer ausfiel, fuhr Ricciardo unerwartet den ersten Saisonsieg für Red Bull Racing nach Hause. Es war der fünfte Grand-Prix-Sieg für Ricciardo und der 53. insgesamt für das Team von Dietrich Mateschitz.

Bottas wiederum fing den Sensationsmann Stroll auf dem Zielstrich noch knapp ab. Der Kanadier ist dennoch der zweit-jüngste Podestfahrer in der Geschichte der Formel 1 nach Verstappen. Bezeichnend für das verrückte Rennen auch: Der neben Hamilton aus Reihe eins gestartete Bottas war nach Kollision und frühem Reifenwechsel anfangs mit einer Runde Rückstand Letzter, am Ende war er Zweiter.

Von: apa

Kommentare

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11 Kommentare auf "Ricciardo gewann im Red Bull Chaos-Rennen in Baku"


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Dublin
Dublin
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

…Vettel hat neue Taktik: Gegner rausboxen… 😂

tom
tom
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Wie einst der unvergessene Senna

Mistermah
Mistermah
Superredner
1 Monat 1 Tag

Aha? Wer hat durch ein unnötiges Bremsmanöver den frontflügel seines direkten Gegners zerstört?

enkedu
enkedu
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

wenn des af der stros tuasch wearsch eingsperrt.

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Tratscher
1 Monat 21 h

@Mistermah sogor als vettel fan muas i sogen, dass dr hamilton nit wirklich obremst hot, sondrn dr vettl hot drmit grechnt das dr hamiltn br kurv gas gib und as rennen wieder freigib. hotr obr nit toun und desswegen hots gschnellt.
dr führende terf di geschwindigkeit oungeben, wor ollm schun sou.

und noch denn rammstoß von vettl hat man en eigentlich disqualifizieren gmiast.

Antivirus
Antivirus
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Achtung Bulle!!😂😂😂

Antivirus
Antivirus
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Herzlichen Glückwunsch an Daniel von “Antivirus “

santina
santina
Superredner
1 Monat 23 h

Hamiltons Forderung, Bottas solle langsam fahren, um Vettel einzubremsen. 
So kennt man ihn, den “Sportsmann” Hamilton.

Warum Vettel bestraft wurde, ist mir klar.
Warum Hamilton keine Strafe erhielt, erschließt sich mir nicht so recht.

Dublin
Dublin
Universalgelehrter
1 Monat 16 h

@santina…wenn es sich dir nicht erschliesst, dann halte dich an italienische Freunde…wie sagen die doch so treffend: “chi incula, paga” … 😅

oli.
oli.
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

wenn 2 dumme sich streiten , freut sich der 3.

Klaus12
Klaus12
Neuling
1 Monat 11 h

Also, weder Hamilton noch Vettel verhielten sich korrekt.
Hamilton hat wieder mal provoziert, wie auch andere Male in der Vergangenheit. Vettel ist mal wieder der Frust gekommen. Vettel wollte Hamilton nur zeigen, dass dieser mit ihm nicht so wie mit Rosberg umgehen kann.
Mal ehrlich da hätten sich wirklich beide eine Strafe verdient. Aber das interessiert ja niemanden.
Genauso der Crash zwischen Bottas und Raikkonen, hier hätte sich Bottas wirklich eine Strafe verdient, denn er weis genau, dass es zu eng ist um in dieser Kurve zu überholen.
Aber hier sieht man wie Mercedes schon seit Jahren von der FIA Hilfe bekommt. 

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