Al Obaidi fühlt sich als Österreicher

Ringer Al Obaidi – Irak-Flüchtling mit neuer Heimat in Tirol

Montag, 19. Juli 2021 | 05:01 Uhr

Aker Al Obaidi ist dankbar und stolz. Dankbar dafür, dass er den Bürgerkriegswirren im Irak als Jugendlicher entkommen ist und in Österreich eine neue Heimat gefunden hat. Mit Stolz erfüllt den 21-jährigen Ringer, dass er mehr als sechs Jahre nach seiner Flucht aus Mossul als Teil des internationalen Flüchtlingsteams an Olympia in Tokio teilnehmen kann. Gerne würde er das zukünftig für Österreich tun, er hofft auf die Staatsbürgerschaft.

In Japan ist er Teil des 29-köpfigen Refugee-Teams. “Ich trete als Flüchtling an, und bin auch stolz auf diese Möglichkeit, aber ich fühle mich als Österreicher. Ich bin hier groß geworden. Ich bin hier zufrieden, ich habe Freiheit, Österreich ist meine Heimat”, erläuterte der seit 2018 im Tiroler Inzing lebende Al Obaidi im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur und ergänzte: “Ich kämpfe für das Refugee Team und für Österreich.”

Der RSC Inzing um Vereinschef Klaus Draxl und Trainer Benedikt Ernst haben den hochtalentierten Teenager vor dreieinhalb Jahren von der Steiermark ins Inntal gelotst. Dort sorgten sie für ein ideales Umfeld. “Klaus Draxl ist wie ein Vater für mich. Hier ist meine zweite Familie, er schaut auf mich, alle schauen auf mich”, verweist Al Obaidi auf die anhaltende Unterstützung.

In der heimischen Ringerhochburg wohnt er in unmittelbarer Nähe der Trainingshalle nur 200 m von Ernst entfernt, der wie Draxl eine wichtige Bezugsperson geworden ist. Bis Al Obaidi in Österreich Zuflucht und auch eine neue sportliche Heimat fand, musste er einiges durchmachen. “Ich habe viel gesehen auf der Flucht, es war richtig schwierig.” Mit Ernst spricht er nur selten über die Erfahrungen mit der IS-Terrormiliz im Irak und seinen harten Weg bis nach Österreich. “Er hat Sachen erlebt, die nicht schön waren. Die haben ihn auch geprägt”, so der Coach.

Mittlerweile hat sich ohnehin vieles zum Besseren gewendet, wie Al Obaidi festhält. “Es war gutes Schicksal, ich bin in das beste Land gekommen.” Seine Mutter und vier Geschwister leben nach wie vor im fernen Krisengebiet. Sie seien froh, dass wenigstens er in Sicherheit ist. “Die Lage dort ist nicht leicht. Es ist gefährlich, es gibt keinen Frieden, jederzeit ist man in Gefahr. Meine Mama weiß, ich habe Freiheit und Leute, die auf mich schauen. Sie macht sich keine Sorgen und ist glücklich, dass ich in Sicherheit bin.”

Das Ringen hatte er als Kind unter Aufsicht seines Vaters erlernt. In Österreich fand er nach Neuanfängen in der Steiermark, wo er einen Schulabschluss und eine Malerlehre absolvierte, zurück auf die Matte. In Inzing reifte er zur Olympiahoffnung. Nachweis für sein großes Talent sind unter anderem eine Junioren-EM-Bronzemedaille 2019 sowie unlängst ein zweiter Weltcuprang.

Seit zwei Jahren hat er sich dank eines IOC-Stipendiums voll auf den Sport konzentrieren können. Anfang Juni erfolgte schließlich die Nominierung in das Olympia-Flüchtlingsteam. “Seit ein paar Wochen lebe ich diesen Moment, dieses coole Gefühl, dass ich bei Olympia dabei sein darf”, beschreibt er seine Gefühlslage.

In Japan geht der 21-Jährige am 3. August als Jüngster voller Selbstvertrauen in den Bewerb der griechisch-römischen Klasse bis 67 kg. “Ich bin motiviert und habe keinen Druck. Die anderen haben mehr Erfahrung als ich, aber ich sage mir immer: ‘Du bist stark, du kannst alles, du hast Talent'”. Allzu große Nervosität verspüre er nicht. “Ich bin gern auf der Matte. Ich will kämpfen, ich will gewinnen.”

Sein Trainer ist begeistert, dass es Al Obaidi anders als seine österreichischen Clubkollegen nach Tokio geschafft hat. Zu große Erwartungshaltungen will Ernst aber nicht aufbauen. “Er ist sehr jung, er ist unbekümmert. Es kommt auch auf die Auslosung an, aber es ist vieles möglich”, meinte Ernst und hofft, dass sein Schützling auch die besonders schwierigen Corona-Umständen meistern wird. “Es wird spannend, wie er das alles verkraftet. Das wird auch für seine sportliche Zukunft extrem wichtig.”

Wichtig auch, um möglicherweise bald die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten. “Ich hoffe, es gibt diese Möglichkeit. Ich will Österreich helfen. Ich wohne hier, ich spreche die Sprache, ich bin integriert. Ich bin froh und so stolz, wenn ich die österreichische Fahne auf der Brust trage”, bekräftigte Obaidi, der hierzulande seit 2016 subsidiären Schutzstatus genießt. “Es wäre schön, wenn man diese Geschichte noch damit abschließen könnte”, hofft auch Ernst auf den baldigen Erhalt der Staatsbürgerschaft.

Mitglied des Ringernationalteams ist Al Obaidi ohnehin längst, und auch die Olympia-Einkleidung und feierliche Verabschiedung in Wien machte er mit dem rot-weiß-roten Team mit. “Das ist gelebte Integration, wie sie eigentlich überall stattfinden sollte”, betonte ÖOC-Präsident Karl Stoss.

Von: apa

Kommentare

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10 Kommentare auf "Ringer Al Obaidi – Irak-Flüchtling mit neuer Heimat in Tirol"


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quilombo
quilombo
Superredner
14 Tage 10 h

schöne Geschichte, man kann diesem jungem Mann nur viel Erfolg wünschen.
Daß zu Anfang des Artikels von “Bürgerkriegswirren” im Irak die Rede ist, stört. Schließlich ist das Land von den Usa unter Bush Vater und Bush Sohn überfallen worden und die ganze Nato ist hinterher. Wenn fremde Heere einmarschieren, ist das Krieg, nicht “Bürgerkrieg”. Dieses Wort ist auch bei Lybien und Syrien immer wieder im Gebrauch. Soll damit kaschiert werden, daß es westliche Heere waren, welche dem Land den Krieg aufgezwungen haben?

Kingu
Kingu
Tratscher
14 Tage 7 h

@quilombo Du blendest absichtlich die sowjetischen Konflikte in dieser Region aus, überhaupt im Irak hat die USSR mehr zivile Opfer in kürzester Zeit zu verbuchen gehabt, als die Amerikaner über die ganzen Jahrzehnte im Mittleren Osten. Die USSR hatte den Nahen Osten erst zum Umschlagplatz für Opiate gemacht, daneben gab es bereits immer Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten in diese Breitengrade. Ein Ort von Frieden wird es nie sein, immerhin sind heute die Mehrheit aller terroristischen Gruppen, islamistische Gruppen welche aus diese Regionen stammen.

quilombo
quilombo
Superredner
14 Tage 3 h
@Kingu, ich blende die Sowietunion nicht aus, sondern sie hat mit dem Irak nichts zu tun. Es gab keinen Konflikt Irak – Sowietunion, woher sollten da die zivilen Opfer kommen. Tatsache ist, daß die Usa 1980 den Irak zum Krieg gegen den Iran überredet haben, in dem sie Saddam versprachen er dürfe sich zum Lohn anschließend Kuweit holen. Dieser Krieg dauerte 8 Jahre lang, weil die Usa beide Seiten aufrüsteten, den Iran und den Irak, somit geht k dieser Krieg auf die Kappe der Usa. Die Toten gehen in Hundertausende. 1991 überfielen die Usa selbst den Irak, dieser Krieg schwelte… Weiterlesen »
andr
andr
Universalgelehrter
13 Tage 23 h

@quilombo a soan bledsinn daherredn lese mal das Buch sadam dann verdreht es dir den Magen diese ganzen grausamen exekutionen die er durchgeführt hat und noch grausamer, mit Frauen, sein sexsüchtiger Sohn der Frauen hungrigen Schweinen vorgeworfen hat. Bitte hört auf solche Tyrannen zu verherrlichen

quilombo
quilombo
Superredner
13 Tage 20 h
@andr, einfach nur lächerlich was du da schreibst. Um von Saddam Hussein etwas zu wissen, bediene ich mich fundierter geschichtlicher Quellen, und nicht eines Märchenbuches von irgendeinem Schreiberling, der damit etwas verdient hat. Außerdem hast du ja nicht erklärt, daß die Usa nicht illegal im Irak seit 30 Jahren Krieg führen, mal offen, mal unterschwellig und daß das an die 5 Millionen Tote forderte. Alles für das Erdöl. Irak nannte man einmal die “Schweiz des mittleren Ostens”, so gut ging es den Leuten. Aber das steht nicht in deinem Märchenbuch. Deine Logik ist also, Saddam war ein Ganove, also gehen… Weiterlesen »
neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
14 Tage 4 h

Für einen Iraker ist es leichter den österreichischen Pass zu kriegen als für einen Südtiroler……😄

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
14 Tage 1 h

Geistig nicht ganz Zurechnungsfähigen wird Österreich wohl den Pass nicht sehr gerne geben…
…warum sonst sollte ein Südtiroler den österreichischen Pass wollen…???

Brummbaer
Brummbaer
Grünschnabel
14 Tage 4 h

es ist schön, mal von einer so gut gelungenen Integration zu lesen! Der junge Mann ist voller guten Willen, und auch sein Umfeld gibt ihm den notwendigen Halt, sich zu Hause fühlen zu dürfen. Bravo! Hoffentlich bekommt er die Staatsbürgerschaft, er würde es sich verdienen!

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
14 Tage 4 h

wos mir an gonz europapolitik gewoltig steart, dia flüchtlinge dia ordala tean und sich integriern, wearn oft ohgschoubm, und dia kriminellen und streitsüchtign, drschiabm sie nit oh 🤦‍♂️

Tattamolnia426
Tattamolnia426
Tratscher
13 Tage 20 h

Respekt.. Der tuat zumindest epas, hot sie integriert un respektiert die Regeln seinor nuin Hoamat.. Heart mon et oft in die leschtn johre.. 👍

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