Gleich zwei Olympia-Medaillen sammelte Gleirscher ein

Rodel-Olympiasieger Gleirscher will Schwung mitnehmen

Sonntag, 04. März 2018 | 18:15 Uhr

Rodel-Olympiasieger David Gleirscher hat auch drei Wochen nach seinem Triumph noch nicht zur Ruhe gefunden. Zahlreiche Termine hätten kaum Zeit gelassen, den Überraschungserfolg richtig einzuordnen. “Das ist immer noch schwierig, weil alles so plötzlich und unerwartet gekommen ist. Aber man merkt es natürlich am Interesse, dass es was Großes war, was einem da gelungen ist”, sagte Gleirscher.

Den Trubel um seine Person nimmt der Tiroler gelassen. “Es ist cool, dass man die Anerkennung bekommt, man arbeitet vier Jahre darauf hin – das harte Training und was man sonst noch alles hineinsteckt – das ist schon eine Genugtuung auch. In unserer Situation hat man das ja nicht so oft, da genießt man das schon”, meinte der 23-Jährige am Sonntag im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur anlässlich eines Besuches in Wien.

Dass sich plötzlich auch viele Schulterklopfer mit wenig Bezug zum Rodeln einfinden, sei normal. “Das hat zwei Seiten. Natürlich sind es viele, die plötzlich da sind, aber es ist auch schön, dass es so viele Leute gibt, die sich das Rennen angeschaut haben und sich mitgefreut haben, die Goldmedaille gesehen haben. Es ist cool zu hören, dass das so viele mitbekommen haben.”

Besonders genossen hat Gleirscher die wenigen gemeinsamen Tage mit seiner Freundin und Söhnchen Leon in Neustift sowie eine Feier im Stubaital am vergangenen Freitag. “Der Empfang mit den Teamkollegen, daheim – das ist schon noch einmal schöner.” Die Zeit, seine Fahrten zu Gold mit seinem Vater Gerhard, selbst Ex-Weltmeister, und seinem ebenfalls rodelnden Bruder Nico zu analysieren, habe er aber leider noch nicht gefunden. “Wir haben es noch nicht zusammen angeschaut, das würde ich schon noch gern machen, das möchte ich auch mit ihnen Revue passieren lassen.”

Im Gegensatz zu anderen Sportarten ist die Wettkampfsaison für die Rodler bereits zu Ende. Gleirscher hätte freilich gerne weitergemacht. “Mit dem Erfolg würde man sicher gerne den Schwung in die nächsten Rennen mitnehmen. Aber ich glaube, das gilt es zu konservieren und in die nächste Saison mitzunehmen, den Schwung über den Sommer drüberzubringen.”

Die Rodel ins Eck gestellt hat er aber trotzdem noch nicht. Denn Mitte März geht es noch zu einem Trainingslager nach Sotschi, wo 2020 die WM stattfindet. “Das gilt es noch mitzunehmen. Danach gibt es nur eine kurze Pause und dann geht schon das Sommertraining los”, so Gleirscher. Damit sein Überraschungscoup von Pyeongchang keine Eintagsfliege bleibt, müsse er konsequent weiterarbeiten. “Der Olympiasieg ist ein Megaerfolg, aber ausrasten braucht man sich auf gar nichts. Die Vorbereitung werde ich wieder normal angehen und weiterarbeiten, es ist sicher noch einiges zu tun, um immer vorne zu sein.”

Ihm und seinen Teamkollegen stehen alle Möglichkeiten offen, einzig die Start-Trainings-Anlage sei nicht mehr zeitgemäß. “Wir sind sicher gut aufgestellt, die Startanlage in Innsbruck ist aber nicht mehr das Wahre. Das ist leider ein bisschen veraltet, da wird schon länger daran gearbeitet, dass wir eine neue Anlage bekommen, weil der Start einer der wichtigsten Aspekte ist.”

Aber auch bei sich selbst sieht der im Weltcup und bei Weltmeisterschaften noch nie aufs Podest gefahrene Goldmedaillengewinner noch Verbesserungspotenzial. “Athletisch gibt es immer noch etwas zu arbeiten. Wir sind am Start auf einem sehr guten Niveau, aber die Topstarter sind noch ein bisschen besser. Das ist ein großer Aspekt, an dem es im Sommer zu arbeiten gilt. Fahrerisch muss ich an der Konstanz arbeiten. Und logischerweise wird am Materialsektor weitergetüftelt. Wir versuchen, bestmöglich dranzubleiben. Es gibt immer kleine Bausteine, die auszureizen sind.”

Der geplanten Fusion des österreichischen Rodelverbandes mit jenem der Bob- und Skeletonsportler steht Gleirscher neutral gegenüber. “Das muss sport-politisch geklärt werden. Der Rodelverband steht sehr gut da, ist in einer sehr guten Position. Wenn es wirtschaftlich und auch mit allen anderen Faktoren passt, wird dahingehend etwas gemacht. Das haben aber nicht wir Sportler zu entscheiden, es gibt andere, die da die Fäden ziehen.”

Betreffend der Fördermittel hätten die Rodler so oder so gute Karten. “Der gesamte Verband hat mit drei Medaillen sehr, sehr gut abgeschnitten und ist, glaube ich, in keiner ganz schlechten Verhandlungsposition. Aber das entscheiden wir Sportler nicht, wir versuchen unsere Leistungen zu bringen und das Beste daraus machen, was wir haben.”

Bedauerlich findet Gleirscher, dass die Abstimmung über Olympia 2026 in Tirol negativ ausgefallen ist. Für mögliche Winterspiele 2026 in der Steiermark kann er sich aber natürlich auch erwärmen. “Für mich als Tiroler wäre es in Innsbruck natürlich schön gewesen. Aber Olympia in Österreich wäre sowieso ein Wahnsinnserlebnis. Pyeonchang war vom Flair schon ein Wahnsinn, das alles daheim aufzusaugen, wäre natürlich noch schöner.”

Von: apa