Valide Aussagen zu Spätfolgen noch nicht möglich

Ronaldo, Hamilton, Djokovic und Co. – Sportstars als Virus-Beute

Sonntag, 27. Dezember 2020 | 10:05 Uhr

Infektionen durch das Coronavirus SARS-Cov-2 haben keine Bevölkerungsgruppe ausgelassen. Auch unter Sportlern, im Regelfall eher junge Menschen bei bester Gesundheit, breitete sich der Überträger im Jahr 2020 schnell aus. Unter den Infizierten waren einige der populärsten Sportler weltweit wie Lewis Hamilton, Cristiano Ronaldo oder Novak Djokovic. Manche erkrankten schwer an der Lungenkrankheit Covid-19 – mögliche Spätfolgen sind noch nicht abschätzbar.

Formel-1-Weltmeister Hamilton sprach nach seiner Corona-Pause Anfang Dezember von einer “der schlimmsten Wochen, die ich für einige Zeit hatte”. Dennoch musste der Mercedes-Star nur ein Rennen pausieren und konnte beim Saisonfinale starten. Im Sommer hatte schon der Mexikaner Sergio Perez vom Team Racing Point die beiden Rennen in Silverstone wegen einer Coronavirus-Infektion verpasst.

Tennis-Superstar Djokovic steckte sich als Ausrichter eines Turniers in seiner Heimatstadt Belgrad an, das durch den legeren Umgang mit Corona-Regeln Schlagzeilen machte. Unter den Infizierten waren auch Borna Coric, Grigor Dimitrow und Viktor Troicki. Österreichs späterer US-Open-Sieger Dominic Thiem blieb gesund. Bei den Damen erwischte es im Laufe der Saison als prominenteste Spielerin die frühere Weltranglisten-Erste Simona Halep. Die Rumänin hatte moderate Symptome.

Im Ski-Weltcup gehen Infektionskrankheiten traditionell sehr schnell um. Der Franzose Alexis Pinturault war unter den ersten Sportlern, die sich bereits mit der ersten Welle im beginnenden Frühjahr ansteckten. Im Herbst infizierte sich der Norweger Aleksander Aamodt Kilde, der den Weltcup 2019/20 für sich entschieden hatte. Hart traf es den Slalom-Routinier Manfred Mölgg. “Ich bin elend beieinander. Fieber, Husten, Schüttelfrost, Gliederschmerzen – mich hat das ganze Programm voll erwischt”, erzählte der Südtiroler im November.

Etwa um dieselbe Zeit grassierte das Coronavirus auch unter ÖSV-Sportlern. Im Team der Alpin-Damen waren einige Speed-Athletinnen betroffen, darunter Nicole Schmidhofer, Mirjam Puchner und Stephanie Venier. Am schlimmsten bekam es offenbar Tamara Tippler ab. “Kopf- und Gliederschmerzen, grippeähnliche Symptome, Hautausschlag als Folge der Entzündung – und dann eben auch Schwindel”, berichtete die Steirerin, die länger als ihre Kolleginnen nicht einmal trainieren konnte.

Bei den Männern verpasste Marco Schwarz nach einem positiven Test den Weltcup-Parallelbewerb in Lech/Zürs und wertvolle Trainingstrage. Im Lager der Skispringer wütete das Virus regelrecht und setzte Stefan Kraft, Michael Hayböck, Philipp Aschenwald, Gregor Schlierenzauer, Daniel Huber, Jan Hörl, Manuel Fettner und Thomas Lackner für kurze Zeit außer Gefecht.

Der bekannteste Fußballer, der bereits erkrankt war, ist Weltstar Cristiano Ronaldo. Der Stürmer von Juventus Turin wurde im Vorfeld einer Nations-League-Partie der portugiesischen Nationalmannschaft Mitte Oktober positiv getestet. Auch Milan-Star Zlatan Ibrahimovic hat es erwischt. Der Schwede trat dem Virus freilich genauso selbstbewusst und siegessicher gegenüber, wie er sich auf dem Fußballplatz verhält.

In Österreich und Deutschland gingen die meisten Fußball-Clubs dazu über, positive Ergebnisse nicht mit dem dazugehörigen Spielernamen publik zu machen. Dass viele Sportler in Mannschaftssportarten betroffen waren, verwundert nicht, sind die Interaktionen hier zwischen Teamkollegen doch besonders eng – Körperkontakt ist unvermeidbar. So überrascht es weiters nicht, dass sich Dutzende Eishockey-, Handball- und Basketballspieler in zahlreichen Ligen ansteckten, um nur drei Mannschaftssportarten herauszugreifen.

Auch im Mutterland von Baseball und American Football waren sehr viele Athleten betroffen. Zu den bekanntesten Football-Profis, die positiv getestet wurden, zählen die NFL-Stars Lamar Jackson, Ezekiell Elliott und Cam Newton. Die bekanntesten NBA-Profis, die sich infizierten, heißen Kevin Durant (Brooklyn Nets), Russell Westbrook (Washington Wizards/damals Houston Rockets) und Rudy Gobert (Utah Jazz).

Die große Unbekannte sind die bleibenden Effekte von Covid-19. Long-Covid-Symptome nennen Fachleute die anhaltenden Beschwerden, wenn die akute Erkrankung längst überwunden ist. Ein Forscherteam der Universität Genf fand heraus, dass Patienten mit milden Verläufen sechs Wochen nach der Diagnose noch immer unter Müdigkeit, Geruchs- oder Geschmacksverlust, Kurzatmigkeit oder Husten leiden. Die entscheidende Frage aber ist, was “long” in dem Fall wirklich bedeutet. Wann hören die Probleme auf?

Hier tappt die Wissenschaft mangels Daten noch im Dunkeln. Manche Ärzte befürchten, dass Herz und Lunge nach einer Corona-Infektion sogar dauerhaft beeinträchtigt sein könnten. Laut einer Expertengruppe des Amerikanischen Kardiologen-Kollegiums ist das Risiko einer späteren akuten Herzerkrankung bei Covid-19-Patienten signifikant höher als bei anderen viralen Infektionen. Schnellere Erschöpfung ist ein weiteres Phänomen, das bei Sportlern existenzgefährdend sein könnte, wenn es chronisch auftritt.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz