Hinteregger zeichnet sich durch seine gelassene Einstellung aus

Ruhepol Hinteregger: “Druck macht einen nicht besser”

Dienstag, 09. Oktober 2018 | 16:27 Uhr

Sollte es tatsächlich irgendetwas geben, das Martin Hinteregger aus der Ruhe bringt – der Fußball ist es nicht. Während die Klagen von Profis im In- und Ausland über den hohen Druck immer lauter werden, ist der ÖFB-Teamspieler die Gelassenheit in Person, so auch vor dem Nations-League-Spiel am Freitag in Wien gegen Nordirland und dem Testspiel am Dienstag in Herning gegen Dänemark.

Seine Pfeif-mir-nix-Attitüde sieht Hinteregger als großen Vorteil. “Das ist eine positive Einstellung – was soll auch passieren? Ich bin gesund und habe schon viele Spiele gemacht”, sagte der Augsburg-Legionär am Dienstag im ÖFB-Camp in Bad Waltersdorf.

Wie sehr andere Kicker unter einer hohen Erwartungshaltung leiden, bekommt Hinteregger seit Jahren hautnah mit. “Viele Spieler sehen Fußball als ihr Leben und müssen das und das erreichen. Ich habe mir nie gedacht, dass ich einmal in der deutschen Bundesliga spiele, und jetzt spiele ich dort schon die dritte Saison. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Wenn’s noch mehr wird, ist das eine Draufgabe.”

Der Innenverteidiger wurde mit Red Bull Salzburg je dreimal Meister und Cupsieger. Außerdem kam er bei der EURO 2016 in allen drei Partien zum Einsatz, insgesamt hält Hinteregger bei 33 ÖFB-Einsätzen (3 Tore). “Ich habe im Nationalteam schon über 30 Länderspiele, das hätte ich als 17-Jähriger nie gedacht.”

Auch unmittelbar vor den EM-Matches war Druck für den Kärntner ein Fremdwort. “Sicher, das war eine Europameisterschaft. Aber im Endeffekt ist es auch nur ein Fußballspiel”, meinte Hinteregger. “Druck macht einen nicht besser, sondern es geht eher in die andere Richtung.”

Eine diesbezüglich einschneidende Erfahrung machte der 26-Jährige in seiner ersten Saison bei Augsburg, als es 2016/17 bis zum Schluss gegen den Abstieg ging. “Da habe ich auch Druck verspürt. Und da hat man gemerkt, wenn man so einen Druck verspürt, kann man nicht mehr die Leistung bringen, zu der man imstande ist. Seitdem und dadurch gehe ich in jedes Spiel, dass ich sage: ‘Was soll passieren, du bist locker. Geh’ rein und spiel’ dein Spiel. Wenn’s funktioniert, funktioniert’s, wenn nicht, ist es halt so.'”

Laut Hinteregger würde es vielen Kickern guttun, nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen. “Man muss einmal dankbar sein für das, was man hat”, erklärte der Abwehrspieler. “Man soll nicht immer mehr und mehr wollen, sondern mit dem zufrieden sein, was gerade ist. Auch wenn viele sagen, Zufriedenheit ist Stillstand – wenn man nie zufrieden ist, ist das auch nicht gut.”

Diese Geisteshaltung würde wohl einigen Fußballern guttun, ist aber nach Ansicht von Hinteregger nicht zu vermitteln oder zu erlernen. “Das hat man oder hat man nicht.”

Die allgemeine Zufriedenheit mit seiner persönlichen Situation bedeutet jedoch nicht, dass der Smartphone-Verweigerer keine großen Pläne mehr hat. “Ich möchte in erster Linie eine gute Entwicklung mit Augsburg machen”, erzählte Hinteregger, dessen Club derzeit Tabellenzehnter ist. “Eine andere Liga würde ich aber schon noch gern sehen”, sagte der Abwehrspieler und nannte in diesem Zusammenhang die italienische Serie A.

Vorerst gibt es in der deutschen Bundesliga noch einiges zu erleben – wie etwa am Samstag, als die Augsburger ein “Wahnsinnsspiel” (Hinteregger) in Dortmund in letzter Sekunde mit 3:4 verloren. Eineinhalb Wochen zuvor hatte der FCA dem FC Bayern in München ein 1:1 abgetrotzt. “Aber wir hätten einen Punkt in Dortmund mehr verdient als in München”, erklärte der Österreicher.

Von: apa

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