Viele hätten die Podest-Reihenfolge anders gesehen

Russe Tischtschenko umstrittener Box-Sieger im Schwergewicht

Dienstag, 16. August 2016 | 06:19 Uhr

Das olympische Boxfinale im Schwergewicht hat am Montag mit einem höchst umstrittenen Urteil geendet. Der Russe Jewgeni Tischtschenko wurde im Finale bis 91 kg als einstimmiger Punktsieger ausgerufen (3:0), obwohl er vom Kasachen Wassili Lewit über alle drei Runden dominiert wurde und in der dritten Runde nach einem Kopftreffer sogar ein Cut erlitt.

Die Entscheidung der aus Algerien, Irland und Kolumbien stammenden Punktrichter – alle drei sahen den 25-Jährigen mit 29:28 als Sieger – wurde von lauten Pfiffen und Buh-Rufen der Zuschauer begleitet. Tischtschenko wurde auch bei der Siegerehrung gnadenlos ausgepfiffen. Lewit hingegen wurde wie ein Goldmedaillengewinner bejubelt. Nach dem Kampf hatte sogar die russische Ecke Lewit zum Sieg gratuliert.

Auch Reporterlegende Sigi Bergmann konnte den Ausgang nicht nachvollziehen. “Das kann nicht stimmen. Das ist ein olympischer Skandal”, meinte die 78-Jährige, der den Kampf für den ORF vor Ort kommentierte. Bereits vor dem Turnier hatte der “Guardian” einige hochrangige Box-Offizielle zitiert, die vor möglichen Manipulationen beim Olympischen Boxturnier warnten.

Bronze ging an den Usbeken Rustam Tulaganow und den Kubaner Erislandy Savon, einem Neffen des dreimaligen Olympiasiegers Felix Savon.

Enttäuscht, aber fair reagierte Lewit auf seine höchst umstrittene Niederlage. Der Kasache bat während der Siegerehrung die Zuschauer um Ruhe, indem er den Finger auf die Lippen legte. “Jeder Boxer, der in den Ring kommt, verdient Respekt”, sagte er, obwohl er selbst vom Sieg ausgegangen war. “In meinen Kopf dachte ich, dass ich gewonnen habe.”

Der russische Sieger Tischtschenko hingegen musste sich Pfiffe anhören. “Ich bin darüber sehr traurig. Ich respektiere meinen Gegner und das Publikum. Ich kann nicht wissen, weshalb sie gebuht haben”, sagte Tischtschenko. “Sie haben mir den Sieg gegeben, also wird es Gründe dafür geben.” Die Gründe für den Unmut der Zuschauer, unter ihnen auch der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach, könnten auch mit dem derzeit schlechten Ansehen russischer Sportler in Rio nach dem Dopingskandal zu tun haben.

Von: APA/ag./dpa

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