Denis Juskow kann die Entscheidung nicht verstehen

Russische Eisschnelllauf-Stars nicht zu Olympia

Mittwoch, 24. Januar 2018 | 10:58 Uhr

Nach der Ächtung zahlreicher Topstars werden Russlands Sportler bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) wohl weitgehend mit einem Team der Namenlosen unter neutraler Flagge starten. Wie andere russische Gold-Kandidaten dürfen auch die prominenten Eisschnelllauf-Stars Pawel Kulischnikow und Denis Juskow nicht in Südkorea starten.

Wie der Vorsitzende des Russischen Eisschnelllauf-Verbandes Andrej Krawzow am Mittwoch bestätigte, gehören die beiden Gold-Kandidaten nicht zur Liste der für die Spiele eingeladenen russischen Sportler. Es stehen mit Sergej Trofimow, Angelina Golikowa, Natalia Woronina und Olga Graf nur vier Eisschnellläufer auf der IOC-Liste der verbliebenen 389 russischen Wintersportler, die für den Start in Pyeongchang infrage kommen.

“Ich bin sauber. Ich war immer ehrlich”, empörte sich 1.500-Meter-Weltrekordler Juskow gegenüber dem niederländischen TV-Sender NOS über seinen Ausschluss. “Ich wurde Hunderte Male getestet. Ich bin sehr enttäuscht über diese Entscheidung”, fügte er hinzu. Er werde auch in den kommenden Wochen für die Spiele trainieren. “Die Information, dass ich ausgeschlossen bin, ist noch nicht offiziell, also bereite ich mich weiter auf die Spiele vor.” Noch war am Mittwoch unklar, ob die Sportler gegen die Olympia-Ausladung vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen, wie es derzeit 42 vom IOC lebenslang gesperrte Russen tun.

Kulischnikow hatte schon die Spiele in Sotschi wegen einer Doping-Sperre nur aus der Ferne verfolgen dürfen. Nach Ablauf seiner Zwei-Jahres-Sperre gewann er die WM-Titel 2015 und 2016 über 500 Meter, dazu 2016 auch über 1.000 Meter und im Sprint-Vierkampf. Als erster Eisschnellläufer durchbrach er in 33,98 Sekunden die 34-Sekunden-Schallmauer über 500 Meter und hält den Weltrekord.

Juskows Fall war nach den Belegen des unabhängigen WADA-Ermittlers Richard McLaren im Zusammenhang mit Manipulationen von Dopingproben in Sotschi 2014 überprüft worden. Laut IOC-Mittelung vom Dezember gehörte er aber zu den wenigen Athleten, die bei näherer Überprüfung vom Doping-Vorwurf freigesprochen worden waren.

Der Mittelstreckler gewann 2013, 2015 und 2016 den WM-Titel und verbesserte im Dezember bei seinem Weltcupsieg in Salt Lake City in 1:41,02 Minuten den Weltrekord über 1.500 Meter. Bis 2008 war er vom russischen Verband für vier Jahre gesperrt worden, weil er Marihuana konsumiert hatte.

Das IOC hatte am Dienstag mitgeteilt, keine Begründungen für die Nicht-Einladung russischer Sportler zu geben. Auch der sechsfache Short-Track-Olympiasiger Viktor Ahn, Biathlet-Staffel-Olympiasieger Anton Schipulin, die Top-Ski-Langläufer Sergej Ustjugow und Ruslan Sacharow sowie Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa waren nicht eingeladen worden. Die endgültige Entscheidung will das IOC am Samstag kommunizieren.

Das Nationale Olympische Komitee Russlands war wegen Erkenntnissen von WADA-Ermittler McLaren zum systematischen Staatsdoping von den Spielen ausgeschlossen worden. Nur nachweislich saubere Athleten dürfen auf Einladung des IOC in Südkorea unter neutraler Flagge starten.

Von: APA/dpa