Stolbowa und Klimow starten zähneknirschend unter olympischer Flagge

Russische Sportler für Teilnahme an Spielen in Pyeongchang

Montag, 11. Dezember 2017 | 13:58 Uhr

Die Mehrheit der russischen Olympia-Sportler will an den Winterspielen 2018 in Südkorea teilnehmen, auch wenn sie dort unter neutraler Flagge antreten müssen. Keiner der befragten Athleten habe für einen Boykott plädiert, sagte Sofia Welikaja, Athletenvertreterin im russischen olympischen Komitee (ROC), am Montag in Moskau. “Jeder bereitet sich vor und hofft, antreten zu dürfen”, betonte Welikaja.

Offiziell soll die Olympische Versammlung als oberstes ROC-Gremium am Dienstag über die Teilnahme entscheiden. “Das russische NOK unterstützt jene Athleten, die teilnehmen wollen und respektiert die Meinung derer, die entscheiden, nicht anzutreten”, sagte die Fechterin Welikaja.

Wegen des russischen Doping-Skandals hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) vergangene Woche Russland als Nationalteam von den Spielen in Pyeongchang im Februar ausgeschlossen. Dopingfreie Sportler und Mannschaften aus Russland dürfen aber auf Einladung teilnehmen. Präsident Wladimir Putin stellte ihnen die Teilnahme frei.

Die Sportler wollten von IOC-Präsident Thomas Bach fordern, die lebenslangen Olympia-Sperren für bisher mehr als 25 ihrer Kollegen aufzuheben, sagte Welikaja der Agentur TASS zufolge. Das IOC hat die Sportler wegen der russischen Manipulationen von Dopingproben bei den Winterspielen in Sotschi 2014 gesperrt. Welikaja sagte, es sollte “nicht die fünfte, sechste Garnitur” russischer Sportler, sondern wirklich die Spitze nach Pyeongchang eingeladen werden.

Die russischen Eiskunstläufer gaben sich kämpferisch. “Natürlich sind die Olympischen Spiele unser Ziel. Wir werden uns darauf vorbereiten und wir werden unter der weißen Fahne fahren und unser Vaterland verteidigen. Wir haben ein riesiges, großartiges Land”, betonte Xenia Stolbowa in Nagoya.

Dort landete die Olympia-Zweite im Paarlauf von Sotschi mit ihrem Partner Fedor Klimow auf Platz vier des Grand-Prix-Finales. “Die Spiele sind für jeden Sportler der wichtigste Wettbewerb, der Wettkampf deines Lebens. Wir möchten nicht unter neutraler Flagge antreten, aber wir haben keine andere Wahl”, meinte Russlands Paarlauf-Europameister Wladimir Morosow, der mit Jewgenia Tarasowa in Japan Platz fünf belegte.

Die Sportler hatten sich mental bereits auf die ungewöhnliche Teilnahme in zwei Monaten in Südkorea eingestellt. “Die Entscheidung war keine Überraschung für uns. Wir sind nur Geiseln in dieser Situation, wir können sie nicht beeinflussen und nichts hängt von uns ab”, ergänzte Morosow.

“Ich denke, die Entscheidung des IOC war richtig, russische Sportler zu den Spielen zuzulassen. Ehrlich gesagt, könnte ich mir keine Olympischen Spiele ohne eine russische Mannschaft vorstellen. Die Hauptsache ist überhaupt teilnehmen zu können”, meinte der 22-jährige Michail Koljada nach seinem dritten Platz in Nagoya.

Der deutsche Coach Robin Szolkowy ist zuversichtlich, im Februar Tarasowa/Morosow bei ihrem Olympia-Debüt in Pyeongchang betreuen zu können. “Wer jetzt die Chance hat, Medaillen zu gewinnen, sollte nicht dafür bezahlen müssen, was vor vier oder vor zehn Jahren passiert ist. Es sollen die zur Verantwortung gezogen werden, die verantwortlich sind”, betonte der Ex-Weltmeister.

Von: APA/dpa