Mittelfeldspieler Alexander Samedow hofft auf Unterstützung

Russland hofft auf siegreichen Start ins Heimturnier

Mittwoch, 13. Juni 2018 | 16:17 Uhr

Mit Vorfreude, aber auch mit Zweifel nimmt Russland die Fußball-WM im eigenen Land in Angriff. Vor dem Eröffnungsspiel am Donnerstag (17.00 Uhr MESZ/live ORF eins) gegen Saudi-Arabien sind die Hoffnungen der Fans auf einen Sieg der “Sbornbaja” groß. Doch selbst die kühnsten Optimisten müssen sich eingestehen, dass die Auswahl des Gastgeberlandes im Kampf um den Titel wohl keine Rolle spielen wird.

In den jüngsten sieben Testspielen gab es für Russland keinen Sieg, so auch am 30. Mai beim 0:1 in Innsbruck gegen das ÖFB-Team. Ob die Qualität des Teams reicht, um in Gruppe A mit den weiteren Gegnern Uruguay und Ägypten unter die Top 2 und damit ins Achtelfinale zu kommen, ist fraglich.

Teamchef Stanislaw Tschertschessow zeigte sich vor dem Auftritt in Moskaus Luschniki-Stadion dennoch zuversichtlich. “Wir werden sehr gut vorbereitet sein”, versprach der frühere Wacker-Innsbruck-Trainer und -Goalie und meinte außerdem: “Wir fürchten uns nicht, sondern sind bereit für dieses wichtige erste Spiel.”

Er habe den Gegner intensiv studiert. “Wir haben kein schlechtes Team in der Gruppe, das gilt auch für Ägypten und Uruguay.” Er sei aber vom Sieg Russlands im Eröffnungsspiel überzeugt. “Wir gewinnen, weil wir wollen”, betonte Tschertschessow.

Mittelfeldspieler Alexander Samedow rief die russische Presse zu einer optimistischeren Sichtweise auf das Heim-Turnier auf. “Wir brauchen eine positive Atmosphäre und wissen natürlich, dass in erster Linie wir Spieler dafür sorgen müssen”, sagte der Akteur von Rekordmeister Spartak Moskau. Über einen emotionalen Appell seines Nationalmannschaftskollegen Artjom Dsjuba, der mit Nachdruck mehr Unterstützung für das Team gefordert hatte, sagte Samedow: “Er hat die richtigen Worte gefunden und für uns alle gesprochen.”

Dsjuba hatte zuvor zu den Journalisten gemeint: “Schreibt nicht so verdammt negativ!” Außerdem sagte der Offensivmann von St. Petersburg: “Wir sind keine Favoriten. Aber wir können einiges bewegen. Und wir wollen allen beweisen, dass wir Fußball spielen können.”

Allerdings plagen nicht nur Journalisten, sondern auch Staatschef Wladimir Putin Zweifel. “Ich muss leider zugeben, dass unsere Mannschaft jüngst keine guten Ergebnisse erzielt hat. Doch wir erwarten ganz einfach, dass das Team mit Würde spielt, modernen und interessanten Fußball zeigt und bis zum Ende kämpft.”

Diesbezüglich wurde Putin von Tschertschessow beruhigt. “Wir arbeiten hart und konzentriert. Jeder kann sich davon überzeugen, auch Präsident Putin. Ich lade ihn ein, sich das Training persönlich anzuschauen”, erklärte der 54-Jährige.

Zumindest das Match gegen Saudi-Arabien wird sich Putin live und vor Ort anschauen – und dabei die zwei laut FIFA-Weltrangliste schlechtesten Mannschaften des Turniers zu sehen bekommen. Russland liegt im Ranking an der 70. Stelle, Saudi-Arabien drei Plätze davor.

Die Saudis wollen indessen Stimmungskiller bei Russlands Party sein. Fünf Trainingslager, drei ausländische Trainer, ein Fortbildungsprogramm für Spieler in Spanien und dazu Oliver Kahn als Tormann-Berater: Wenn Saudi-Arabien am Donnerstag gegen WM-Gastgeber Russland beginnt, soll sich der immense Aufwand der vergangenen Monate auszahlen.

Kronprinz Mohammed bin Salman wird in der Ehrenloge jedenfalls ganz genau hinschauen, ob sein Geld gut angelegt worden ist. Der Außenseiter – Nummer 67 der Weltrangliste – will erstmals seit 1994 wieder ins WM-Achtelfinale.

Rekordnationalspieler und Volksheld Sami Al-Jaber spricht seinen Nachfolgern jedenfalls Mut zu. “Wenn sie mit Mittelfeldspielern wie Toni Kroos mithalten können, dann können sie auch bei der WM mithalten. Gegen Deutschland konnten wir sehen, dass es taktisch in die richtige Richtung geht”, sagte Al-Jaber mit Blick auf die gute Vorstellung beim 1:2 gegen Deutschland am vergangenen Freitag in Leverkusen.

Von: APA/dpa/ag.