80 Sportlern wurde einen Tag vor der Eröffnung der Start erlaubt

Russland startet mit 271 Sportlern bei den Rio-Spielen

Donnerstag, 04. August 2016 | 22:44 Uhr

Russlands vom Dopingskandal dezimierte Olympia-Mannschaft kann 271 Athleten bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro an den Start schicken. Kurz vor der Eröffnungsfeier am Freitag bekam Russland vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Liste der für sauber erklärten Sportler.

Das russische IOC-Mitglied Alexander Schukow – auch Präsident des Nationalen Olympischen Komitees – sagte nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Tass: “Insgesamt 271 Athleten sind für die Olympischen Spiele zugelassen.” Die Spiele werden am Freitag (Ortszeit) im Maracana-Stadion von Rio feierlich eröffnet.

IOC-Präsident Thomas Bach hatte zuvor schon auf einer Pressekonferenz angekündigt, dass die Liste noch am Donnerstag öffentlich werde. Das IOC hatte sich in einem komplizierten und unübersichtlichen Verfahren das letzte Wort vorbehalten, welche Russen starten dürfen. Nach Beweisen für Staatsdoping, die die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA im sogenannten McLaren-Report dokumentiert hat, lehnte das IOC einen generellen Ausschluss Russlands ab.

Zunächst mussten nach dem Willen des IOC die internationalen Sportfachverbände entscheiden, ob sie die nominierten russischen Athleten zulassen wollen. Die Namen wurden dann von Experten des Internationalen Sportgerichtshofes CAS überprüft. Abschließend musste eine Gruppe von drei IOC-Mitgliedern die Zustimmung geben. Von vorn herein ausgeschlossen von den Spielen wurden Leichtathleten und Gewichtheber.

Die Einzelfallprüfung lag in den Händen der scheidenden Vorsitzenden der Athletenkommission, der ehemaligen deutschen Fechterin Claudia Bokel, sowie der beiden neuen IOC-Vizepräsidenten Ugur Erdener (TUR/Chef der medizinischen Kommission) und Juan Antonio Samaranch jr. (ESP).

Der wohl brisanteste Fall drehte sich bis zum Schluss um die Schwimmerin Julia Jefimowa. Die Russin ist als frühere Dopingsünderin für Rio gesperrt. Diese Maßnahme hatte das IOC für alle vorbelasteten russischen Sportler beschlossen und damit entgegen des Reglements entschieden.

Jefimowa hatte sich deshalb damit nicht abgefunden und den CAS angerufen. Schließlich hatte der Sportgerichtshof schon 2011 die Osaka-Regel gekippt, wonach Sportler nach einem Dopingvergehen an den folgenden Spielen nicht teilnehmen durften. Wie schwer sich die Juristen taten, zeigte, dass ein Urteil noch ausstand.

Auch die Wackelkandidaten im Schwimmen, Wladimir Morosow und Nikita Lobinzew, wurden letztlich von der IOC-Dreier-Kommission durchgewunken. Der Schwimm-Weltverband FINA hatte beide zunächst gesperrt. Nachdem allerdings der CAS die Entscheidung revidiert hatte, gab auch das IOC grünes Licht.

Einfacher war es da in anderen Sportarten. Dass alle elf russischen Judoka teilnehmen werden, dürfte Putin, der selbst gern auf der Matte kämpft, besonders freuen. Im Boxen sind elf, im Schießen 18, im Bogenschießen drei und im Tennis acht Sportler dabei; auch das 17-köpfige Frauen-Handball-Team, alle Rhythmischen Sportgymnastinnen, so wie die Teams im Volleyball und im Beachvolleyball.

Golferin Maria Wertschenowa darf beim Olympia-Comeback ihrer Sportart nach 112 Jahren mitwirken. Gleiches gilt für die sechs russischen Segler, die drei Tischtennis- und vier Badminton-Spieler sowie die fünf Reiter. Bestätigt wurde auch Weitspringerin Darja Klischina, die vom Weltverband als einzige Leichtathletin dem Komplett-Ausschluss entkam. Klischina lebt in Florida und wies hinreichend Dopingkontrollen nach.

Bach verteidigte erneute die von der IOC-Spitze ergriffenen Maßnahmen im russischen Dopingskandal. “Ich habe ein reines Gewissen. Meine Richtschnur ist, dass ich den Athleten in die Augen schauen kann”, sagte er. Er habe inzwischen mit vielen Sportlern gesprochen und Zustimmung erhalten. “Es war eine schwierige Entscheidung. Und es gab gute Gründe für beide Seiten.”

Russlands Mannschaft nicht auszuschließen, brachte der IOC-Spitze um Bach zum Teil harsche Kritik ein, beispielsweise vom deutschen Diskus-Olympiasieger Robert Harting, der Bach die moralische Autorität abgesprochen hatte. Aus der WADA kam auf Grundlage des Reports des unabhängigen Ermittlers und Juristen Richard McLaren die Empfehlung, Russlands Team komplett auszuschließen.

McLaren warf dem IOC vor, die Ergebnisse seines Berichts verfälscht zu haben. “Die Leute haben missverstanden, was in dem Report war, besonders das IOC und die internationalen Verbände”, sagte er der britischen Zeitung “Guardian”. Sein Bericht habe nicht zum Ziel gehabt, die Dopingvergehen einzelner Athleten nachzuweisen.

Von: APA/dpa/ag.

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