Ryoyu Kobayashi gewann vier der sieben Saisonbewerbe

Ryoyu Kobayashi und Polen-Duo als Tournee-Topfavoriten

Donnerstag, 27. Dezember 2018 | 14:28 Uhr

Der erste Erfolg eines Japaners seit 21 Jahren oder der dritte eines Polen in Serie: Die Topfavoriten der am Samstag mit der Qualifikation in Oberstdorf startenden 67. Vierschanzentournee heißen Ryoyu Kobayashi sowie Kamil Stoch und Piotr Zyla. Die Österreicher um den bisher letzten ÖSV-Sieger Stefan Kraft können nach den bisher schwachen Saisonplatzierungen nur positiv überraschen.

Ryoyu Kobayashi hat heuer seinen älteren Bruder Junshiro ebenso wie alle anderen Springer übertrumpft und vier der sieben Saisonbewerbe gewonnen. Dem 22-Jährigen gelingt der Übergang vom Absprung in die Flugphase perfekt. Bei seiner dritten Tournee will die in der Heimat vom Finnen Janne Väätäinen trainierte Entdeckung der Saison in die Fußstapfen von Kazuyoshi Funaki treten. Der Olympiasieger hatte 1997/98 als bisher einziger Japaner bei dem Klassiker triumphiert.

Domen Prevc mag Kobayashi jedoch als warnendes Beispiel dienen. Der Slowene mit dem allerdings viel riskanteren Flugstil war vor zwei Jahren als vierfacher Saisonsieger an der Tournee-Favoritenrolle und dem Rummel um seine Person gescheitert. Er hat seither nicht mehr gewonnen.

Auch der Pole Zyla, ein Schützling des Cheftrainers Stefan Horngacher, vermisst das Gefühl eines Sieges seit langer Zeit. Der 31-Jährige hat zuletzt vier Weltcup-Podestplätze in Serie erreicht, sein bisher einziger Erfolg im Weltcup liegt allerdings fast sechs Jahre zurück.

So gilt Kamil Stoch, hinter Zyla aktueller Weltcup-Dritter, als Nummer eins im polnischen Team. Dem Olympiasieger fehlt zwar im WM-Winter noch ein Erfolg, er kommt aber als frischgebackener Landesmeister und mit dem Selbstvertrauen des Tourneesiegers der zwei vergangenen Jahre nach Oberstdorf.

“Bei ihm weiß man, wenn der Tag X kommt, kann er den Schalter umlegen und dann macht er noch einen Schritt nach vorne”, hatte Horngacher schon vor dem Saisonauftakt erklärt. “König Kamil”, der 2017/18 den Grand-Slam (Siege auf allen vier Stationen) geschafft hatte, könnte mit einem weiteren Gesamtsieg den bisher einzigen “Hattrick” des Norwegers Björn Wirkola (1966/67 bis 1968/69) einstellen. “Ich versuche ruhig zu bleiben. Ich bin glücklich mit der Situation, in der ich jetzt bin”, erklärte der Weltcupsieger.

Norwegens Coach Alexander Stöckl hatte vor der Saison den Tourneesieg als eines der großen Ziele ausgegeben. Soll ein erster Erfolg unter dem Tiroler Olympiasieger-Trainer gelingen (zuletzt Anders Jacobsen 2006/07), bedarf es aber einer großen Steigerung. Johann Andre Forfang kommt immerhin als Saisonsieger und wie Robert Johansson als Top-8-Springer des Weltcups.

Die Deutschen springen einem Gesamterfolg beim ersten Saisonhöhepunkt schon seit 2001/02 (Sven Hannawald) hinterher. Der Oberstdorfer Karl Geiger präsentierte sich zuletzt als Sieger der Generalprobe in Engelberg in Topform, auch Stephan Leyhe springt stark. Beiden fehlt aber die Routine, mit dem Tournee-Rummel umzugehen. Andreas Wellinger zeigte sich bisher nicht in der Form des Vize-Weltmeisters und Normalschanzen-Olympiasiegers und Richard Freitag sprang weit hinterher.

Nicht viel besser als dem DSV-Duo erging es bisher Doppel-Weltmeister Stefan Kraft. Er vermochte seine Klasse bisher nur anzudeuten, in den Wettkämpfen lief es für den 25-jährigen nicht nach Wunsch. Kraft und Daniel Huber, der in Engelberg (3.) den einzigen ÖSV-Podestplatz eingeflogen hat, sind nach Meinung von Cheftrainer Andreas Felder aber nicht so weit weg von den Besten, wie es nach den Ergebnissen den Anschein hat.

Das fix nominierte ÖSV-Trio Kraft, Huber und Michael Hayböck absolvierte am Donnerstag das Abschlusstraining in Planica. Die weiteren drei Springer des Tourneeteams werden nach dem Kontinentalcup in Engelberg am Freitagnachmittag nominiert.

Von: apa

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