Karl Schranz traut Marcel Hirscher noch einiges zu

Schranz traut Hirscher noch drei, vier Gesamtsiege zu

Sonntag, 05. März 2017 | 09:37 Uhr

Marcel Hirscher hat mit der sechsten großen Kristallkugel en suite Historisches erreicht. Karl Schranz, Österreichs erster alpiner Ski-Weltcup-Gesamtsieger der Jahre 1969 und 1970, traut Hirscher aber noch mehr zu. “Wenn das System so bleibt, wird er noch drei-, viermal den Gesamt-Weltcup gewinnen, vorausgesetzt er kann die Form halten und verletzt sich nicht”, erklärte Schranz gegenüber der APA.

Mit dem “System” meinte Schranz die aktuelle Punktevergabe sowie Rennaufteilung des Internationalen Skiverbandes (FIS) und erinnerte dabei an Supertechniker Ingemar Stenmark, mit 86 Rennsiegen – 46 im Riesentorlauf, 40 im Slalom – Weltcup-Rekordhalter. Der legendäre Schwede war aber lediglich dreimal Gesamtsieger (1976 bis 1978) geworden, weil ab der Saison 1977/78 nur noch die drei besten Ergebnisse pro Disziplin im Kampf um die große Kristallkugel Berücksichtigung gefunden hatten, um Allrounder zu bevorzugen.

Ab 1980/81 wurde diese Regel dann auf fünf Resultate pro Disziplin aufgestockt, doch für Stenmark reichte es trotzdem “nur” noch für fünf zweite Plätze in Serie in der Gesamtwertung (1980 bis 1984). Hirscher, der sich im Kampf um die große Kristallkugel ebenfalls ganz auf seine Technikstärke und -konstanz verlassen kann, hat dagegen den Vorteil, dass stets alle seine Punkte gezählt haben. “Deshalb müsste man sich generell was überlegen, denn wenn das so weitergeht, wird es langweilig. Man sollte aber nicht einen bestrafen, nur weil er gut fährt”, merkte Schranz dazu an.

Auch einen vor kurzem von FIS-Herren-Renndirektor Markus Waldner geäußerten Vorschlag lehnt der Tiroler strikt ab: “Den Super-G wieder abzuschaffen, ist der komplett falsche Weg, denn dann sind die Abfahrer vollkommen chancenlos. Ohne Super-G hätte ein Luc Alphand nie den Gesamt-Weltcup gewinnen können”, betonte Schranz mit Blick auf die Saison 1996/97.

Bei Stenmark, der den Gesamt-Weltcup mit seiner Dominanz in nur zwei Bewerben – Slalom und Riesentorlauf – dreimal in Serie geholt hatte, seien damals in den 1970er-Jahren bezüglich Fadesse sehr schnell kritische Stimmen aufgekommen. “Da ist dann sofort ein Serge Lang (“Weltcup-Erfinder”, Anm.) auf den Plan getreten und die FIS hat das Reglement geändert. Indem er keine Abfahrten gefahren ist, hat Stenmark ja das Verletzungsrisiko minimiert”, erläuterte Schranz.

Hirscher mache nun dasselbe, obwohl er im Gegensatz zu Stenmark auch im Speed-Bereich tolles Potenzial habe, wie er es mit seinen Topresultaten im Super-G (ein Sieg, zwei dritte Plätze) bereits unter Beweis gestellt hat. “Er ist eben gescheit genug, dass er da kein unnötiges Risiko eingeht”, lobte Schranz neben der “Fitness und Akribie” vor allem die “große Sport- und Ski-Intelligenz” des 28-jährigen Salzburgers. “Man hat es ja im Vorjahr beim Norweger Aksel Lund Svindal in der Kitzbühel-Abfahrt gesehen, der war dann (im Kampf um den Gesamt-Weltcup) weg.”

Daneben würdigte der Olympia-Zweite von 1964 und dreifache Weltmeister auch die Leistung von Trainervater Ferdinand Hirscher, der mit seinem Sohn Marcel “ein außergewöhnliches Team” bilde. “Der Vater hat ihn dort hingebracht. Der Österreichische Skiverband muss dankbar sein, dass es solche Kombinationen gibt”, betonte der Arlberger, der 1960/61 mit dem Engagement von Egon Schöpf als seinem Privattrainer für Aufsehen im ÖSV gesorgt hatte und diesbezüglich ein Pionier im Alpin-Ski-Zirkus gewesen war.

Von: apa

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