Friedliche Fans sind erwünscht

Schwarze Liste, harte Strafen: Russland will WM ohne Gewalt

Mittwoch, 21. März 2018 | 12:34 Uhr

Die Bilder haben sich eingebrannt: Brutal prügelten russische Hooligans bei der Fußball-EM 2016 in Frankreich auf englische Fans ein. Die schwersten Ausschreitungen bei einem Fußball-Großturnier seit fast 20 Jahren schürten Ängste vor Krawallen bei der WM in Russland. Doch die Behörden wollen mit einer harten Linie ähnliche Bilder wie in Frankreich vermeiden.

Zu wichtig sei das Turnier für die Außendarstellung auch von Präsident Wladimir Putin, ist häufig zu hören. Kommentatoren verweisen immer wieder auf den friedlichen Verlauf des Confederations Cups 2017. Rechtzeitig zu dieser Generalprobe für die WM waren die Gesetze verschärft worden: Rowdys drohen monatelange Arreststrafen, hohe Geldbußen und Stadionverbote. Krawalle gab es beim Confed Cup nicht.

Mehr als 400 früher auffällig gewordene Fans stehen inzwischen auf einer schwarzen Liste der Behörden. Zur Abschreckung sind sie alle namentlich im Internet zu finden. “Diejenigen, denen der Zutritt ins Stadion verboten ist, werden nicht hineinkommen”, kündigt WM-Cheforganisator Alexej Sorokin an.

Die Krawalle russischer Hooligans in Marseille 2016 sind ein Auslöser der harten Linie. Demonstrativ nahmen russische Spezialkräfte bald nach der EM einen der mutmaßlichen Rädelsführer, Alexander Schprygin, vor laufenden Kameras auf einer Hoteltoilette vorübergehend fest. Seine Allrussische Fanvereinigung wurde vom russischen Fußballverband suspendiert. Der Fan von Dynamo Moskau gilt als einer der Köpfe der russischen Ultra-Szene, mit guten Verbindungen in die Politik.

Zur WM präsentiert sich Schprygin, Kampfname “Kamantscha”, als zahmer Fanclub-Chef. “Ich denke, dass das Sicherheitsniveau in Russland so hoch sein wird, dass etwas Größeres wie damals in Marseille völlig unmöglich ist”, sagt der 40-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Für das Gespräch über Fangewalt hat er sich einen Ort ausgesucht, dessen Name von Ironie zeugt. “Brawler’s Pub” heißt die schummrige Bar im Südwesten Moskaus – die “Kneipe der Streithähne”.

Die Polizei habe russische Fans seit langem genau im Blick, erzählte Schprygin. Schon beim kleinsten Vorfall gebe es Verhöre. “Die Polizei reagiert sehr hart auf alle Verstöße.” Auch deshalb sieht er keine Gefahr für Gäste aus dem Ausland.

Dabei verhehlt Schprygin nicht, dass es in der russischen Fußball-Kultur bisweilen schon auch ruppiger zugeht. “Sie (die Fans) pflegen einen gesunden Lebensstil. Sie gehen ins Fitnessstudio, machen Kampfsport, solche Dinge”, erzählt er.

Die russische Fanszene ist oft ultranationalistisch bis rechtsextrem geprägt. Rechtsradikale Symbole sind in den Stadien häufig zu sehen, immer wieder kommt es zu Angriffen von Fußballfans auf Migranten aus Zentralasien oder dem Kaukasus.

Als radikalste Gruppen gelten Hooligans der Hauptstadtvereine Spartak und ZSKA Moskau, zwischen denen es immer wieder zu organisierten Massenschlägereien mit Dutzenden oder gar Hunderten Beteiligten kam. Berüchtigt sind zudem die Fans von Zenit St. Petersburg. Aber auch kleinere Clubs wie Ural Jekaterinburg oder FK Arsenal Tula haben gewaltbereite, rechtsextreme Anhänger.

Von: APA/dpa