Ärzten und Sportfunktionärin wird Behilfe durch Mitwissen vorgeworfen

Schwazer als Kronzeuge der Anklage

Mittwoch, 01. April 2015 | 13:00 Uhr

Bozen – Alex Schwazer hat vor seinem Comeback-Versuch reinen Tisch gemacht und eine detaillierte Aussage vor der Staatsanwaltschaft abgelegt.

Damit hat er neue Indizien zum anstehenden Doping-Prozess geliefert, schreibt das Tagblatt Dolomiten.

Wie berichtet, müssen sich Giuseppe Fischetto (Ärztekommission FIDAL), Pierluigi Fiorella (Marathon, Geher) und die FIDAL-Verantwortliche Rita Bottiglieri am 29. April vor dem Bozner Landesgericht verantworten.

Ihnen wird Beihilfe durch Mitwissen vorgeworfen. Schwazer der bereits einem Vergleich über acht Monate bedingte Haft wegen Sportbetrugs zugestimmt hat, ist mit seiner Aussage im Strafverfahren gegen die Ärzte und die Sportfunktionärin jetzt der Kronzeuge der Anklage.

Auch in einem Dossier soll er weitere Einzelheiten zu Dopingtests, der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis gebracht haben. Die Ärzte und die Sportfunktionärin werden verdächtigt, vom Doping des Gehers gewusst zu haben.

Der wegen Dopings gesperrte Geher-Olympiasieger will beim Training für sein Comeback bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro mit 24-Stunden-Überwachung beweisen, dass er dopingfrei ist. Seine Sauberkeit soll Sandro Donati, italienischer Berater der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), bezeugen, indem er Schwazer trainieren wird.

"Ich danke Donati, der meinen Vorschlag angenommen hat, mir Vertrauen schenkt und mir die Möglichkeit gibt, nach drei Jahren wieder an Wettkämpfen teilzunehmen. Ohne ihn hätte ich nicht dieselbe Motivation für mein Comeback gehabt", sagte Schwazer bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Rom. Der bis 29. April 2016 gesperrte Südtiroler hatte kürzlich angekündigt, sich für Anti-Dopingkampagnen einsetzen zu wollen.

Sein Anliegen sei es, seine Glaubwürdigkeit nach dem Dopingskandal zurückzugewinnen. "Ich befürchte nicht, dass mein Projekt scheitert. Ich habe zwei durchaus schwierige Jahre erlebt, ich sehne mich nach der Stunde, an der ich wieder an einem Wettkampf teilnehmen werde", betonte Schwazer.

Der Südtiroler, 2008 in Peking 50-km-Olympiasieger, wurde 2012 vor den Sommerspielen in London positiv auf das für Blutdopingzwecke genutzte Hormon Erythropoetin (EPO) getestet. Der 30-Jährige hatte erst im Dezember mit einem juristischen Vergleich mit den Bozner Justizbehörden ein gegen ihn eingeleitetes Verfahren beendet. Schwazer einigte sich auf eine achtmonatige Haftstrafe auf Bewährung und 6.000 Euro Geldstrafe.

Von: ©lu/apa

Bezirk: Bozen