Südtiroler Dario Taraboi geht wieder nach Bruneck

Schwimmen – Neo-OSV-Sportdirektor Bär: “Erfolg ist planbar”

Freitag, 10. August 2018 | 13:00 Uhr

Mit 1. September gibt es im österreichischen Schwimmverband (OSV) einen neuen Sportdirektor. Für den Südtiroler Dario Taraboi sind die nationalen Open-Water-Meisterschaften nächste Woche seine letzte Aufgabe in dieser Funktion. Den 51-Jährigen zieht es wieder an den Beckenrand, als Trainer eines Vereins in Bruneck. Sein Nachfolger wird Walter Bär, jahrzehntelanger Coach im heimischen Getriebe.

Der 48-Jährige war bei den Europameisterschaften in Glasgow vor Ort, um für seinen neuen Job Vorbereitungen zu treffen. Der Wiener mit Wohnsitz seit rund zehn Jahren in Mödling will den rot-weiß-roten Schwimmsport dorthin bekommen, wo er ab 2001 für rund zehn Jahre in der Ära von Mirna und Dinko Jukic, Markus Rogan, Fabienne Nadarajah und Maxim Podoprigora schon einmal war. Der APA – Austria Presse Agentur verriet Bär im Interview die Details seiner Planung.

APA: Herr Bär, Sie treten ihre neue Funktion am 1. September an. Welche Aufgaben haben Sie bei der EM in Glasgow wahrgenommen?

Walter Bär: “Ich habe mit den Trainern und anderen Delegationen geredet, es geht um die Vorbereitung für die nächsten zwei Jahre, für Südkorea und Tokio (WM 2019, Olympia 2020, Anm.).”

APA: Sie haben sich schon vor zwei Jahren für den Sportdirektor-Posten beworben, beschäftigen sich also schon länger mit dieser Aufgabe. Wie sieht Ihr Konzept aus?

Bär: “Das Wichtigste ist der Aufbau für die langfristige Zukunft, 2024, 2028. Es gilt, die Jungen zu entwickeln, die wir vielleicht noch nicht einmal am Radar haben. Wichtig ist die Kommunikation mit den Trainern. Es geht nicht darum, dass ich als zukünftiger Sportdirektor den Trainern, die sehr viel Erfahrung haben, meine Ideen aufs Auge drücke, sondern mit den Leuten zu kommunizieren und ab und zu vielleicht kritisch zu hinterfragen. Durchs Reden entstehen neue Ansätze.”

APA: Bis 2028 – Sie denken also sehr langfristig, auf zehn Jahre hinaus.

Bär: “Es hängt sehr viel mit Planung zusammen, also Erfolg ist planbar. Es sind viele Kleinigkeiten, die passieren, aber nicht passieren sollten. Und das erzeugt Unmut, das erzeugt Ärger. Man soll nicht davon ausgehen, dass etwas passiert, sondern darüber sprechen und die Dinge fixieren und planen. Ich habe mich in Glasgow mit Balasz (Fehervari, Südstadt-Coach Anm.) und Marco (Wolf, Linz-Coach) zusammengesetzt, um die nächsten zwei Saisonen möglichst weit ins Detail zu besprechen. Fehler passieren, wenn man vor allem viel tut. Aber sie sollten so weit wie möglich vermeidbar sein.”

APA: Sie sind also schon mitten drin in Ihrem neuen Job, nicht erst ab 1. September.

Bär: “Ich habe schon sehr viel im Juni und in den letzten Wochen gemacht, alles in Zusammenarbeit mit dem (OSV-)Sekretariat. Es gibt die neuen Förderrichtlinien. Da es dann meine Agenda ist, möchte ich nicht, dass das jemand anderer macht. Ich möchte nicht auf etwas weiterarbeiten, was jemand anderer ausgearbeitet hat. Wenn es um die Planungen für Weltmeisterschaft und Weltcups geht. Das läuft schon.”

APA: Die nächsten Olympischen Spiele werden in zwei Jahren schon vorbei sein. Wie sieht da Ihre spezifische Planung aus?

Bär: “Der mittelfristige Plan ist, die Vorbereitung für Korea (WM, Juli 2019) bereits in Japan zu machen, in der gleichen Anlage, wo wir dann die Vorbereitung für Tokio (Olympia) machen werden. Wenn wir in Hangzhou in China sind (Kurzbahn-WM, Dezember 2018), werden wir uns die Anlage gleich ansehen. Der Plan ist, einige Tage vor Wettkampfbeginn in das (Olympische) Dorf einzuziehen. Wenn du zu lange dort bist, sinkt sicher die Spannung ab. Und vorher zehn bis 14 Tage ein Pre-Camp – Akklimatisation, Zeitumstellung – in der gleichen Zeitzone in Japan zu machen. Felix (Auböck) wollen wir da dabei haben. Er findet die Idee sehr gut und das ist mit seinem Trainer abgesprochen.”

APA: Wie groß könnte das OSV-Schwimm-Team in Tokio 2020 sein?

Bär: “Ich denke, die Teamgröße wird nicht mehr als eine Handvoll, vielleicht eventuell etwas mehr sein. Die Limits sind nicht einfach und auch die Quoten sind restriktiver. Letztens waren es 900 Plätze, jetzt 878. Dabei sind einige Bewerbe dazugekommen. Früher waren die Limits die 16. Plätze der vergangenen Spiele, jetzt sind es die zwölften. Das heißt, es reicht nicht mehr einmal, sich mit dem Semifinaleinzug der letzten Spiele hundertprozentig zu qualifizieren. Das ist kein Zuckerlecken.”

APA: Wen genau haben Sie auf der Rechnung?

Bär: “Felix, Bernhard Reitshammer, Patrick Staber, einige Jungen, auch die Mädels wie Caroline Pilhatsch. Auch auf Brust haben wir zwei Leute (Valentin Bayer, Christopher Rothbauer, Anm.). Für sie ist der Rekord von Maxim (Podoprigora) nicht aus der Welt, der ist 17 Jahre alt. Seine 2:11,09 waren seinerzeit die fünftschnellste Zeit der Welt. Jetzt reicht es gerade einmal nicht, sich damit für eine Weltmeisterschaft sich zu qualifizieren. Also man sieht die Entwicklung. Beide Burschen haben das Ziel, diesen Rekord einmal aus der Welt zu schaffen.”

APA: In Glasgow waren sechs OSV-Staffeln am Start. Sind Sie ein Fan von Staffelbesetzungen?

Bär: “Wir haben dieses Commitment innerhalb des Verbandes, dass wir Staffelprojekte ausschreiben und auch im Vorfeld kommunizieren, wie diese Staffeln beschickt werden. Wenn wir die Staffeln beschicken, ist das Training von Staffelablösen auch im Plan des Ganzen. 57/100 (Rückstand der Kraul-Mixedstaffel auf einen EM-Finalplatz, Anm.) wäre mit den Übergaben möglich gewesen. Wir hatten zwei Ablösen, die supoptimal gewesen sind.”

APA: Sie haben bis jetzt primär als Trainer gearbeitet. Wird Ihnen das abgehen, wie es nun ja bei Dario Taraboi der Fall ist?

Bär: “Ich bin immer noch mit Herz und Seele Trainer. Vielleicht wird es mir fehlen. Der Hintergrund, warum ich es machen wollte, ist, dass ich den österreichischen Schwimmsport auf ein höheres Niveau bekommen möchte, wo wir auch schon einmal vor Jahren gewesen sind. Und ich glaube, ich weiß, an welchen Ecken und Enden es hapert. Dort muss man ansetzen. Das Wichtigste für mich ist Kommunikation.”

APA: Sie werden also nicht nur im Büro anzutreffen sein?

Bär: “Ich liebe es, mit den Sportlern zusammenzuarbeiten. Ich sehe die Aufgabe des Sportdirektors nicht als Office-Job. Es geht auch darum, nicht den unmittelbaren Kontakt mit dem Sport zu verlieren. Ich sehe es auch so, wenn zum Beispiel einer unserer Trainer auf Trainingslager ist, für ihn einzuspringen in der Gruppe oder im Trainingslager zu unterstützen. Das heißt, du arbeitest schon mit den Sportlern.”

APA: Wie sehen Sie Ihre Arbeit für die anderen OSV-Sparten, für die Sie auch zuständig sind?

Bär: “Ich bin sicher nicht der Experte in Synchronschwimmen, Wasserspringen und Wasserball. Aber ich habe Grundkenntnisse, eine Ahnung. Wichtig ist genauso wie im Schwimmen, mit den Leuten ständigen Kontakt zu haben, zu kommunizieren. Ein Ziel ist auch, das Leistungszentrum Südstadt mindestens einmal wöchentlich zu besuchen. Linz und Graz Minimum einmal im Monat und ständig Kontakt zu halten.”

(Das Gespräch führte Thomas Blaschke/APA in Glasgow)

Von: apa

Bezirk: Pustertal