Lochte gestand Unaufrichtigkeit ein

Schwimmer Lochte entschuldigte sich für erfundenen Überfall

Freitag, 19. August 2016 | 23:43 Uhr

US-Schwimmstar Ryan Lochte hat sich für sein Verhalten in der Affäre um einen vermeintlichen Überfall auf ihn und drei Teamkollegen entschuldigt. Er bedauere, den Vorfall nicht umsichtiger und aufrichtiger geschildert zu haben, schrieb Lochte am Freitag auf Twitter. Mit einer Äußerung habe er gewartet, bis seine Teamkollegen wieder sicher in den USA angekommen seien.

Zuvor hatten die vier US-Schwimmer angegeben, in Rio de Janeiro überfallen worden zu sein. Brasilianische Behörden bezweifelten diese Aussagen und vermuteten die Vortäuschung einer Straftat. Videokameras der Tankstelle legten nahe, dass ein Schwimmer in einer Toilette randaliert habe. Nach einer Auseinandersetzung mit zwei bewaffneten Sicherheitskräften hätten die Schwimmer Geld für den Schaden hinterlassen und daraufhin gehen dürfen. “Leider haben die Schwimmer eine Lüge nach der anderen erzählt”, zitierte die “New York Times” am Donnerstag einen Polizisten, der das Video kennt.

Die Ungereimtheiten um den Überfall waren immer größer geworden. Der 32-jährige Lochte hatte bereits Teile seiner Aussagen und Details relativiert. Dem US-Sender NBC News sagte er am Mittwochabend, dass er und drei Teamkollegen überfallen worden seien, als ihr Taxi an einer Tankstelle gehalten habe. Zuvor hatte er erklärt, dass als Polizisten verkleidete Räuber das Auto angehalten hätten. Zudem habe ein Täter ihm eine Waffe nicht direkt an den Kopf gehalten, wie ursprünglich angegeben, sondern sie nur auf ihn gerichtet.

“Es ist traumatisch, spätnachts mit seinen Freunden in einem fremden Land samt Sprachbarriere unterwegs zu sein und sich einem Fremden mit einer Waffe gegenüber zu sehen, der Geld will, um dich gehen zu lassen”, schrieb Lochte nun. Die Situation sei zu vermeiden gewesen. “Ich übernehme die Verantwortung für meine Rolle und habe meine Lektion gelernt.”

Zuvor hatte sich bereits das Nationale Olympische Komitee der USA bei den Olympia-Gastgebern entschuldigt. Das Verhalten der Schwimmer sei “weder akzeptabel, noch repräsentiere es die Werte des Team USA”, hieß es in einer USOC-Mitteilung. Der US-Schwimmverband überlegt derzeit Maßnahmen gegen die vier Schwimmer.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) akzeptierte die Entschuldigung von Lochte. “Die Entschuldigung ist angemessen. Wir begrüßen sie”, sagte IOC-Sprecher Mark Adams am Freitag in Rio de Janeiro. Rios Bürgermeister, Eduardo Paes, akzeptierte die Entschuldigung des US-Komitees, für die involvierten Athleten hege er aber “Mitleid und Verachtung”. Die vier Schwimmer würden den guten Spirit, den der Rest der Delegation gezeigt hätte, nicht repräsentieren. US-amerikanische Touristen seien in Rio aber weiterhin jederzeit gern gesehen, betonte Paes.

Das Olympische Organisationskomitee gab sich nachsichtig. “Wir müssen verstehen, dass diese Burschen Spaß haben wollen. Sie stehen bei den Wettkämpfen unter gigantischem Druck”, sagte Sprecher Mario Andrada ohne Groll. “Gebt den Burschen eine Pause. Manchmal machst du Sachen, die du später bereust. Sie sind großartige Sportler. Sie hatten Spass, sie haben einen Fehler gemacht, das gehört zum Leben. Und das Leben geht weiter.”

Nach Lochte sind mittlerweile auch die beteiligten Teamkollegen Gunnar Bentz und Jack Conger wieder in den USA. Der noch in Brasilien weilende Jimmy Feigen habe seine Angaben gegenüber der Polizei richtiggestellt, hieß es. Er hoffe nun, seinen Pass nach Zahlung einer Geldstrafe von umgerechnet 11.000 Dollar (9.700 Euro) an ein brasilianisches Charity-Projekt für die Ausreise wieder zu bekommen.

Conger und Bentz hatten mit Lochte Staffel-Gold über 4×200 m Kraul gewonnen, Feigen ist Olympiasieger über 4×100 m Kraul. Der Vorfall hatte sich am frühen Sonntagmorgen auf dem Weg ins olympische Dorf in Rio ereignet. Zuvor sollen die vier im französischen Olympia-Haus im Stadtteil Lagoa gewesen sein.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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3 Kommentare auf "Schwimmer Lochte entschuldigte sich für erfundenen Überfall"


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Dublin
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Medaillen aberkennen! Sein jo no letzer wie die Gedopten.

der Rote Wichtel
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Na wenn das ein Russe gemacht hätte…. ob das IOC dann auch so locker mit der Affäre umgegangen wäre und die halbherzige Entschuldigung so wohlwollend angenommen hätte?

Mikeman
Tratscher
1 Monat 5 Tage

die sind aber schlau,so ein S……….. gehörte hinter Gitter und nicht nach Hause ,hätte er das daheim gemacht wäre die Geschichte wohl anders gelaufen…..

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