Bei Medaillen "wird auch der Zufall mitspielen"

Segel-Sportdirektor Fundak im Interview – “Sind im Spiel”

Montag, 01. August 2016 | 13:27 Uhr

Seit 32 Jahren steht er in Diensten des Österreichischen Segelverbandes, in Rio erlebt er seine neunten Olympischen Spiele. Georg Fundak (63) ist der Mastermind im OeSV. Wie sich der frühere 470er-Segler immer wieder neu motiviert, was ihn antreibt und wichtig ist und warum es gerade in Rio auf die Teamstärke ankommen wird, erläuterte der Ungar im Interview mit der APA – Austria Presse Agentur.

APA: Sie haben erzählt, dass dies Ihre bereits neunten Olympischen Spiele sind. Wie schaffen Sie es, immer motiviert und neugierig zu bleiben?

Fundak: “Das ist einfach, denn es ist mein Leben. Und im Leben musst du motiviert bleiben. Segeln hat so viele Varianten, die Natur hat immer neue Herausforderungen, jedes Revier ist anders. Und gerade jetzt ist der Olympische Segelsport wieder irrsinnig stark im Wandel, auf Tokio hin kommen wieder Änderungen. Ich kämpfe darum, dass sich dies für Österreich oder ein mitteleuropäisches Land wie auch die Schweiz in Grenzen hält. Es ist täglich ein sportpolitischer Kampf.”

APA: Schätzen Sie auch die Herausforderungen, die Ihnen mitunter die Akteure bieten?

Fundak (lacht): “Ich bin sehr stark davon überzeugt, dass uns ein funktionierendes Team in einer Situation wie Olympischen Spielen hilft. Das ist eine unserer Stärken. Wegen der Komplexität des Reviers müssen alle für alle Klassen arbeiten, da bekommt der 49er-Segler Hilfe von den 470ern und umgekehrt. Alle arbeiten gemeinsam mit den Meteorologen, wir haben Mentalcoaches. Wir leben alle zusammen in einem Container, es ist wenig Platz und Spannungen gibt es immer. Es ist sehr wichtig, eine Organisation zu haben, in der es Individualität der Menschen gibt, aber ich bin sehr kompromisslos, wenn jemand auf Kosten des Teams versucht, für sich individuelle Vorteile zu haben. Da bin ich radikal, das schafft manchmal Konflikte. Aber das ist wichtig.”

APA: Die Segler zählen zu Österreichs Top-Medaillenanwärtern in Rio. Wurde das Optimum erledigt?

Fundak: “Das Optimum kann man nicht sagen. Das Revier ist so komplex. Ich denke aber, keiner (von den Konkurrenten/Anm.) hat da alle Racing-Kurse durchgearbeitet und alle Varianten durchgespielt, niemand kann das dort machen. Aber ich kann sagen, wir haben das ganze Team auf so breiter Basis vorbereitet, wie wir es noch nie zuvor gehabt haben. Natürlich sind wir immer noch ein bisschen von den Bedingungen abhängig, jede Mannschaft hat seine Stärken, jede hat ein paar Löcher. Aber was steht, ist, dass wir wirklich viel gemacht haben. Von den Möglichkeiten her haben wir es maximal ausgenützt. Und wir können mit ruhigem Gewissen sagen, wir sind im Spiel drinnen. Die letzten Trainingswettfahren haben gezeigt, dass wir nicht vor den anderen sind, aber wir sind mit allen vier Booten in Gruppe eins – das haben wir noch nie gehabt zuvor.”

APA: Welche neue Wege wurden in der Vorbereitung auf das schwierige Revier gegangen?

Fundak: “Sydney war schon komplex, Weymouth war komplex, aber so komplex wie hier war es noch nie. Auf ein Revier kannst du dich nur im Revier vorbereiten, alles andere ist nur Theorie. Deutlich stärker im Programm im Vergleich zu vorherigen Spielen, wo das immer ein bisschen ein Minus war, hatten wir die Meteorologie- und Strömungssachen. Da haben wir Gas gegeben und vom Wissenschaftlichen her ein sehr hohes Level erreicht. Maximal Franzosen und Engländer und vielleicht ein, zwei andere sind da noch ein bisschen vor uns. Aber in gewissen Sachen sind sie nicht so genau wie wir, in gewissen haben sie mehr Erfahrung.”

APA: Umso wichtiger erscheint es, dass Österreich gleich vier chancenreiche Boote hat.

Fundak: “Es ist sehr gut, dass nicht alles auf einem Team lastet, andererseits gibt es natürlich auch wieder bei den Teams verschiedene Gewichtungen, wer ist weniger von den Bedingungen abhängig, wer mehr (wen was betrifft, verriet er nicht/Anm.). Ich denke, wir haben genug Kraft gehabt und auf die vier Mannschaften gut aufteilen können. Und auch bei den Spielen werden wir genug Energie haben. Das Projekt Rio und Peter Schröcksnadel haben uns irrsinnig unterstützt und verstanden, in welche Richtung sich eine technischer Sportart vorbereiten muss. Auch das ÖOC war uns ein sehr starker Partner.”

APA: Was wird also herausschauen?

Fundak: “Es wird auch der Zufall mitspielen, allein wenn wir uns das Wasser und was da alles drinnen sein kann, anschauen. 2000 waren wir in der Situation, wo die Leute hingefahren sind und bedingungsunabhängig davon lautete die Frage nur, welche Farbe die Medaille haben wird. Diese Zeiten sind weg. Auch momentan gibt es möglicherweise drei oder vier Teams in der ganzen Welt, die mit einer Medaillensicherheit reingehen können. Es ist so ausgeglichen in den Top sechs bis Top acht, jeder kann alles machen. Und die Olympische Regatta ist immer eine andere Regatta. Das ist ein großer Unterschied im Vergleich zu Welt- und Europameisterschaften. Wir hoffen, wir sind auf diese Spezialität vorbereitet.”

(Das Gespräch führte Birgit Egarter/APA in Rio de Janeiro)

Von: apa

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