Shiffrin praktisch konkurrenzlos

Shiffrin sicherte sich Gesamtweltcup – Mowinckel siegte

Freitag, 09. März 2018 | 18:17 Uhr

Ski-Topstar Mikaela Shiffrin hat den zweiten Gesamtweltcup ihre Karriere nun auch rechnerisch unter Dach und Fach gebracht. Beim Weltcup-Premierensieg der Norwegerin Ragnhild Mowinckel im Riesentorlauf von Ofterschwang wurde die US-Amerikanerin am Freitag hinter der Deutschen Viktoria Rebensburg Dritte. Die 24-jährige Tirolerin Ricarda Haaser erreichte als Vierte das beste Ergebnis ihrer Karriere.

Schon bevor Shiffrin als Halbzeitvierte in das Finale ging, war der zweite Kugelgewinn in Folge für die noch 22-Jährige festgestanden, da Wendy Holdener (Tages-14.) punktemäßig bereits ins Hintertreffen geraten war. Shiffrin hat vor den noch ausstehenden fünf Rennen einen Vorsprung von 603 Zählern auf Holdener. Im Riesentorlauf ist sie allerdings aus dem Rennen. Rebensburg führt 92 Punkte vor der Französin Tessa Worley und hat es damit kommende Woche in Aare selbst in der Hand, ihre insgesamt dritte RTL-Disziplinwertung nach 2011 und 2012 einzufahren.

Shiffrin erklärte nach dem Kugel-Coup, dass die Saison ein harter Kampf für sie gewesen sei. “Es war eine Erleichterung, dass Olympia vorbei ist und ich mich auf den Weltcup konzentrieren konnte. Jetzt alles schon vor Aare klar gemacht zu haben, ist wirklich toll. Jetzt bin ich befreit und brauche nicht mehr um jeden Punkt kämpfen”, sagte die Riesentorlauf-Olympiasiegerin, die bereits am Samstag die Slalom-Kugel klarmachen kann. Bei Olympia war sie als Top-Favoritin nur Vierte geworden.

Shiffrin sagte, sie fühle sich auch deswegen erleichtert, weil vor ihrem Sieg im vergangenen Jahr zahlreiche Konkurrentinnen verletzt ausgefallen waren. “Nach letztem Jahr, als ich den Gesamtweltcup gewonnen habe, haben einige Leute gemeint, das ist ein bisschen ‘fake’, weil die anderen Mädchen nicht da waren”, meinte sie. “Das fühlt sich wie eine Bestätigung für mich an.”

Nach dem Finale 2017 in Aspen habe sie sich gefragt, wie sie das noch einmal schaffen könne. “Das ist so viel Arbeit!”, berichtete Shiffrin lachend. Sie glaube, dass es heuer nach Aare etwas entspannter für sie werden könnte. Hinsichtlich des Slaloms in Ofterschwang am Samstag gab sie sich zuversichtlich. “Das ist eine weitere Chance. Sie haben einen wirklich guten Job mit der Piste gemacht heute. Es ist etwas überraschend, wie gut es im zweiten Lauf war, angesichts dessen, wie warm es ist.”

Allrounderin Mowinckel, bei den Olympische Spielen Silbermedaillengewinnerin in Riesentorlauf und Abfahrt, ist nach starken Leistungen quer durch alle Disziplinen außer dem Slalom, den sie nicht bestreitet, auch im Gesamtweltcup bereits Vierte. Nach nur einem zweiten Platz (RTL Kronplatz 2018) und einem dritten (Super-G Val d’Isere 2017) landete die 25-Jährige erstmals in ihrer Karriere am obersten Treppchen des Weltcup-Podestes. “Ich habe es geschafft, das ist so cool. Heuer hatte ich schon meinen ersten Podestplatz, die ersten Olympiamedaillen, jetzt der Sieg – ich bin so glücklich, dafür habe ich wirklich lange gearbeitet”, sagte sie im ORF-Interview.

Sehr zufrieden war auch Haaser, die von der Position her noch nie so nahe dran am Podest war. “Ich habe seit Anfang Winter gute Leistungen gezeigt, nur nicht im Rennen hergebracht. Ich bin echt froh, dass ich da so knapp dran bin. Ragnhild ist schon ein Stückchen vorne, aber beim Rest bin ich dabei”, erklärte die Olympia-17. im Riesentorlauf, die in Ofterschwang im zweiten Durchgang Bestzeit fuhr. “Wenn man locker ist und die Sicherheit hat, macht es doppelt so viel Spaß, da kann ich dann auch meine Leistung abrufen.”

Bernadette Schild nahm nach einem “sehr passablen zweiten Durchgang” einen elften Platz mit, Anna Veith Rang 15. Die Salzburgerin fand als Halbzeit-28. im zweiten Lauf gute Pistenverhältnisse vor. “Wenn man vorne wegfährt, wenn es salzig ist, ist es für mich leichter, weil ich vom Timing noch nicht da bin, wo ich sein sollte”, erklärte sie.

Ein paar Punkte gab es auch für Eva-Maria Brem (24.) und Katharina Liensberger (27.). Stephanie Brunner schied in Lauf eins aus. Elisabeth Kappaurer, Carmen Thalmann, Julia Scheib und Katharina Truppe verpassten den Finaleinzug. Für das Weltcupfinale sind in dieser Disziplin neben Brunner (6. der Wertung) auch Haaser (14.), Schild (21.) und Kappaurer (25.) qualifiziert.

Von Shiffrin gab es besonderes Lob für ihre baldige Ex-Markenkollegin Michaela Kirchgasser. “Kirchi war wahrscheinlich die erste Person im Weltcup, die wirklich mit mir gesprochen hat. Ich war beim Atomic Media Day im Herbst, und sie hat gesagt: ‘Hi, ich bin Michaela Kirchgasser'”, erzählte die Amerikanerin. “Das war einfach, wie ihre Persönlichkeit ist. Sie ist immer sehr nett, nie arrogant. Mir hat gefallen, wie sie auf Leute zugegangen ist. Es wird echt traurig sein, wenn sie nicht mehr da ist.”

Im Slalom am Samstag gibt Michaela Kirchgasser ihren Abschied von der aktiven Karriere. “Der Renneinzug ist eingepackt. Ob es der wird, lasse ich offen”, hielt sich die Salzburgerin bedeckt, in welchem Outfit sie sich durch die Tore schwingen wird.

Von: apa