Südtiroler Effizienzwunder peilt das "Triple" an

Ski alpin: “Alter Fuchs” Peter Fill will dritte Abfahrtskugel

Dienstag, 28. November 2017 | 10:10 Uhr

Mit nur einem Sieg zwei Mal die Abfahrtskugel zu gewinnen, das hat bisher nur ein Skirennläufer geschafft. Peter Fill ist dieses Effizienzwunder, und der 35-jährige Südtiroler kann im Olympia-Winter Geschichte schreiben, wenn er es als erster Fahrer seit Stephan Eberharter (2002-2004) drei Mal in Folge geschafft haben sollte. Fill würde diese Mission aber gerne mit etwas mehr Siegen erledigen.

Drei Weltcupsiege hat Fill in seiner langen Karriere bisher geschafft. Der erste in der Abfahrt gelang dem damals 26-Jährigen im November 2008 in Lake Louise. Erstmals outete man damals den in Brixen geborenen Burschen als Cousin der Weltcupfahrerin Denise Karbon sowie Neffen von Norbert Rier, dem Chef der Kastelruther Spatzen. Wenig später gewann Fill bei der WM 2009 in Val d’Isere auch noch Silber im Super-G und damit die einzige Medaille der italienischen Herren.

Doch nicht zuletzt wegen einiger Verletzungen kam die verheißungsvolle Karriere des früheren Junioren-Weltmeisters ins Stocken. Es folgten drei Saisonen ohne Weltcup-Podestplatz. WM-Bronze in der Super-Kombination 2011 war ein Ausreißer nach oben, 2013 stürzte Fill in der Steilhang-Ausfahrt in Kitzbühel wieder einmal spektakulär.

Es dauerte deshalb über sieben Jahre, bis Fill erneut bei einer sturzreichen Kitzbühel-Abfahrt im Jänner 2016 seinen zweiten Weltcupsieg feierte. Schon damals führte er seine Rückkehr aufs oberste Podest darauf zurück, dass er im Sommer davor geheiratet habe.

Mit nur zwei Podestplätzen – neben dem Kitz-Sieg noch Rang zwei in Lake Louise, aber dafür serienweise Platzierungen in den Top Ten – sicherte er sich im letzten Rennen des Winters 2015/16 als erster Italiener überhaupt den Gesamtsieg im Abfahrts-Weltcup. Am Ende hatte er 26 Punkte Vorsprung auf den ab Kitzbühel verletzt fehlenden Norweger Aksel Lund Svindal.

Auch ein Jahr später holte Fil die Kugel im letzten Saisonrennen. Beim Finale in Aspen fing er Svindals Landsmann Kjetil Jansrud ab und holte sich mit nur 23 Zählern Vorsprung erneut den Gesamtsieg in der Königsdisziplin. Und das nach einer Saison ohne Abfahrts-Sieg überhaupt. So etwas war davor zuletzt Marc Girardelli im Winter 1993/94 “gelungen”.

“Natürlich würde ich gerne mehr Rennen gewinnen”, beteuerte Fill nach Platz vier vergangene Woche beim Saisonstart in Lake Louise. “Aber es ist kein Zuckerschlecken. Die anderen schlafen auch nicht, alle wollen ganz oben stehen”, verwies er auf die zahlreiche und starke Konkurrenz.

Fills Stärke ist die Konstanz und dass er im Gegensatz zu vielen Speed-Spezialisten bei fast allen Bedingungen schnell ist. “Ich habe keine spektakuläre Fahrweise. Eher eine saubere und kontrollierte, bei der es immer so ausschaut, als ob ich alles unter Kontrolle hätte”, erklärte der Südtiroler. “Dafür trainiere ich aber auch ziemlich viel. Ich mache das Maximum das geht und konzentriere mich voll auf den Sport.” Zudem habe er ein “bäriges” Team hinter sich.

Seit diesem Sommer plagt den mittlerweile 35-Jährigen freilich ein massives Rückenproblem. Das Iliosakralgelenk meldet sich an und ab schmerzhaft. “Wenn’s kommt, habe ich solche Schmerzen, dass ich nicht gerade auf den Ski stehen kann”, erzählte Fill.” Die Doktoren seien etwas ratlos.

Kein Problem hätte Fill, sich diesen Winter den Sieg für Olympia aufzuhalten und die Abfahrtskugel wieder mit serienweisen Top-Platzierungen einzufahren. “Ich kann nur versuchen, dass es nochmals so gut geht. Aber dazu braucht es viel Glück, und es muss alles zusammenpassen”, weiß der Speed-Spezialist aus Kastelruth und brach dann eine Lanze für sich selbst.

“Wenn man genau nachrechnet, ist es eigentlich viel schwieriger, die Kugel so zu gewinnen wie ich”, betonte Fill. “Denn man muss bei allem dabei sein. Darf sich keinen Aussetzer leisten, darf nicht krank sein, keine Wehwehchen haben, rein gar nichts. Das ist doch eine große Kunst, hinter der viel Arbeit steckt.”

Wie das geht? “Ich bin halt auch ein bissl ein alter Fuchs”, gestand Fill in Kanada schmunzelnd. Diese Woche will der gelernte Karosseriespengler und Juve-Fan das in Beaver Creek unter Beweis stellen. So richtig durchgestartet ist Fill auf der anspruchsvollen Piste in Colorado noch nicht. Bei fast 40 Starts in den 15 Jahren seit 2002 liegen als beste Ergebnisse auf der Raubvogelpiste zwei dritte Plätze vor.

Fill kann aber so oder so nur noch wenig erschüttern. Speziell, weil seine Familie mit den mittlerweile zwei Kindern ein großer Rückhalt oder sogar ein Erfolgsgeheimnis ist. “Sie ist das beste, was ich habe”, so Fill. “Bei ihr zuhause kann ich abschalten und komme dann frisch motiviert zurück. Das ist bisher mein großes Plus gewesen.”

Von: apa

Bezirk: Salten/Schlern