Aufwärtsbewegung der DSV-Abfahrer in die Weltspitze bestätigt

Ferstl-Sieg: “Das Beste, was heute passieren konnte”

Freitag, 15. Dezember 2017 | 17:40 Uhr

“Das Beste, was heute passieren konnte, ist ein deutscher Sieg.” So kommentierte der Norweger Kjetil Jansrud in Gröden die Fahrt von Josef Ferstl in die Geschichtsbücher. Der Oberbayer machte sich am Freitag zum erst zweiten deutschen Super-G-Sieger nach Markus Wasmeier. “Ein historisches Ergebnis”, meinte Wolfgang Maier, der Alpinchef des Deutschen Skiverbandes (DSV).

An einem Tag, an dem viele Favoriten Fehler machten, zeigte Ferstl eine einwandfreie Fahrt auf der Saslong. “Wir haben gewusst, wir sind schnell, aber es gehört auch Glück dazu. Und harte Arbeit zahlt sich irgendwann aus”, meinte der 28-Jährige, der im Vorfeld noch mit heftigen Knieschmerzen zu kämpfen hatte. Im Dezember 2015 hatte Ferstl einen Kreuzbandriss erlitten, vor drei Wochen in Kanada verletzte er das durch die Operation entstandene Narbengewebe.

“Es ist so ein großer Markt, und das Interesse ist riesig, aber sie sind mit Speed-Siegen nicht verwöhnt worden”, freute sich Jansrud für seinen Kollegen. Ferstl beendete in Südtirol eine 27-jährige Durststrecke der Deutschen im Super-G. Am 17. März 1991 hatte Wasmeier in Lake Louise zuletzt in dieser Disziplin gewonnen. Ferstl war damals gerade zwei Jahre alt.

Die Schlagzeilen hatte seitdem vor allem ein Techniker geschrieben, holte der aktuell am Knie verletzte Felix Neureuther doch alleine 13 der 45 Weltcup-Siege bei den Herren. Ferstl ist erst der zwölfte Deutsche, der ganz oben auf dem Podest jubeln durfte. In den Speed-Disziplinen hatte vor Ferstl zuletzt Max Rauffer im Dezember 2004 gewonnen, als er ebenfalls in Gröden in der Abfahrt triumphierte.

Seit der Ankunft des Vorarlbergers Mathias Berthold als Cheftrainer im Frühjahr 2014 ging es mit den Speed-Junkie aber langsam bergauf. In der aktuellen Saison zeigt die Formkurve sogar steil nach oben: Thomas Dreßen fuhr vor zwei Wochen in Beaver Creek als Dritter der Abfahrt aufs Podium. Auch Andreas Sander hat die Olympia-Norm längst erfüllt, dafür reicht eine Platzierung unter den besten Acht oder zwei unter den Top 15.

“Es ist einfach ein Aufwärtstrend. Wir wollten für Olympia ein starkes Team präsentieren, das haben wir jetzt alle drei geschafft”, sagte Ferstl. “Dann haben wir gesagt, wir wollen es beweisen. Dass es natürlich so läuft mit einem Weltcup-Sieg und einem Podium, das war jetzt nicht so absehbar.” Medaillen in Südkorea erscheinen für die deutschen Herren also auch nach dem endgültigen Olympia-Aus von Neureuther durchaus realistisch.

Als besonderer Glücksbringer für Ferstl erwies sich übrigens sein brandneuer Kopfsponsor, eine österreichische Getränkefirma, die auch die ÖSV-Athleten Marco Schwarz und Roland Leitinger unterstützt. Der Partnerschaft wurde per Vertrag erst am Vortag besiegelt. “Der wird sich auch denken, das war kein schlechter Deal!”, meinte Ferstl mit einem lauten Lachen.

Von: apa

Bezirk: Salten/Schlern