Ort der Sensationen

Ski alpin: Gröden feiert 50 Jahre im Weltcup

Dienstag, 12. Dezember 2017 | 06:05 Uhr

1967 bekam Gröden beim FIS-Kongress in Beirut den Zuschlag für die Ski-Weltmeisterschaft 1970. Damit war der Startschuss für den Weltcup-Betrieb auf der Saslong-Piste erfolgt, die heute mit ihren Highlights Mauer, Kamelbuckel und Ciaslat zu den großen Speed-Klassikern in Europa zählt. Das beschauliche Südtiroler Tal feiert das 50-Jahre-Jubiläum unter anderem mit einer lauten Show im Zielgelände.

Die erste Weltcup-Abfahrt auf der Saslong, die von der Bergstation am Ciampinoi nach St. Christina hinabführt, kam am 14. Februar 1969 und somit in der Saison 1968/69 zur Austragung. 2017/18 ist die 50. Saison seitdem, auch das ergibt also ein Jubiläum. Seit damals fanden im Herren-Weltcup 54 Abfahrten, 16 Super-G und auch einige Technikrennen und Kombinationen statt.

“Für die Rennläufer ist Gröden eine ganz besondere Station, weil man hier die Geschichte förmlich aufsaugt”, meint Kristina Ghedina. Der Italiener, der 2004 auf dem Zielschuss plötzlich ein Reh vor sich erblickte, und die rot-weiß-rote Ski-Legende Franz Klammer sind mit jeweils vier Abfahrtssiegen Rekordhalter.

Die Saslong zählt mit ihrem Wechselspiel aus Sprüngen, Wellen und Flachstücken zu den selektivsten im Weltcup und verlangt von den Läufern ganz unterschiedliche Fertigkeiten. “Gröden hat einfach lange Gleitstücke drin. Das ist ganz schwer zum Üben und zum Erlernen, dieses Feeling für den Ski, damit er flach läuft”, nennt ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher ein Kriterium, das vor allem im oberen Teil entscheidend ist.

“Es braucht sehr viel Mut, um sich hier blindlings in die vielen Sprünge zu werfen. Man braucht Vertrauen in sich selbst und muss wissen, was man tut”, hielt Steven Nyman einmal fest. Der US-Amerikaner triumphierte 2006, 2012 sowie 2014 bei dem Dolomiten-Klassiker.

Saslong-Rekordgewinner ist Aksel Lund Svindal, der 2009, 2012, 2013 und 2015 den Super-G gewann, 2015 auch die Abfahrt – macht insgesamt fünf Siege. In seinen Lehrjahren machte der Norweger als 22-Jähriger noch unangenehme Bekanntschaft mit den berüchtigten Kamelbuckeln: 2005 stürzte Svindal im Training schwer, zog sich dabei schmerzhafte Prellungen zu.

Die drei Höcker, an denen schon ganze Karrieren zerschellt sind, sind definitiv die spektakulärste Stelle der 3,4 Kilometer langen Strecke. Vor dem ersten Überflug durch Uli Spiess im Training 1980 sprangen die Athleten dort noch vor jeder Erhebung ab. Mittlerweile wird der erste Buckel gedrückt oder umfahren, während man in Spiess-Manier vom zweiten über den dritten springt, der entschärft wurde. An die 70 Meter weit geht es dennoch, bei rund fünf Metern Luftstand.

Bekannt ist die Saslong auch wegen der oft überraschenden Sieger. “An keinem anderen Ort geschehen so viele Ski-Wunder wie in Gröden”, brachte es die Schweizer Zeitung “Blick” einmal auf den Punkt. 1993 gewann mit der Startnummer 66 der Liechtensteiner Markus Foser, 2004 raste der Deutsche Max Rauffer zur Sensation. Nymans erster Erfolg 2006 hatte sich ebenfalls nicht abgezeichnet.

Die aktuelle Generation der ÖSV-Abfahrer stand in Gröden noch nicht häufig auf dem Podium. Dann kam Max Franz, der 2016 Svindal und Nyman hinter sich ließ. Für den Kärntner war es der erlösende erste Weltcupsieg. Sein Cousin Werner Franz, in seiner Laufbahn zweimal Zweiter hier, hatte ihn schon bei der Anreise eingestimmt: “Er hat mir immer wieder gesagt: Jetzt kommt Gröden, und Gröden ist so schön.”

Das 50-Jahre-Jubiläum wurde in St. Christina bereits am 2. September mit Stars wie Ghedina, Herbert Plank und Peter Fill gefeiert. Am Freitagabend soll eine Show mit weiteren Ski-Helden und der Musik des Grödner Weltstars Giorgio Moroder noch eins draufsetzen. Die italienische RAI soll das Spektakel aus dem Zielbereich übertragen, Verhandlungen mit anderen Sendern laufen.

Die sportlichen Lokalmatadore haben mit der Saslong freilich noch ein paar Rechnungen offen. Denn kurioserweise gab es mit dem Sterzinger Plank 1977 erst einmal einen Südtiroler Sieger.

Von: apa

Bezirk: Salten/Schlern