Abfahrtswertung noch offen

Ski: Kugelvergabe in Aspen – Weltcupfinale erstmals seit 1997 in USA

Sonntag, 12. März 2017 | 10:50 Uhr

Das erste Mal seit 1997 geht das alpine Ski-Weltcupfinale wieder in Amerika in Szene. War vor 20 Jahren Vail Austragungsort, so ist der Tross zum Saison-Kehraus dieses Mal im 160 Kilometer entfernten Aspen zu Gast. Von Mittwoch bis Sonntag stehen acht Einzelrennen und ein Teambewerb auf dem Programm, bei den Damen sind noch mehrere Kugelentscheidungen ausständig.

Die Damen kennen den unteren Teil der Piste, tragen sie doch fast jährlich dort im Weltcup Riesentorlauf und Slalom aus. 2015 gewann Mikaela Shiffrin beide Torläufe und die derzeit verletzte Schweizerin Lara Gut den Riesentorlauf. 2014 schlugen die Österreicherinnen Nicole Hosp im Slalom (Karriere beendet) und Eva-Maria Brem im Riesentorlauf (verletzt) zu. Die Herren indes fuhren dort auf Weltcup-Niveau selten und zuletzt 2001, als in den zwei Slaloms Mario Matt und Ivica Kostelic gewannen. Der kürzlich in Kranjska Gora siegreiche Michael Matt könnte also auch auf US-Boden gleich wieder den Spuren seines großen Bruders folgen.

Gänzlich unbekannt ist der Hang den älteren Technikern unter den Herren aber nicht, finden dort doch öfters im zeitlichen Umfeld der Weltcupbewerbe in Beaver Creek Rennen des Nor-Am-Cups statt. Marcel Hirscher beispielsweise war 2012 das bisher letzte Mal am Start, er gewann auf dieser Piste bereits drei Riesentorläufe und war dreimal Zweiter.

Auch Routinier Philipp Schörghofer hat zahlreiche Erfahrungen gesammelt. “Cool, mal um diese Jahreszeit in Aspen zu sein”, sagte der Salzburger. “Bei den Nor-Am-Rennen ist es immer so schattig, jetzt wird die Piste in der Sonne liegen. Es ist ein richtig lässiger und interessanter Hang, es ist viel Gelände drinnen. Ich sage immer, wenn die Damen dort fahren, das ist ein voll schwieriger Hang.” Neuland ist Aspen indes für die weiteren Techniker Michael Matt, Manuel Feller, Marco Schwarz, Roland Leitinger und Marc Digruber.

Die Speed-Piloten dürfen zum Winterausklang eine neue Strecke kennenlernen, die Vorfreude darauf ist groß. “Die ersten 40 Sekunden ist ein Gleitteil, dann wird es technisch sehr, sehr schwierig. Da hast alles drinnen”, sagte ÖSV-Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher, der sich vor einigen Jahren im Zuge des Nor-Am-Cups auch mal die Abfahrtstrecke angesehen hat. Start ist in 3.232 m Höhe. Die Anreise der ÖSV-Herren nach Aspen erfolgte am Sonntag, sie waren in den Tagen vorher zum Training in Copper Mountain.

Die Damen hatten zuletzt mächtig Reisestress. Die Route der Vielfahrerinnen unter den Österreicherinnen ging von Crans Montana (Schweiz) via Mailand zum Olympia-Test nach Jeongseon, danach weiter über San Francisco zum US-Weltcup nach Squaw Valley bzw. via Denver zum Finale nach Aspen Snowmass.

Qualifiziert für das WM-Finale sind die Junioren-WM-Goldmedaillengewinner sowie die Top 25 im jeweiligen Disziplinweltcup. Bei den Herren sind für Österreich Marcel Hirscher, Hannes Reichelt, Matthias Mayer, Max Franz, Vincent Kriechmayr, Romed Baumann, Philipp Schörghofer, Manuel Feller, Roland Leitinger, Michael Matt, Marco Schwarz und Marc Digruber startberechtigt. Bei den Damen werden Christine Scheyer, Nicole Schmidhofer, Stephanie Venier, Ramona Siebenhofer, Tamara Tippler, Elisabeth Görgl, Ricarda Haaser, Stephanie Brunner, Michaela Kirchgasser, Katharina Truppe und Bernadette Schild antreten.

Die ÖSV-Damen haben in dieser Saison bisher nur einen Sieg, zwei zweite und vier dritte Plätze errungen. Weniger als sieben Podestplatzierungen waren es zuletzt mit sechs 1984/85. Nur einen Saisonsieg gab es zuletzt 1996/97. Das Finale kann an der schwachen Bilanz nicht mehr viel ändern, die Damen-Cupwertung geht erstmals nach 18 Erfolgen en suite verloren. Wenigstens glückte am Sonntag mit Rang drei im Slalom von Squaw Valley durch Bernadette Schild das erste Saison-Podest in einem technischen Bewerb.

Die Herren halten bei neun Siegen, 13 zweiten und drei dritten Plätzen. Die 25 Podestränge sind die wenigsten seit 1991/92, als es 15 gab. Weniger Siege gab es 2015/16 mit acht. Die gesamt bei Damen und Herren 32 Podestplätze sind die wenigsten seit 1986/87 (27).

In Aspen sind noch einige Kugelentscheidungen ausständig, Österreicher mischen darum nicht mehr mit. Bei den Damen hat sich die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin vorzeitig die Slalom-Kugel geholt und die Slowenin Ilka Stuhec jene für die Kombination. Shiffrin braucht sich in Aspen die große Kugel aufgrund ihres Vorsprungs von 378 Punkten auf Stuhec nun nur noch abzuholen. Stuhec kann aber noch in Abfahrt und Super-G zuschlagen. Shiffrin gegen Weltmeisterin Tessa Worley (FRA) heißt es im Riesentorlauf.

Bei den Herren gewann Marcel Hirscher die Gesamt-, Slalom- und Riesentorlauf-Wertung, der Norweger Kjetil Jansrud jene im Super-G und der Franzose Alexis Pinturault in der Kombination. Offen ist noch die Abfahrtswertung, die sich Jansrud und der 33 Zähler zurückliegende Südtiroler Peter Fill untereinander ausmachen.

In dem Nobelskiort in Colorado erwarten die Athleten frühlingshafte Temperaturen, sie können im Zielbereich auf 2.450 m durchaus schon in den zweistelligen Bereich gehen. Rund um die Rennen wird den Zuschauern ein umfangreiches Programm geboten, im Weltcup-Dorf werden täglich Apres-Ski-Themen-Partys veranstaltet. Aspen liegt im Pitkin County im Herzen des White River National Forest und lockt mit 300 Sonnenschein-Tagen im Jahr, 80 Restaurants und Bars und 235 Shops die teils sehr wohlhabenden Gäste.

Von: apa