Thiem muss sich wieder strecken, um an Djokovic und Co. heranzukommen

Späte Australian Open mit Thiem als einem der Titel-Anwärter

Freitag, 05. Februar 2021 | 14:36 Uhr

Mit dreiwöchiger Verspätung kommt die Tennissaison ab Montag so richtig auf Touren. Die Australian Open finden wegen der Corona-Pandemie zwar wie zuletzt die French Open Ende September/Anfang Oktober nicht am ursprünglichen Termin statt, aber mit Zuschauern. Für die Spieler wird das Major nach Absolvierung einer zweiwöchigen verpflichtendenden Quarantäne nahe an das von früher Gewohnte herankommen, zum Gewohnten für Dominic Thiem gehören mittlerweile auch späte Turnierphasen.

So bewiesen vor gut einem Jahr eben in Melbourne, als sich Österreichs Nummer eins erst im Finale in fünf Sätzen Novak Djokovic geschlagen geben musste. Der Serbe geht wieder als Favorit in die Konkurrenz. Sind seine acht Grand-Slam-Titel “Down Under” bei den Männern schon absoluter Rekord, geht er nun auf “Alle Neune” los. Damit würde der 33-Jährige in der Erfolgsstatistik mit dann 18 Major-Titeln mit dem Schweizer Roger Federer und Rafael Nadal auf Tuchfühlung gehen.

Beide halten bei sonst bei den Herren unerreichten 20 Major-Einzeltiteln. Während der 39-jährige Federer frühzeitig für die Australian Open abgesagt hatte, ein Comeback im März in Doha angekündigt hat und schon mehr als ein Jahr ohne Bewerbsmatch ist, könnte Nadal die alleinige Führung übernehmen. Melbourne ist für den Spanier allerdings der am wenigsten erfolgreiche Grand-Slam-Boden, nur 2009 hat er dort gewonnen. Zuletzt plagten ihn zudem Rückenprobleme.

Thiem gilt auch in internationalen Vorschauen als erster Herausforderer von Djokovic und Nadal, der Niederösterreicher führt eine Reihe von hungrigen Top-Ten-Spielern an. Denen hat er voraus, dass er mit den US Open 2020 bereits einen Grand-Slam-Titel in der Tasche hat, daher wohl befreiter spielen kann. Gegen seinen Auftaktgegner Michail Kukuschkin spielt der Lichtenwörther erstmals, der Kasache sollte aber trotz sub-optimaler Vorbereitung beim ATP Cup wohl kein großes Problem darstellen.

Freilich steht und fällt bei Thiem speziell bei Majors viel mit dem Einstieg in ein Turnier. Mehr als zehn Wochen nach dem von ihm gegen den Russen Daniil Medwedew in London verlorenen ATP-Finals-Endspiel ging der ATP-Cup-Vergleich mit Matteo Berrettini (ITA) noch daneben, der Franzose Benoit Paire war diesmal kein Gradmesser. Dafür konnte sich der Weltranglistendritte diesmal viel intensiver der Vorbereitung widmen, durch die er aber wie beim Major ohne seinen Coach Nicolas Massu muss.

An dessen Stelle tritt sein Vater Wolfgang Thiem, unterstützt von Physio Alex Stober. Durch die 14-tägige Quarantäne nach der Ankunft auf dem fünften Kontinent in Adelaide sollte “Österreichs Sportler des Jahres” keinen Nachteil gegenüber jenen der Melbourne-Gruppe haben, eher einen Vorteil. Kukuschkin hat sein Jahr diese Woche in einem Melbourne-Turnier mit einem Sieg gegen Juan Ignacio Londero (ARG) und einer Niederlage gegen Stan Wawrinka (SUI) begonnen.

Turnierdirektor Craig Tiley kündigte für Samstag die Entscheidung an, welche Rasterhälfte am Montag starten wird. Thiem ist in der oberen, in der es im Halbfinale zu einer Neuauflage des Finales gegen Djokovic kommen könnte. Aus der Voll-Quarantäne gekommene Akteure sollen nach Möglichkeit einen späteren Start erhalten. Tiley ist überzeugt, die Pandemie auf dem Turniergelände im Griff zu haben. “Das wird in den nächsten zwei Wochen einer der sichersten Plätze in Melbourne sein”, sagte er.

Während Thiem nur bei einem Turniersieg Weltranglistenzähler holen würde, würde sein Landsmann Dennis Novak schon bei einem Auftaktsieg punkten. Der 27-Jährige hatte am Dienstag mit einem Sieg gegen Top-20-Mann Fabio Fognini (ITA) beeindruckt, enttäuschte aber am Freitag bei der Niederlage gegen den 39-jährigen Doppelspieler Nicolas Mahut (FRA). Im ersten Duell mit dem Franzosen Adrian Mannarino (Nr. 32) kann sich der Weltranglisten-100. rehabilitieren, ist aber Außenseiter.

Der bisherige Saisonverlauf hat auch bei den Damen kaum Anhaltspunkte gegeben. Im Jänner wurde nur in Abu Dhabi gespielt, diese Woche in Melbourne folgten drei Events. Lokalmatadorin Ashleigh Barty kam in ein Finale, hatte aber davor corona-bedingt knapp ein Jahr nicht gespielt. Titelverteidigerin ist Sofia Kenin (USA), deren Landsfrau Serena Williams nimmt einen weiteren Anlauf auf Rekord-Major-Titel Nummer 24. Naomi Osaka (JPN) hat drei der jüngsten fünf Hartplatz-Majors gewonnen.

Von: apa

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