Dem Funktionär wird Veruntreuung vorgeworfen

Spanischer Fußball-Verbandspräsident Villar festgenommen

Dienstag, 18. Juli 2017 | 13:08 Uhr

Der einflussreiche Fußball-Funktionär Angel Maria Villar ist in Madrid wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen worden. Der 67-jährige Chef des nationalen Verbandes (RFEF), der auch Vizepräsident der FIFA und der UEFA ist, wurde ebenso wie sein Sohn Gorka und ein ranghoher Mitarbeiter des Verbandes in Gewahrsam genommen, teilte die spanische Polizei am Dienstag mit.

Villar soll unter anderem Geld des Verbandes verwendet haben, um sich Vorteile zu sichern. Gegen ihn werde unter anderem wegen Korruption, Fälschung und Unterschlagung ermittelt, hieß es. Im Rahmen der “Operation Soule” wurden am Vormittag auch der Sitz der RFEF in Madrid sowie mehrere Regionalbüros und Wohnungen durchsucht.

Die Ermittlungen seien Anfang 2016 eingeleitet worden, so die Guardia Civil. Der Einsatz war von der zuständigen Staatsanwaltschaft beantragt worden. Zu den Festgenommenen gehöre auch Finanz-Vizepräsident Juan Padron, hieß es weiter. “In Spanien werden die Gesetze durchgesetzt, die Gesetze sind für alle gleich, und niemand, wirklich niemand steht über dem Gesetz”, sagte Spaniens Sportminister Inigo Mendez de Vigo.

Von Seiten der RFEF gab es zunächst keine Stellungnahme. Der Weltverband verwies auf “interne Angelegenheiten” des spanischen Verbands und auch der Europa-Verband wollte die Vorgänge nicht kommentieren.

Ex-Nationalspieler Villar zieht schon seit Jahrzehnten die Fäden im internationalen Fußballgeschäft: Seit 19 Jahren sitzt er im Vorstand des Weltverbands (FIFA) und seit 1992 im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Er galt als enger Vertrauter des langjährigen FIFA-Chefs Joseph Blatter, der das Amt 2016 niederlegen musste.

Im November 2015 wurde Villar von der Ethik-Kommission der FIFA verwarnt und mit einer Geldstrafe belegt, weil er den damaligen FIFA-Ermittlern um Michael Garcia zunächst keine Aussage zur umstrittenen Vergabe der WM 2018 und 2022 an Russland und Katar lieferte.

Der jüngst durch die FIFA veröffentlichte Garcia-Bericht gibt einen Einblick in die Verweigerungshaltung des Funktionärs. Später habe er jedoch seine Bereitschaft zur Kooperation in der Untersuchung gezeigt, begründeten die unabhängigen FIFA-Ethiker ihr mildes Urteil. Villar ist neben dem Ägypter Hany Abo Rida inzwischen das einzige verbliebene Mitglied der damaligen FIFA-Exekutive, die im Dezember 2010 über die beiden WM-Gastgeber abstimmte.

Von: APA/ag.