Rangnick macht den Job selber

Sportdirektor Rangnick übernimmt Traineramt bei RB Leipzig

Montag, 09. Juli 2018 | 17:22 Uhr

Ralf Rangnick wird in der kommenden Saison neben dem Sportdirektor- zusätzlich auch das Traineramt beim deutschen Fußball-Bundesligisten RB Leipzig übernehmen. Der 60-Jährige kehrt für eine Spielzeit als Coach zurück, spätestens ab kommenden Sommer wird aber Wunschtrainer Julian Nagelsmann das Zepter übernehmen. Der Verwalter eines Übergangsjahres bei den Sachsen soll Rangnick nicht sein.

Rangnick will Wunschtrainer Nagelsmann, der noch ein Jahr an Hoffenheim gebunden ist, selbst den Weg für eine glorreiche Zukunft bei RB Leipzig ebnen. Er geht hohes Risiko und kehrt für eine Spielzeit auf die Trainerbank zurück. “Das ist die sinnvollste Entscheidung”, sagte Vorstandschef Oliver Mintzlaff auf einer Pressekonferenz am Montag und fügte hinzu: “Wir sehen das nicht als Übergangsjahr. Wir wollen den erfolgreichen Weg fortsetzen.”

Als Sportdirektor und Chefcoach in Personalunion steigt Rangnick neuerlich zum Fast-Alleinherrscher beim Red-Bull-Club, bei dem mit Stefan Ilsanker, Konrad Laimer und Marcel Sabitzer drei ÖFB-Legionäre engagiert sind, auf. Rangnick gilt als der RB-Architekt, er und von ihm geholte Trainer impften den Profis in Salzburg und Leipzig einen extremen Pressing-Spielstil ein. Er spricht oft von einer RB-DNA, die er nach bestem Wissen und Gewissen zu hüten versucht.

Rangnick kennt alle Spieler, er war an allen Transfers maßgeblich beteiligt. Seit Ende 2012 ist er als RB-Sportdirektor für Leipzig mitverantwortlich. In Salzburg zog er von 2012 bis 2015 die Fäden. Er war damals nach gut einem Jahr Auszeit ins Fußball-Geschäft zurückgekehrt, im September 2011 hatte er seinen Vertrag beim FC Schalke 04 aufgelöst. Zuvor hatte Rangnick als Trainer unter anderen für Hannover 96, 1899 Hoffenheim und den VfB Stuttgart gearbeitet. Seine bis jetzt letzte Trainer-Mission endete mit dem Erstliga-Aufstieg von RB im Mai 2016. Assistiert wird ihm nun vom US-Amerikaner Jesse Marsch, der zuletzt Red Bull New York trainiert hat, das Partnerteam in der Major League Soccer.

Mit dem erneuten Doppel-Engagement setzt sich Rangnick auch enormem Druck aus. Erst recht, nachdem die harmonisch gestartete Zusammenarbeit von ihm und Ralph Hasenhüttl unterkühlt zu Ende ging. Der Steirer Hasenhüttl genoss mit seiner volksnah wirkenden Art große Sympathien unter den Fans, Rangnick wird den Ruf des Professors nicht los. Der lange Vertragspoker endete am 16. Mai mit einer vorzeitigen Trennung. Der 50-jährige gebürtige Grazer Hasenhüttl hatte um die Auflösung seines Dreijahresvertrags gebeten.

Die Kaderplanungen liefen davon unabhängig, vorangetrieben von Rangnick. So wurden bereits der Linksverteidiger Marcelo Saracchi vom argentinischen Rekordmeister River Plate sowie der französische Abwehrspieler Nordi Mukiele vom HSC Montpellier verpflichtet. Im Angriff wurde der brasilianische Stürmer Matheus Cunha vom Schweizer Erstligisten FC Sion geholt.

Rangnick ist nur eine Interimslösung. Spätestens vom kommenden Sommer an wird Wunschtrainer Nagelsmann übernehmen. Der 30-Jährige machte von einer vertraglich fixierten Ausstiegsklausel Gebrauch und verlässt Hoffenheim nach der kommenden Saison. Er unterschrieb bei RB einen bis 30. Juni 2023 laufenden Kontrakt. “Nun wissen alle, woran sie sind, und wir können uns professionell auf die anstehenden, schweren Aufgaben konzentrieren”, sagte Nagelsmann im Juni.

Rangnick leitete nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe das erste Training beim Fußball-Bundesligisten RB Leipzig. Verzichten musste der bereits von Co-Trainer Jesse Marsch unterstützte Coach und Sportdirektor auf die WM-Kaderspieler Timo Werner, Yussuf Poulsen, Emil Forsberg und Yvon Mvogo.

Während die drei Feldspieler erst mit Beginn des Trainingslagers ab 27. Juli in Seefeld ins Training einsteigen, wird der Schweizer Schlussmann Mvogo bereits eine Woche vorher in Leipzig zurückerwartet. Unter den 23 beim Training anwesenden Spielern waren auch Ungarns Nationaltorhüter Peter Gulacsi und der nach seinem Kreuzbandriss noch individuell trainierende Abwehrspieler Marcel Halstenberg nicht dabei.

Ihre ersten Ballkontakte im RB-Trikot hatten dagegen unter der Beobachtung von rund 500 Fans die bisherigen drei Zugänge Marcelo Saracchi, Nordi Mukiele und Matheus Cunha. Von diesem Trio schwärmt Rangnick bereits jetzt. Weitere drei Zugänge sind noch geplant, vor allem im Mittelfeld ist durch den Verkauf von Naby Keita an Liverpool eine Lücke entstanden. Auch ein Transfer von Forsberg erscheint nicht mehr ganz unmöglich.

Von: APA/dpa

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