Max Franz zeigte kräftig auf

Starke ÖSV-Abfahrer machten beim Auftakt Lust auf mehr

Montag, 27. November 2017 | 12:20 Uhr

Sieg ging sich zwar keiner aus, mit drei Podestplätzen waren Österreichs Speed-Herren aber beim Saisonauftakt so gut wie schon lange nicht in Lake Louise. Sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G verhinderte in Kanada nur ein Läufer den ersten ÖSV-Saisonsieg. Die starken Auftritte der Österreicher machen Lust auf mehr. Die nächste Siegchance winkt in Beaver Creek.

Per FIS-Charterflug verließen die Herren noch Sonntagabend Kanada und damit auch das verregnete Lake Louise, wo stattdessen die Damen die Zimmer im Fairmont Chateau bezogen. Aus Colorado kamen zwar auch keine guten Wetter-News, weshalb das erste Training erst Mittwoch stattfinden kann. Die “Raubvogelpiste” selbst soll aber in gutem Zustand sein.

Und sie liegt im Schnitt vor allem den Österreichern besser als Lake Louise. Auch Hannes Reichelt, der hier 2015 Super-G-Weltmeister geworden ist. Zunächst frischte der Salzburger mit Platz drei im Super-G aber seine zarte Zuneigung zur Strecke in Kanada wieder auf. “Eine große Liebe wird’s wohl nicht mehr. Aber es war ein Superstart in die Saison”, sagte Reichelt.

In der ÖSV-Herren-Abfahrtsmannschaft war nach mageren Ergebnissen einiges umgekrempelt worden, mit Sepp Brunner kam ein neuer Spartenchef. Der Steirer, der zuvor in der Schweiz einige Weltmeister hervorgebracht hatte, tut offenbar gut.

“Er vermittelt sehr viel Ruhe”, sagte etwa Vincent Kriechmayr. Der ehrgeizige Oberösterreicher machte kein Geheimnis daraus, dass ihm selbst zwei neunte Plätze zu wenig waren. “Mein Grundspeed ist gut. Irgendwann sollte man es halt auch umsetzen. Ich will ja ganze vorne mitmischen.” Schon in Beaver Creek will es Kriechmayr besser machen. “Eine wirklich coole Strecke, dort habe ich meine ersten Weltcuppunkte geholt”, erinnerte “Vince”.

Lange warten auf einen Spitzenplatz möchte er nicht mehr. “Geduld ist nicht mein Ding. Der Max, der Hundling, fährt im Training wie eine lauwarme Semmel und dann paniert er uns im Rennen her. Ich muss schleunigst den Anschluss finden und darf mich nicht von Hannes und Max so blöd ausschauen lassen”, sagte Kriechmayr in Lake Louise.

Der angesprochene Hannes Reichelt musste bei dieser Ansage schmunzeln. “Dank Mothls (Matthias Mayer) Podestplatz in der Abfahrt war gleich ein bisserl Druck weg. Da konnten wir dann befreit Skifahren”, erklärte der 37-Jährige die starke Teamleistung in Kanada. Auch Reichelt freut sich nun auf Beaver Creek. “Natürlich komme ich lieber auf eine Strecke, wo ich so schöne Dinge wie den WM-Titel erlebt habe.”

Max Franz nahm Platz zwei im Super-G nach Sensations-Finish erstaunlich gelassen hin. “Ich habe schon letztes Jahr gesehen, dass das, was ich mache, passt”, sagte der WM-Dritte in der Abfahrt. “Also habe ich heuer nicht viel anders gemacht. Es braucht einfach viele Fahrten auf Weltcupstrecken”, erklärte Franz.

Zu Beaver hat der Kärntner ein gespaltenes Verhältnis. “Ich bin dort schon sehr coole Läufe gefahren, hab’s aber beim Rennen noch nie wirklich runter gebracht. Und einmal hat’s mich komplett ausgeschalten”, erinnerte er an seinen bösen Sturz von 2012.

Auch Routinier Romed Baumann scheint ungewohnt früh in Form zu sein. “Wenn ich aufhöre, solche Böcke wie im Super-G zu schießen, ist was drin”, ist der Abfahrts-Zehnte aus Tirol überzeugt.

Österreichs Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher ging beim Lob noch einen Schritt weiter, strich mit Johannes Kröll, Christoph Krenn oder Christian Walder auch einige junge Abfahrer hervor. “Besonders schade war’s aber um Mothl”, bedauerte Puelacher den Ausfall von Mayer. “Er war sehr frech unterwegs und wäre auch im Super-G sehr schnell gewesen”, ist Puelacher überzeugt.

Warum Mayer ausrutschte, war für Puelacher schnell erklärt. “Er hatte Nummer eins. An der Stelle war wahrscheinlich nicht der ganze Schnee rausgerutscht, der Schnee ist förmlich weg gegangen”, schilderte der Cheftrainer die Szene. “Schade, er war optimal unterwegs.”

Zum Reagieren sei insgesamt keine Zeit mehr gewesen. “Der ganze Super-G war brutal schwer. Die Bedingungen haben permanent gewechselt. Ich habe mich selbst schon nichts mehr zu sagen getraut, habe nur noch auf den Wind geschaut”, gestand Puelacher.

Auch der Tiroler glaubt, dass Beaver Creek 2017 ein guter Boden werden kann. “Aber wirklich wichtig ist, dass die Form stimmt. Drei Podestplätze, auch Vince und Romed fahren gut und einige gute Junge kommen nach. Wir sind auf einem guten Weg.”

Von: apa