Atzenbrugg war ein gutes Rasen-Pflaster für die heimischen Golfer

Starkes Wochenende für rot-weiß-roten Golfsport

Montag, 12. Juni 2017 | 10:40 Uhr

Obwohl Topfavorit Bernd Wiesberger der erhoffte Heimsieg bei den Lyoness Open nicht gelungen ist, war das zweite Juni-Wochenende 2017 ein starkes für den rot-weiß-roten Golfsport. Der Austro-Amerikaner Sepp Straka (24) spielte sich in Atzenbrugg als Siebenter auf die große Bühne, Matthias Schwab (22) schaffte es beim Profi-Debüt ins Preisgeld und Martin Wiegele gelang der große Comeback-Sieg.

Vor allem Wiegele und Straka gelangen dadurch in der Golf-Weltrangliste Riesen-Sprünge nach vorne. Der am Saisonbeginn auf Platz 1.331 aufscheinende Steirer verbesserte sich nach seinem Sieg beim Challenger in Belgien um gleich 728 Plätze auf mittlerweile Rang 463 und ist damit hinter Wiesberger (nun 30.) zweitbester Österreicher. Straka machte durch seine Glanzvorstellung in Österreich 408 Ränge wett und ist als Nummer 773 nun hinter Wiesberger, Wiegele, Manuel Trappel und Lukas Nemecz die Nummer fünf der heimischen Profi-Rangliste.

Der Triumph Wiegeles in Belgien war doppelt emotional. Der Grazer ist vor kurzem Vater einer Tochter (Liliana) geworden und der erste Sieg seit sieben Jahren passierte ausgerechnet am Vatertag. Sowie rund fünf Jahre nach einer doppelten Hüftoperation, die damals gerade Wiegeles in einem Hoch befindliche Karriere rettete. Statt gesundheitlich zu profitieren, stürzte der Profi des GC Erzherzog Johann, einer von Österreichs nur drei Siegern auf der European Tour (2010), danach aber sportlich ab.

“Ich habe es mir auch leichter vorgestellt. Aber Golf spielt sich zwischen den beiden Ohren ab und wenn du ein ganzes Jahr nicht trainieren kannst, ist es schwierig”, erklärte Wiegele. Nach vier erfolglosen Jahren hat er deshalb vor dieser Saison den Reset-Knopf gedrückt und arbeitet nun mit Coach Oliver Hertl zusammen, der auch Jung-Proette Sarah Schober betreut.

“Mit ihm ist frischer Wind drin”, erklärte Wiegele, der trotz seiner bald 39 Jahre an die Rückkehr auf die European Tour glaubt. 2017 wird für den Grazer entscheidend. “Bei einer weiteren Katastrophen-Saison muss ich mir etwas überlegen”, hatte Wiegele zuletzt bei den Gösser Open gemeint. Das ist nun vorerst kein Thema mehr.

Die zweitrangige Challenge Tour ist bis auf weiteres auch das wöchentliche Brot von Matthias Schwab. Der 22-jährige Steirer kam zwar in Atzenbrugg über Platz 43 nicht hinaus, hatte davor aber sein US-Studium beendet, die anstrengenden NCAA Finals gespielt und war mit Sommergrippe angereist.

Trotzdem holte Schwab gleich bei seinem Profidebüt auf der European Tour (“Ein Supererlebnis”) 5.600 Euro Preisgeld und punktete auch sofort für die Challenge-Tour, wo nun bis Mitte August gleich sieben weitere Events anstehen. Schon diese Woche geht es in Frankreich wieder um Punkte. “Die nächsten zwei Monate werden ziemlich busy”, weiß Supertalent Schwab, dessen Karriere als Berufsgolfer bis Ende 2020 finanziell gesichert ist.

Während Schwab die Reise im Auto in Angriff nahm, saßen Wiesberger und Straka am Montag in den Fliegern nach Toronto bzw. Atlanta. “Das war definitiv nicht mein Wochenende”, sagte Wiesberger nach Platz 15 in Niederösterreich, der ihm mit 13.520 Euro den magersten Preisgeld-Scheck seit fast einem Jahr einbrachte.

Für Wiesberger steht diese Woche mit den 117. US Open in Wisconsin das mit zehn Mio. Dollar dotierte, zweite Major auf dem Programm. “Das wird kein Zuckerschlecken”, ist Wiesberger angesichts der harten Bedingungen im Erin Hills GC bei Milwaukee bewusst. “Das wird die schwierigste Golfwoche des Jahres, in der man Birdies wahrscheinlich an einer Hand abzählen kann”, befürchtete der Burgenländer.

Für Doppel-Staatsbürger Straka geht es deutlich kleiner in Wichita auf der Web.com-Tour weiter im Kampf um einen Platz auf der PGA Tour. Obwohl er sich in Atzenbrugg auch für die mit 2 Mio. Euro dotierten BMW International Open in München qualifiziert hat, will Straka seinen Weg in den USA weiterverfolgen.

Die vielen starken Österreicher waren neben dem prächtigen Sommerwetter mit ein Grund, warum an den vier Turniertagen der Lyoness Open 2017 über 20.000 Zuschauer in den Diamond Country Club nordwestlich von Wien kamen. Vor allem die Möglichkeit, auch als Fan am Donnerstag und Samstag gemeinsam mit den Profis am letzten Loch abschlagen zu können, kam ausgezeichnet an.

Das freute auch ÖGV-Präsident Peter Enzinger, obwohl man speziell im Golfverband seit einiger Zeit einen rigiden Sparkurs fährt und die heimischen Jung-Pros damit unter Druck bringt. “Egal ob sie Brier, Wiegele oder jetzt Wiesberger, Straka, Schwab oder Lukas Nemecz heißen. Solche Spieler sind absolute Leitfiguren für die Jugend. Sie sehen, dass man auch in Österreich etwas erreichen kann”, meinte Enzinger im ORF-Fernsehen.

Von: apa