Die Ausgangslage gegen Larnaka könnte kaum schlechter sein

Sturm braucht bei Larnaka nach Hinspiel-0:2 “kleines Wunder”

Mittwoch, 15. August 2018 | 13:14 Uhr

Fußball-Cupsieger Sturm Graz steht in der Europa-League-Qualifikation mit dem Rücken zur Wand. Mit der bitteren 0:2-Heimniederlage im Drittrunden-Hinspiel gegen AEK Larnaka haben sich die Grazer in eine sehr schlechte Lage gebracht. “Wir brauchen ein kleines Wunder, das in einem Spiel vielleicht realisierbar ist”, sagte Sturm-Trainer Heiko Vogel am Mittwoch vor dem Abflug nach Zypern.

Dafür muss aber eine klare Steigerung her. Vor einer Woche blieben die Grazer vor eigenem Publikum vieles schuldig, schienen auch mit dem Druck des vermeintlichen Favoriten nicht umgehen zu können. Das Problem gibt es jetzt nicht mehr. “Larnaka ist der große Favorit. Wir haben die schlechtere Ausgangsposition, dadurch aber auch weniger Druck. Larnaka wäre vom Ausscheiden enttäuscht, wir hätten eine riesengroße Freude, wenn wir weiterkommen”, verlautete Sturms Coach.

Sport-Geschäftsführer Günter Kreissl nahm seine Spieler klar in die Pflicht: “Ich will, dass jeder einzelne an den Aufstieg glaubt und dass er in die zweite Chance alles hineinlegt.” An der Körpersprache, dem Kampfgeist und der Dynamik im Spiel solle man dies erkennen. “Wir haben in der dritten Runde Halbzeitpause. Wenn wir das drehen, würde das große Kraft freigeben”, war sich der Ex-Tormann sicher. Im anderen Fall wäre die Hoffnung auf eine europäische Gruppenphase früh beendet, nachdem man zuvor am Anlauf auf die Champions League gegen Ajax Amsterdam gescheitert war.

Das wollen die Grazer unbedingt vermeiden. An die englischen Wochen haben sie sich mittlerweile gewöhnt. “Wir haben in den letzten Wochen jeden dritten Tag gespielt und ich finde, dass wir mittlerweile den Rhythmus gefunden haben”, meinte Abwehrspieler Dario Maresic. Coach Vogel bezeichnete die Doppelbelastung im Hochsommer als “hart”, will deshalb aber nicht jammern. “Die Situation ist wie sie ist, jeder will sich europäisch beweisen”, betonte der Deutsche.

Mit Larnaka geht es gegen eine Mannschaft, die noch nicht im Meisterschaftsbetrieb ist und in drei Europa-League-Quali-Spielen (4:0 und 0:0 gegen Dundalk) keinen Gegentreffer kassiert hat. “Es wird Zeit, das zu ändern. Larnaka ist keine Über-Drüber-Mannschaft. Drei Tore und ich bin überzeugt, dass wir weiter sind”, hat Peter Zulj die Wende im Visier. Auch sonst hat niemand den Aufstieg abgeschrieben. “Wir sind hungrig, es zu drehen und müssen von der ersten Minute an präsent sein”, verlautete Stürmer Markus Pink.

Viel taktieren können die Grazer aufgrund des Rückstandes nicht. “Durch ein frühes Tor und durch Effizienz können wir den Spielverlauf auf unsere Seite bringen und das Spielglück erzwingen”, hoffte Pink. Das hat zuletzt bei der 0:2-Niederlage gegen St. Pölten am Sonntag gefehlt. Es war die zweite Pflichtspiel-Niederlage in Folge nach der schwachen Vorstellung auf europäischer Ebene gegen AEK, die vom Becherwurf eines Zuschauers auf den Linienrichter plus langer Unterbrechung überschattet war.

“Nach den zwei Niederlagen ist die Situation nicht einfach. Die Botschaften über die Verletzungen von wichtigen Spielern waren auch ein Dämpfer”, sagte Präsident Christian Jauk. Deshalb stieg er mit seinem auf europäischer Ebene fünf Partien sieglosen Team als “krasser Außenseiter” in den Flieger, in dem im Hinblick auf das Liga-Sonntagsduell mit Altach auch der gesperrte Kapitän Stefan Hierländer und der nicht einsatzberechtigte Otmar Kiteishvili saßen. Zum Syndesmosebandriss von Jakob Jantscher kam zuletzt die Muskelverletzung im Bauchbereich von Tormann Jörg Siebenhandl hinzu. Der Stammgoalie soll nicht lange pausieren müssen. Auf Zypern wird er von Tobias Schützenauer vertreten. Der 21-Jährige gibt sein Europacupdebüt.

“Ich habe ein großartiges Gefühl, alle glauben an seine Qualitäten. Vielleicht wird es morgen wie so oft eine Sternstunde für einen jungen Torhüter”, erläuterte Kreissl. Geht es nach Vogel soll der ÖFB-U21-Nationaltormann nicht im Fokus stehen. “Der Tormann sollte nicht so wichtig sein, wir müssen auf der anderen Seite reüssieren”, sagte der 42-Jährige. Auf den Aufsteiger wartet wohl Trencin, das gegen Feyenoord Rotterdam das Hinspiel 4:0 gewonnen hat. “Wenn sie weitergehen, dann habe ich nichts mehr gegen die englischen Wochen”, sagte Vogel schmunzelnd. Sturms letzter Sieg im Europacup gelang am 20. Juli 2017 bei Mladost Podgorica. Das 3:0 von damals würde auch diesmal fürs Weiterkommen reichen.

Von: apa