Svindal dominierte bisher die Abfahrtsbewerbe

Svindal führt weites Feld an Favoriten für Wengen-Abfahrt an

Freitag, 12. Januar 2018 | 13:10 Uhr

Bühne frei für die Lauberhorn-Abfahrt, die Protagonisten scharren in den Startlöchern: Topfavorit Aksel Lund Svindal aus Norwegen muss am Samstag in Wengen (12.30 Uhr/live ORF eins) aber mit großer Gegenwehr rechnen, nicht zuletzt die Österreicher haben sich in den Trainings stark präsentiert. Für den letzten ÖSV-Abfahrtssieg hatte Hannes Reichelt vor einem Jahr in Garmisch-Partenkirchen gesorgt.

Dritter in Lake Louise, Sieger in Beaver Creek und Gröden, Zweiter in Bormio – Svindal glänzt in seiner Comebacksaison nach Knieoperation in der Abfahrt. Vergangenes Jahr musste er wegen Schmerzen vorzeitig aus Wengen abreisen und erklärte die Saison ein paar Tage später für beendet. Nach wie vor ist Skitraining oft nur eingeschränkt möglich. “Aber mit der Piste hier ist es besser, das hilft schon”, sagte Svindal, den ein holpriger Untergrund derzeit freilich alles andere als weiterhilft. Aber auch auf dem Lauberhorn wurde es von Tag zu Tag ruppiger.

Seine Erfolgsserie in Wengen fortsetzen würde gern Reichelt, der fünf Podestplätze in Serie erreichte und davon 2015 gewann. 2016 setzte sich Svindal durch, 2014 gab es durch Patrick Küng den letzten Schweizer Erfolg beim Traditionsrennen. “Hoffen wir auf ein faires Rennen. Im Moment ist das Wichtigste, dass ich mit der Nummer, die ich bekomme, auch wenn sie eine höhere ist, noch konkurrenzfähig bin”, sagte der Salzburger, der zuletzt in Bormio Fünfter war.

In der zu Trainingszwecken absolvierten Kombi-Abfahrt am Freitag musste er sich nur dem überragenden Vincent Kriechmayr geschlagen geben, der besonders das Brüggli-S (auch Kernen-S) perfekt erwischte. “Eine gewaltige Leistung von Vincent, das Brüggli-S ist er gefahren wie kein anderer. Er ist sicher morgen ein heißes Eisen, man kann sich sehr viel von ihm abschauen”, sagte der 37-jährige Reichelt, der sich selbst (“Nur einer ist noch zum Einfangen”) und die Südtiroler weit oben auf der Rechnung hat. “Es wird ein spannendes Rennen und sicher eine enge Partie.”

Die Wetterprognose sagt blauen Himmel und Windstille voraus, womit einem Rennen mit Start in 2.315 m Höhe und über 4.270 m Länge nichts im Wege stehen dürfte. “Ein Rennen von ganz oben, schönes Wetter, die Piste in gutem Zustand – das wäre perfekt. E schaut super aus, hoffen wir, dass es passt auf Samstag hin”, meinte Dominik Paris (ITA), der Gewinner von Bormio und Dritte der Kombi-Abfahrt am Freitag.

Er sieht für Wengen ebenfalls ein breites Feld an Favoriten – neben den Norwegern auch seine Teamkollegen Peter Fill und Christof Innerhofer, Reichelt und Adrien Theaux. Der Franzose war Schnellster im zweiten Training und ließ die Kombination wegen Rückenproblemen aus, um sich zu schonen. Zu den Sieg-Mitanwärtern zählt sicherlich auch der Schweizer Weltmeister Beat Feuz, der “ein Ausrufzeichen” setzen will.

An die Leistungen von Saisonbeginn, als er in Übersee Neunter und Sechster war, will Vincent Kriechmayr anschließen und die Ränge 18 und 28 in Gröden und Bormio vergessen machen. “Ich bin bereit. Ich gehe mit einem guten Gefühl rein, ich bin in einer sehr guten Form”, meinte der Oberösterreicher, der in diesem Winter mit Platz eins im Beaver-Creek-Super-G für den bisher einzigen Sieg der ÖSV-Speedfraktion sorgte.

Seine Spitzenfahrt in der Kombination war jedenfalls eine Kampfansage: “Ich habe ihn voll runtergelassen. Taugt mir, dass ich zurzeit einen guten Speed am Ski habe. Es wäre fesch, wenn ich das morgen noch einmal schaffe. Aber da sind dann auch vierzig Sekunden mehr zum Bezwingen.”

Dass die Länge der Abfahrt ein Kriterium ist, weiß auch Matthias Mayer. “2:30 Minuten ist lang, das geht extrem auf die Kraft. Am Samstag brauchen wir jede Sekunde alle Kraft, die wir haben. Aber ich weiß, was ich zu tun habe”, meinte der Olympiasieger. Max Franz, Dritter in Gröden, hat sich vorgenommen, die Ski laufen zu lassen: “Einfach gehen lassen. Zu viel Linie ist vielleicht auch nicht gut.”

Vollste Konzentration wird von den Rennläufern auch am Zielsprung noch gefordert, dieser geht sehr weit. Mayer landete in der Kombiabfahrt fast im Fangnetz. “Da muss man taktisch fahren, damit man nicht ins Netz springt. In der Spezialabfahrt wird das jedenfalls noch anstrengender”, weiß er.

Der 37-jährige Reichelt macht sich weniger Sorgen um die Routiniers, als um die jungen Läufer. “Wenn du am Limit hinfährst, wird es sicher gefährlich, ich habe mir heute einiges an Reserve gelassen. Angst habe ich um junge Läufer, die mit weniger Kraft ins Ziel-S kommen und absalutieren. Dann landet man relativ schnell im A-Netz. Es ist sicher eine Limitgeschichte, aber Abfahrtssport soll auch nicht immer zu leicht sein.”

Von: apa

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