Thiem hatte nur im ersten Satz leichte Probleme

Thiem erreichte sein drittes US-Open-Achtelfinale

Samstag, 02. September 2017 | 22:53 Uhr

Ein sehr starker Dominic Thiem hat am Samstag zum dritten Mal das Achtelfinale der US Open erreicht. Der als Nummer 6 gesetzte Niederösterreicher besiegte vor 8.500 Zuschauern den gefährlichen Franzosen Adrian Mannarino (Nr. 30) nach 2:12 Stunden mit 7:5,6:3,6:4. Er trifft nun am Montag in einer Neuauflage des vorjährigen Achtelfinales auf Juan Martin Del Potro (Nr. 24).

“Das war mit Abstand das beste Match bei diesem Turnier bis jetzt”, erklärte Thiem im immer noch erstaunlich dünn besetzten Interviewroom 1. Der größte Kritikpunkt sei der Beginn gewesen. “Es kann nicht immer so aufgehen, dass ich dann das Break zum entscheidenden Zeitpunkt zum 5:5 mache.” Auch Thiem sah den Schlüssel zum Sieg im ersten Satz.

Ein fast fehlerloser Mannarino schaffte gleich zum Auftakt das Break zum 1:0 und stellte in der Folge auf 4:2 bzw. 5:3. Als Thiem auf 4:5 verkürzt hatte, spielte der Weltranglisten-Achte ein großartiges Game und nutzte den ersten Breakball im Match zum 5:5 und schaffte kurz später den Satzgewinn. Mit einem prächtigen Rückhand-Passierball bei 6:5 stellte Thiem im provisorischen Louis Armstrong Stadium nach 54 Minuten auf 7:5.

Der zweifache French-Open-Finalist nahm den Schwung aus dem ersten Durchgang perfekt mit und machte von 3:5 im ersten bis zum 3:0 im zweiten Satz sieben Games en suite. “Da hat er schon ein bisserl daran genagt, dass ich ihm den ersten Satz vor der Nase weggeschnappt habe. Ich denke, dass er auch komplett anders gespielt hätte, hätte er den ersten Satz gewonnen”, analysierte Thiem.

Österreichs Tennis-Star wirkte nach dem Satzbeginn befreit und sorgte gemeinsam mit dem nach wie vor stark spielenden Franzosen für einige großartige Ballwechsel. Vor allem als er bei 3:1 zwei Breakbälle seines Gegners abwehren musste und nach einem Netzroller Mannarinos mit sehenswerter Laufarbeit den Serviceverlust vermied. Danach servierte Thiem sicher nach 90 Minuten zur 2:0-Satzführung aus.

Ein frühes Break im dritten Durchgang zum 1:0 ließ Mannarino aber nicht aufgeben, Thiem musste gleich im zweiten Game wieder drei Breakbälle abwehren – Einen davon sogar mit einem Ball zwischen den Beinen. “Ich bin nicht der Kyrgios, der das zum Spaß macht und bin auch nicht so locker am Platz wie er. Es war die einzige Chance, den Ball gescheit zu spielen. Das war keine Showeinlage”, versicherte Thiem.

Bei 5:3 hatte der achtfache Turniersieger seinen ersten Matchball, bei 5:4 und 40:30 seinen zweiten, doch Mannarino fand dann sogar noch einen Breakball zum 5:5 vor. Thiem blieb cool und nutzte seinen dritten Ball zum Aufstieg in die Runde der letzten 16 – und zum sechsten Sieg im sechsten Duell mit dem Franzosen.

Bei seinem 16. Major steht der Schützling von Günter Bresnik damit schon zum siebenten Mal im Achtelfinale. Am Tag nach seinem 24. Geburtstag kämpft er um sein drittes Viertelfinale nach den beiden French-Open-Halbfinalei 2016 und 2017.

Del Potro besiegte den Spanier Roberto Bautista Agut (11) sicher 6:3,6:3,6:4. Gegen “DelPo” hatte Thiem im Vorjahr wegen einer Verletzung – ebenfalls im Achtelfinale von Flushing Meadows – aufgeben müssen. Der 28-jährige Südamerikaner hat beide bisherigen Duelle gegen Thiem gewonnen.

Im Vorjahr war Dominic Thiem im Achtelfinale gegen Del Potro ausgeschieden, allerdings wegen einer Verletzung im zweiten Satz. Darum sieht Thiem, der im Head-to-Head mit dem Argentinier 0:2 zurückliegt, dieses neuerliche Achtelfinale bei den US Open nicht als Revanche.

“Nein, er kann auch nichts dafür, dass ich aufgeben musste.” Gewünscht hätte er sich den “Turm von Tandil” nicht. “Es gibt sicher leichtere Achtelfinal-Gegner, auch wenn ich in die obere Hälfte der Auslosung schaue”, sagte Thiem. Zu seiner Taktik: “Man muss sicher kein Hehl daraus machen, dass man eher über die Rückhand bei ihm spielen sollte. Aber nicht nur, sondern ihn über die Vorhand zum Laufen bringen.”

Günter Bresnik war mit der Leistung seines Schützlings zufrieden. “Er bringt das konstant. Dass er das jetzt fünfmal hintereinander macht, das zeigt die Qualität von dem Spieler, der er ist”, bezog sich Bresnik auf das fünfte Grand-Slam-Achtelfinale Thiems in Folge.

Vor Del Potro, dem US-Open-Sieger 2009, hat Bresnik viel Respekt. “Das ist sein Turnier. Er spielt sehr gut, ich habe die ersten zwei Sätze angeschaut. Der zelebriert mit der Vorhand vom Feinsten. Er kann allein mit dem Aufschlag und mit der Vorhand einen Spieler wie Bautista komplett an die Wand spielen”, stellte der 56-Jährige fest. “Ich hoffe, dass es gegen Dominic nicht so einfach werden wird.”

Thiem ist nach dem topgesetzten Rafael Nadal (ESP) und Roger Federer (SUI-3) der am höchsten gesetzte Spieler, der bei den mit 50,4 Mio. dotierten Open noch im Bewerb steht. Setzt er sich auch im Achtelfinale durch, winkt ihm ein Duell mit dem 19-fachen Major-Sieger Federer.

Von: apa