Thiem visiert zweiten Sieg gegen Pospisil an

Thiem in Wimbledon zum Auftakt gegen Kanadier Pospisil

Freitag, 30. Juni 2017 | 17:01 Uhr

Österreichs Tennis-Ass Dominic Thiem hat am Freitag für den Auftakt des Grand-Slam-Turniers von Wimbledon mit Vasek Pospisil eine durchaus knifflige Aufgabe zugelost bekommen. Der Kanadier liegt als Weltranglisten-75. zwar um 68 Plätze hinter Thiem, fühlt sich aber auf Rasen nicht unwohl. 2015 hat der 27-Jährige das Wimbledon-Viertelfinale erreicht, Thiem kam dort bisher maximal in Runde zwei.

Andreas Haider-Maurer erhielt den Spanier Roberto Bautista Agut als Gegner. Der ist nicht nur wegen seiner Setzung als Nummer 18 als schwieriger Kontrahent zu werten, stellt sich der 29-Jährige doch auf Rasen auch nicht ungeschickt an. Der steirische Qualifikant Sebastian Ofner wurde für sein Grand-Slam-Debüt gegen Thomaz Bellucci gelost, spielt erstmals gegen den Brasilianer. Im Damen-Turnier ist Österreich nicht dabei.

Haider-Maurer scheint in der oberen Raster-Hälfte mit Andy Murray (GBR-1) an der Spitze auf und ist damit schon am Montag an der Reihe. Ofner und Thiem wurden hingegen wie Novak Djokovic (SRB-2) in die untere Raster-Hälfte gelost, sie haben damit bis zum Dienstag einen Vorbereitungstag mehr. Am Freitag absolvierte Thiem nach einem kurzen Heim-Stopp vor Ort bereits einen Trainingstag.

Thiems Anspruch als Nummer acht der Weltrangliste sowie in der Wimbledon-Setzung muss spätestens seit seinem erneuten Einzug ins French-Open-Halbfinale sein, die zweite Woche auch dieses Grand Slams zu erreichen. In seinen Vorbereitungsturnieren brillierte der 23-Jährige allerdings nicht, in Halle und Antalya reichte es für ihn in drei Matches zu nur einem Sieg. Aus 2016 hat Thiem eine zweite Runde zu verteidigen.

Pospisil gilt als starker Aufschlag- und Volley-Spieler, womit er für Rasen-Tennis prädestiniert sein sollte. Allerdings wird dieses klassische Rasen-Tennis von früher lange nicht mehr so häufig angewandt, bisher letzter Wimbledonsieger mit dieser Spielanlage war Goran Ivanisevic 2001. Pospisils Rasen-Glanzlichter waren auch eher punktuell verteilt, von 34 Partien gewann der auf den Bahamas lebende 1,85-m-Mann 14.

Sein heuriges Ausrufzeichen war ein Zweitrundensieg beim Masters-1000-Turnier in Indian Wells gegen Murray. Auf Grand-Slam-Ebene hat Pospisil heuer noch keinen Sieg stehen. Auf Rasen hat der Nordamerikaner in den vergangenen Wochen in Hertogenbosch als Qualifikant das Viertelfinale erreicht, in Halle verlor er in Runde eins und diese Woche in Eastbourne im Achtelfinale gegen Djokovic.

Sollte Thiem gegen Pospisil wie schon auf Sand in München 2015 gewinnen, würde sein Raster-Achtel für ihn nicht unlösbar sein. Zweitrundengegner wäre Gilles Simon (FRA) oder ein Qualifikant, erster gesetzter Gegner laut Papierform der als Nummer 32 gerade noch unter die Gesetzten gerutschte Italiener Paolo Lorenzi. Gegen Djokovic könnte es idealerweise wie in Paris zu einem Viertelfinalduell kommen.

Haider-Maurer darf zunächst einmal froh sein, erstmals nach 19-monatiger Verletzungspause wieder in einem ATP-Hauptfeld zu stehen – mittels “protected ranking”. Sein bisher letzter Grand-Slam-Anlauf hat bei den US Open 2015 nach einem Fünfsatzsieg über Pospisil in Runde zwei gegen Djokovic geendet. Dort war “AHM” ein Jahr davor in Runde eins Bautista nach 2:1-Satzführung in fünf Durchgängen unterlegen.

Diese Vierstunden-Partie bezeichnete Haider-Maurer damals als eine seiner bittersten Niederlagen. Dass es nun kaum leichter wird, ist dem Waldviertler klar: “Der fühlt sich auf Rasen sehr wohl, hat die letzten Wochen stark gespielt.” Haider-Maurer gibt sich aber auch Chancen. “Ich merke, dass ich Tag für Tag besser hineinkomme. Ich werde alles geben, dass ich ihn schlagen kann”, gab er sich zuversichtlich.

In Wimbledon hat sich der 30-jährige Wahl-Innsbrucker ab 2009 siebenmal in Folge versucht, bei vier Hauptfeldeinsätzen kam er zweimal in Runde zwei. Bautista hat zu Jahresbeginn in Chennai seinen fünften ATP-Titel geholt, kam bei den Australian Open und French Open ins Achtelfinale. Auf Rasen blieb der 29-Jährige zuletzt in Halle im Viertelfinale hängen, gewann in seiner Karriere bisher aber zwei Drittel seiner Rasen-Spiele.

Ofner hatte sich mit einem Quali-Durchmarsch sein überhaupt erstes Match auf der World Tour gesichert und das gleich in Wimbledon. Die Zulosung hätte ihm u.a. auch Murray bringen können, im Gegensatz dazu lässt ihm das Los Bellucci doch zumindest Außenseiterchancen. Der Südamerikaner ist nämlich weit weg von einem Rasenspezialisten, während Ofner mit Selbstvertrauen und Wimbledon-Spielpraxis in die Partie geht.

Bellucci gönnte sich in seiner Rasen-Vorbereitung ein Turnier, diese Woche in Eastbourne schied er gegen Kevin Anderson (RSA) in Runde eins mit 3:6,1:6 aus. Es war seine elfte Rasen-Niederlage bei sechs Siegen. Bei sieben Wimbledon-Antritten schaffte er es zweimal in die zweite, einmal in die dritte Runde. Als 53. der Weltrangliste ist Bellucci aber natürlich Favorit, doch Ofner lauert als 215. auf den Sprung unter die Top 200.

Generell stellt sich die Ausgangslage bei den Herren vor dem dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres interessant dar. Die Saison wurde bisher von den Altstars Roger Federer und Rafael Nadal dominiert, sowohl der Schweizer als auch der Spanier holten einen Major-Titel. Asse wie Andy Murray und Novak Djokovic schwächelten zwar, haben aber in Wimbledon schon viel erreicht.

Fraglos offen ist das Damen-Feld. Die schwangere Titelverteidigerin Serena Williams fehlt zwar, dafür sorgen etwa die Weißrussin Viktoria Asarenka nach ihrer Baby- und Petra Kvitova nach ihrer Verletzungspause für Schlagzeilen.

Von: apa

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