Thiem hat gegen Nishikori keinen Satz gewonnen

Thiem kämpft gegen Nishikori um drittes Major-Viertelfinale

Samstag, 02. Juni 2018 | 19:17 Uhr

Sieben Achtelfinali in Serie hat Dominic Thiem nun schon bei Grand-Slam-Turnieren erreicht, darum ist das für den Weltranglisten-Achten mittlerweile auch nichts Besonderes mehr. Möchte der 24-jährige Niederösterreicher am Sonntag aber auch sein drittes Major-Viertelfinale, neuerlich in Paris, erreichen, dann muss er gegen Kei Nishikori sein bestes Tennis auspacken.

Thiem wird gegen Nishikori – erstmals nicht gegen Rafael Nadal – auf dem Center Court der French Open einlaufen. Das Match ist als zweites Spiel nach 11.00 Uhr (live ORF Sport +) angesetzt.

Ob es das Lob bzw. auch die Favoritenstellung ist, die ihm beispielsweise ein Boris Becker für das dritte Duell mit dem früheren US-Open-Finalisten gibt, oder die bisher gezeigten Leistungen. Thiem weiß, dass die Aufgabe gegen den nach einer Verletzung zurückgekehrten Japaner sehr schwierig ist. “Das zählt morgen alles nichts. Es wird ein toughes ‘best of five’-Match. Ich glaube, dass die Chancen sehr ausgeglichen stehen”, konstatierte Thiem nach einer Trainingseinheit am Samstag.

Thiem ist heiß auf mehr, auch die Major-Achtelfinal-Niederlagen von Wimbledon (gegen Tomas Berdych), den US Open (Juan Martin Del Potro) und zuletzt bei den Australian Open (Tennys Sandgren) liegen ihm noch im Magen. In allen drei Matches hatte er große Gelegenheiten gehabt, endlich auch auf Hartplatz oder Rasen in ein Grand-Slam-Viertelfinale vorzudringen.

“Für mich geht das Turnier jetzt los. Jetzt kommen die ganz großen Gegner, die Runden wo man hinwill”, sagte Thiem. Darum kümmert ihn ein Achtelfinaleinzug, sein insgesamt neunter, nicht mehr sonderlich. “Vor ein, zwei Jahren war es schon noch eine Riesensache, aber jetzt will definitiv weiterkommen. In Australien war es eine große Enttäuschung wie ich rausgegangen bin, morgen wäre es das gleiche wieder. Es zählt natürlich nur der Sieg, vor allem in Paris, das ist eines der größten Jahreshighlights für mich, deshalb würde ein Achtelfinale nicht reichen.”

Der Matchplan gegen den extrem fitten, kampfstarken Nishikori ist klar. “Er wird jetzt nicht hinter der Grundlinie bleiben, er wird in den Platz gehen. Mein Ziel ist, dass ich in ihn ein bisschen zurückdränge von der Grundlinie.” Nishikori, der übrigens Thiems einhändige Rückhand bewundert, weiß Thiem einzuschätzen. “Er hat letzte Woche toll gespielt und hat Rafa geschlagen. Er kann ein sehr gefährlicher Spieler bleiben. Ich glaube, auf Sand ist es noch härter gegen ihn.” Das bisher letzte Duell vor zwei Jahren in Rom wollen beide Spieler nicht überbewerten, schließlich hätten sich auch beide seither weiterentwickelt.

“Das erste Mal war auf Rasen, da habe ich noch nie ein Match davor auf Rasen gewonnen und vor zwei Jahren in Rom: das war in Ordnung das Match, da hat er sehr gut gespielt und war damals Top Ten”, erinnerte sich Thiem an die beiden Niederlagen. Er glaubt, dass Nishikori nach seiner Handgelenksverletzung “hundertprozentig wieder auf dem Weg dorthin” ist. Noch ist der Japaner aber ATP-21.

Nishikori ist im “Land des Lächelns” ein absoluter Superstar. Neben den MLB-Stars Shohei Otani und Yu Darvish, die im Baseball verrückten Japan vielleicht noch darüberzustellen sind, sowie dem zweifachen Eiskunstlauf-Olympiasieger Yuzuru Hanyu ist der Tennis-Crack auf jeden Fall in den Top Five – und ein Multimillionär. Forbes schätzte sein Jahresverdiensts Ende 2017 auf 33,9 Millionen Dollar – wie auch schon im Jahr davor.

Auch für die Olympischen Spiele 2020 soll Nishikori zu einem der visuellen Botschafter werden. Sein Vermögen soll sich bereits klar im dreistelligen Millionenbereich befinden, das er u.a. in Aktien, Immobilien und Restaurants angelegt hat. Als erster asiatischer Spieler, der ein Grand-Slam-Endspiel erreicht hat (2014 US Open), hat er eine Flut von Sponsorenanfragen ausgelöst. Fans von Nishikori können beispielsweise eine eigene Kei Edition von Jaguar fahren oder Nishikori-Nudeln der Firma Nissin essen. Reisende der Japan-Airlines können gar in einer Maschine mit einem riesigen Nishikori-Konterfei (JetKei) fliegen.

Dank dem 2013 in seinen Trainerstab hinzugekommenen Michael Chang, der seinerzeit 1989 im Endspiel der French Open Ivan Lendl entzauberte, hat Nishikori auf dem Platz auch etwas von der typischen japanischen Höflichkeit abgelegt. Zähigkeit, großartiger Return und “Superbeine” (Bresnik) machen Nishikori zum gefährlichen Gegner.

Thiem-Coach Günter Bresnik hofft, dass sich Thiem so präsentiert, wie auch schon zuletzt: “Extrem aggressiv und bestimmt. Vielleicht ein bisserl zu verbissen, aber grundsätzlich ist das genauso wie ein Spieler, der auf Nummer 8 steht, auftreten sollte, wenn er genau weiß, was er will.”

Seit Samstag steht auch fest, wer neben dem als Nummer gesetzten Alexander Zverev (GER) im Viertelfinale noch zum möglichen Thiem-Gegner werden könnte. Haider-Maurer-Bezwinger Karen Chatschanow (RUS) besiegte Lucas Pouille (FRA-15) in drei Sätzen.

Von: apa

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