Thiems Erfolgslauf in Wimbledon prolongiert

Thiem löste erstmals Ticket fürs Wimbledon-Achtelfinale

Samstag, 08. Juli 2017 | 23:10 Uhr

Österreichs Tennis-Ass ist nun auch auf dem “heiligen” Londoner Rasen erstmalig in das Achtelfinale eingezogen. Der 23-Jährige überzeugte am Samstag in der dritten Wimbledon-Runde mit einem 7:5,6:4,6:2-Erfolg gegen den US-Amerikaner Jared Donaldson und hat damit bei allen Grand Slams zumindest einmal die Runde der letzten 16 erreicht. In Wimbledon schaffte er es als erst fünfter Österreicher.

“Ich glaube, je länger das Match war, desto besser habe ich gespielt”, analysierte Thiem seine Leistung in einer ersten Stellungnahme gegenüber Sky. “Ich hatte viel zu laufen, wir hatten einige tolle Rallies.” Wie in Runde eins gegen den Kanadier Vasek Pospisil blieb er ohne Satzverlust, in der zweiten Runde gegen Gilles Simon war die rot-weiß-rote Hoffnung in vier Durchgängen weitergekommen.

Gegen seinen dritten ungesetzten Gegner im Turnierverlauf hatte Thiem nur zu Beginn Probleme, geriet da nahe an einen Satzverlust. Nachdem es in den ersten sieben Games mit dem Aufschlag gegangen war, breakte Donaldson im scheinbar günstigen Moment zum 5:3. Doch Thiem zeigte postwendend die Qualität eines Top-Stars und brachte den ersten Durchgang mit vier gewonnen Games in Folge unter Dach und Fach.

Besonders sehenswert war dabei der verwertete Satzball, in dem Thiem den Ball mit einem “Tweener” (Schlag durch die Beine) im Spiel hielt, ehe er den Punkt mit einem gelungenen Smash abschloss. Eine weitere Vorentscheidung in einem unterhaltsamen, auf gutem Niveau auf Court 1 gespielten Match brachte das vierte Game des zweiten Durchgangs, in dem Thiem nach Kampf ein Break gegen sich verhinderte.

Unmittelbar danach durchbrach der Weltranglisten-Achte selbst den Aufschlag seines Gegners und war danach nicht mehr zu bremsen. Im zweiten Satz servierte Thiem sicher aus, im dritten legte er schnell mit einer 4:0-Führung den Grundstein zum Erfolg. Der war in 2:03 Stunden eingefahren. Bei seinen bisherigen drei Antritten in Wimbledon war die zweite Runde das Maximum für Thiem gewesen.

Thiem überzeugte mit einer soliden Aufschlagleistung, wobei er sich im Notfall auch meist auf sein zweites Service verlassen konnte. Zudem bewies er, dass er sich im Spiel am Netz gesteigert hat. Da schloss er 15 von 25 Versuchen mit gewonnenen Punkten ab. 30 Winnern standen 26 unerzwungene Fehler gegenüber (Donaldson 19:24). Thiem schlug vier Asse.

Bei seiner ersten Teilnahme an der zweiten Wimbledon-Woche trifft Thiem nun im Streben nach seinem dritten Grand-Slam-Viertelfinale auf Tomas Berdych. Der als Nummer elf gesetzte Tscheche hat einiges an Wimbledon-Erfolgen nachzuweisen, war er doch 2010 Finalist und erst im Vorjahr bis ins Halbfinale vorgestoßen. Am Samstag setzte sich der 31-Jährige gegen den Spanier David Ferrer in drei Sätzen durch.

Nach dem traditionell spielfreien ersten Sonntag des Wimbledon-Grand-Slams werden am Montag alle Achtelfinali der Damen und Herren ausgetragen. Die Partie Thiems gegen Berdych wurde noch am späten Samstagabend als dritte auf Court 3 nach 12.30 Uhr MESZ angesetzt. Davor werden dort zwei Damen-Achtelfinali gespielt.

Thiem sah für sich keinen Unterschied, dass am Sonntag nicht gespielt wird, da der Zweitages-Rhythmus für ihn aufrecht bleibt. “Für uns geht es ganz normal weiter. Wir trainieren, da zählt der freie Sonntag nicht so viel. Der Tag wird sich für uns Spieler nicht ändern.”

“Tomas ist einer der besten Spieler seiner Generation”, meinte Thiem über den acht Jahre älteren Routinier. “Ich habe gegen ihn einmal in den US Open gespielt. Jetzt genieße ich einmal, dass ich in der zweiten Woche bin. Und dann konzentriere ich mich auf diese Partie.” Dieses eine Match gegen den Weltranglisten-15. hat Thiem vor drei Jahren im Achtelfinale des letzten Saison-Majors glatt verloren.

In einem weiterem Statement betonte Thiem, dass der Gewinn von Satz eins für den weiteren Matchverlauf bedeutend war. “Ich habe im ersten Satz Schwierigkeiten gehabt, meinen Aufschlag durchzubringen. Ich habe eigentlich die ganze Zeit gut serviert, aber er hat dann teilweise gut returniert. Es war natürlich sehr wichtig für mich, dass ich den ersten Satz nach 3:5-Rückstand gewonnen habe.”

Mit einer 1:0-Satzführung lief es bei Thiem besser und besser. “Nach gewonnenem ersten Satz habe ich mich immer mehr frei gespielt. Es ist dann bis zum Ende des Matches immer besser geworden.” Auch mit seinem Netzspiel war er zufrieden. “Ich bin dann auch immer öfter gut ans Netz gekommen. Es war zufriedenstellend. Es ist schon für mich etwas Besonderes, beim letzten Grand Slam die zweite Woche zu erreichen.”

Die vier österreichischen Herren in einem Wimbledon-Einzel-Achtelfinale waren Hermann Artens 1931, Hans Redl 1947 und in der Ära des Profi-Tennis Alexander Antonitsch 1990 wie auch Jürgen Melzer 2010 und 2013. Bei den Damen hatte das zuletzt Tamira Paszek 2007, 2011 und 2012 erreicht. In Major-Achtelfinali war Thiem auch bei den Australian Open einmal (2017), je zweimal bei den French (16, 17) und den US Open (14, 16).

Von: apa