Sensationelle Leistung des Niederösterreichers

Thiem triumphierte klar über Paris-Titelverteidiger Djokovic

Mittwoch, 07. Juni 2017 | 16:59 Uhr

Dominic Thiem hat am Mittwoch mit einem beeindruckenden Sieg über Titelverteidiger Novak Djokovic das Halbfinale der French Open erreicht. Der als Nummer 6 gesetzte Niederösterreicher bezwang vor 10.000 Zuschauern den Weltranglisten-Zweiten nach 2:15 Stunden überraschend klar mit 7:6(5),6:3,6:0 und qualifizierte sich damit zum zweiten Mal en suite für die Vorschlussrunde von Roland Garros.

In dieser trifft der 23-jährige Lichtenwörther am Freitag auf den spanischen Topfavoriten Rafael Nadal, der in Paris seinen zehnten French-Open-Titel anpeilt. “Das Semifinale ist eine absolute Sensation für mich”, sagte Thiem in einer ersten Reaktion zu Eurosport-Lady Barbara Schett-Eagle. Es war der bisher größte Sieg in Thiems Karriere und der erste über einen absoluten Top-Mann bei einem Grand-Slam-Turnier.

Zudem hat der Weltranglisten-Siebente im sechsten Anlauf erstmals auch den zwölffachen Major-Sieger Djokovic geschlagen. Der Serbe war der Letzte der aktuellen Top 5 im ATP-Ranking, der ihm auf seiner Abschussliste noch gefehlt hat: Gegen Roger Federer (2 Siege), Rafael Nadal (2), Andy Murray (1) und Stan Wawrinka (1) hat er davor schon zumindest je einmal gewonnen.

Die Vorentscheidung in diesem über weite Strecken hochklassigen Sandplatz-Match fiel im ersten Satz. Nach Break und Rebreak zum 2:1 bzw. 2:2 und einem 16-Minuten-Game zum 3:2 für Djokovic (Thiem vergab einen Breakball), schaffte Djokovic ein neuerliches Break zum 4:2. Doch Thiem schlug zurück, nahm dem Weltranglisten-Zweiten den Aufschlag zum 3:4 ab und glich zum 4:4 aus. Bei 4:5 sah sich Thiem dann bei 15:40 zwei Break- und also auch Satzbällen gegenüber. Thiem wehrte diese ab und das Match ging nach knapp einer Stunde ins Tiebreak. Thiem nützte seinerseits seinen zweiten Satzball zum 7:5 im Tiebreak nach 75 Minuten.

Thiem steigerte sich in der Folge sogar noch. Das bestätigte danach auch der entthronte Titelverteidiger. “Alles wurde im ersten Satz entschieden. Ich habe alles versucht, dann habe ich das Break zu Beginn des zweiten Satzes bekommen”, sagte Djokovic, der schnell mit 0:2 in Rückstand geriet. “Er hat dann immer besser serviert. Er hat verdient gewonnen und war definitiv der bessere Spieler auf dem Platz”, sagte der “Djoker”.

In der Folge wurde das Match gar zur einseitigen Sachen. Thiem hielt den Vorsprung, musste nur im siebenten Game noch einmal einen Breakball abwehren. Nach 1:53 Stunden führte Thiem mit 2:0-Sätzen. Satz drei war dann die perfekte Revanche für das 1:6,0:6 vor wenigen Wochen im Rom-Semifinale: Thiem holte den dritten Durchgang sogar mit 6:0.

“Das war definitiv mein größter Sieg, weil es war der erste über einen Top-Ten-Spieler bei einem Grand Slam. Das ist natürlich ein großer Unterschied, weil es auf ‘best of five’ geht. Und es war ein Viertelfinale”, meinte der Lichtenwörther.

Auch Thiem sah natürlich den ersten Satz, aber auch die guten Starts in die Sätze zwei und drei als Schlüssel für seinen ersten Erfolg über Djokovic im sechsten Anlauf. Vor den beiden Satzbällen bei 5:4 im ersten Satz für den Serben sei ihm einiges durch den Kopf gegangen. “Da laufen sehr viele Szenarien ab im Kopf, auch was passiert, wenn man den Satz jetzt verliert. Aber es waren sicher einige Schlüsselmomente in dem Match. Das war einer davon und dann das lange, bisserl komische Tiebreak und die Starts jeweils im zweiten und dritten Satz.”

So richtig geglaubt habe er erst bei 3:0, 4:0 im dritten Satz, dass es tatsächlich klappen wird. “Da merkt man dann ein bisserl, dass er nicht mehr auf seinem Toplevel spielt. Aber gerade gegen solche Leute ist das halt so gefährlich, wenn man selbst nur ein bisserl nachlässt. Dann steht es sehr schnell wieder 4:4.” Darum war Thiem besonders zufrieden, wie er trotz des Spielstands unbeirrt weitergespielt hat. “Ich habe es von Anfang bis zum Ende, obwohl ich klar vorne war, gut durchgespielt.”

Im Halbfinale kommt es nun zum Duell des “Sandplatzprinzen” mit dem “Sandplatzkönig”. In dieser Form muss sich Thiem selbst vor Rafael Nadal nicht fürchten. Nadal hatte zuvor in seinem Viertelfinale leichtes Spiel gehabt. Nach nur 51 Minuten und beim Stand von 6:2,2:0 für den neunfachen French-Open-Sieger musste Pablo Carreno Busta wegen einer Bauchmuskelverletzung aufgeben.

Gegen Nadal sieht sich der 23-Jährige trotz des Sieges in Rom als Außenseiter. “Das Match in Rom war sehr gut natürlich, aber ich habe dort ein bisserl über dem Limit gespielt und das wird so schnell kein zweites Mal aufgehen”, glaubt Thiem. Am Freitag wird der Niederösterreicher endlich auf dem größten Court Philippe Chatrier spielen, wo er erst einmal – 2014 ebenfalls gegen Nadal – gespielt hat.

Und was sagt eigentlich Nadal zum nächsten Gegner? “Thiem ist ein schwieriger Gegner. Ich hoffe, dass ich nicht verliere. Ich habe in Barcelona und Madrid gegen ihn gewonnen und in Rom verloren. Wir können jetzt Stunden über Statistiken reden, aber man muss sich auf das nächste Match konzentrieren”, erklärte der 14-fache Major-Sieger. Nadal strebt in Paris die “Decima” an, ein nie dagewesener zehnter Sieg bei den Herren beim selben Grand-Slam-Turnier. Im Head-to-Head führt Nadal gegen Thiem mit 4:2-Siegen.

Eine Frage durfte freilich nicht fehlen: Fühlt sich Dominic Thiem bereit, auch erstmals einen Grand-Slam-Titel zu holen? “Es ist ein Witz, wie schwer es ist, einen Slam zu gewinnen. Jetzt habe ich Novak geschlagen, am Freitag ist es Nadal und im Finale wartet noch ein Topstar. Deswegen ist es so schwer einen Slam zu gewinnen.” Novak Djokovic traut Thiem den großen Coup jedenfalls zu: “Thiem ist einer der kommenden Stars. Er ist sehr hungrig, dich zu schlagen und seine Hände auf die Trophäe zu legen. Er hat eine wirklich gute Chance.” Worte, die Thiem sehr freuen werden.

Von: apa

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