Thiem kämpfte sich zurück, am Ende reichte es nicht

Thiem unterlag Dimitrow im Auftaktmatch der ATP Finals

Montag, 13. November 2017 | 23:01 Uhr

Dominic Thiem hat am Montag eine große Chance auf einen gelungenen Start in seine zweiten ATP Finals vergeben. In seinem ersten Match als Nummer 4 der Tenniswelt unterlag der 24-jährige Niederösterreicher dem als Nummer 6 gesetzten Bulgaren Grigor Dimitrow nach 2:21 Stunden hauchdünn mit 3:6,7:5,5:7.

Vor rund 15.000 Zuschauern in der O2-Arena durfte am Ende Dimitrow, der in direkten Duellen mit Thiem auf 2:2 stellte, sein Siegerlächeln zeigen. Thiem hatte bei 5:5 im dritten Satz alle Chancen, die 200 ATP-Zähler sowie 191.000 US-Dollar für den Sieg im ersten Gruppenspiel zu holen. Vor allem, nachdem er einen 3:5-Rückstand egalisiert hatte. Doch Thiem musste abermals ein sehr knappes Match aus der Hand geben.

Die Begegnung begann zunächst alles andere als erfreulich für Thiem, der bei seinen Aufschlag-Spielen weit mehr Mühe hatte als Dimitrow. Zum 2:4 musste der Niederösterreicher dann auch sein Service abgeben. Insgesamt brachte er es im ersten Durchgang nur zu einer 37-Prozent-Quote mit dem ersten Aufschlag und konnte sich auch keinen einzigen Breakball erspielen. Nach 38 Minuten beendete Dimitrow den ersten Satz zum 6:3. Nur zwei Vorhand-Winner sowie drei Asse, aber 14 unerzwungene Fehler sprachen zu dem Zeitpunkt Bände.

Langsam, aber doch steigerte sich Thiem. Sowohl beim Aufschlag als auch bei der Verlässlichkeit seiner Schläge. So ging es mit dem Service bis zum 5:5, ehe der zuvor ungefährdete Thiem bei 30:40 einen Breakball abwehren musste, was ihm aber auch gelang. Beim Stand von 6:5 erarbeitete sich Thiem dann seine ersten drei Breakbälle des Spiels überhaupt und verwandelte gleich den ersten Satzball zum 7:5.

Angefeuert von Coach Günter Bresnik, seinen Eltern Wolfgang und Karin Thiem, seinem Bruder Moritz und auch von der französischen Weltklasse-Tennisspielerin Kristina “Kiki” Mladenovic begann Thiem den dritten Satz mit dem Aufschlag. Die Weltranglisten-Elfte saß auch schon bei den US Open in New York im Lager von Thiem, diesmal aber Seite an Seite mit Mama Thiem. Bei 2:2, 15:40 wehrte Thiem noch zwei Breakbälle ab. Als er jedoch beim nächsten Service-Game bei 3:3 neuerlich 15:40 zurücklag, nutzte Dimitrow mit einem sehenswerten Volleystopp die Chance zum ersten Break im letzten Durchgang.

Thiem konnte im Anschluss-Game bei 3:4 einen 0:30-Vorsprung nicht in Richtung Breakball nutzen und Dimitrow stellte auf 5:3. Bei “30 beide” fehlten Dimitrow nur noch zwei Punkte zum Sieg, doch Thiem gelang mit seinem ersten Rückhand-Winner im Match (!) das 30:40. Thiem nutzte wie schon im zweiten Satz gleich die erste Breakchance zum 5:5. Doch es sollte nicht sein für den zweifachen French-Open-Halbfinalisten an diesem Tag. Der Weltranglisten-Vierte lag schnell 0:30 zurück und gab mit zwei Doppelfehlern in Folge sein Service zum 5:6 ab. Dimitrow wackelte danach trotz 40:15 noch, nutzte aber seinen dritten Matchball dann doch zum Sieg.

“Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Match gewonnen habe. Besonders auf diese Art und Weise ist es nicht leicht, hier zum ersten Mal zu spielen”, erklärte Dimitrow, der übrigens als erster Bulgare überhaupt beim “Masters” dabei ist. “Es war ein Traum, dass ich bei diesem Turnier dabei sein kann, aber es war nicht nur um mitzuspielen, sondern ich möchte gewinnen.”

Dominic Thiem war nach der knappen Niederlage enttäuscht, richtete aber schnell den Fokus auf die nächsten Tage. Immerhin ist es die Besonderheit bei den ATP Finals, dass es drei Gruppenspiele gibt und man trotzdem noch das Semifinale erreichen kann

“Erstens war es generell viel besser als in den letzten Wochen. Der Return war in Ordnung, beim Aufschlag habe ich mich auch relativ wohlgefühlt”, konstatierte Thiem. “Das Problem ist, dass ich für meine Verhältnisse von der Grundlinie nicht gut genug spiele und teilweise falsche Entscheidungen treffe. Das muss ich halt abstellen, wenn ich das nächste Match erfolgreich absolvieren will.”

Alles in allem war das Match spannend, aber doch von vielen unerzwungenen Fehlern auf beiden Seiten geprägt: Thiem schlug 22 Winner (davon 8 Asse), beging aber 39 unerzwungene Fehler (davon 6 Doppelfehler). Dimitrows Quote lautete 24:44. “Wir haben beide nicht unsere Bestleistung erbracht, da waren viele unerzwungene Fehler dabei”, gestand auch Thiem. Es sei eine Niederlage, die wehtut. “Das Positive ist, dass trotz der Niederlage nichts verloren ist.”

Und auch Spaß hat er wieder mehr auf dem Platz als zuletzt. “Heute hat es auf jeden Fall wieder mehr Spaß gemacht als in Wien oder Paris, wo ich richtig schlecht gespielt habe.” Zwar habe er nicht seine Bestleistung erbracht, aber: “Es war ein offenes Match, ein guter Fight bis zum Ende und wenn es so ist, macht es trotz der Niederlage immer bis zu einem gewissen Grad Spaß.” Thiem fühlt sich nun “mehr oder weniger schmerzfrei” nach seiner Zehenverletzung.

Besonders bitter war freilich das Ende, als sich Thiem im dritten Satz von 3:5 auf 5:5 herangearbeitet hat. Und dann bei 0:30 mit zwei Doppelfehlern en suite seinen Aufschlag in Windeseile abgegeben hat. “Sicher ist da immer ein bisserl Nervosität, wenn es eng wird. Aber bei 5:5 habe ich Auftrieb gehabt. Dann kommt ein miserabler Volley und es nimmt seinen Lauf. Aber ich habe das Match nicht wegen dem Game verloren, sondern bin schon davor zu oft gebreakt worden.” Grundsätzlich habe er das Match von der Grundlinie verloren. “Da habe ich nicht souverän, nicht fehlerfrei genug gespielt.”

Von: apa

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