Dominic Thiem machte es Rafael Nadal nicht leicht

Thiem unterlag im Masters-1000-Finale in Madrid Nadal

Sonntag, 14. Mai 2017 | 22:56 Uhr

Dominic Thiem muss weiter auf seinen ersten Triumph bei einem ATP-Masters-1000-Turnier warten. Der 23-jährige Niederösterreicher verlor am Sonntag im Finale von Madrid gegen den Spanier Rafael Nadal nach hartem Kampf 6:7(8),4:6. Der 14-fache Grand-Slam-Sieger gewann damit auch sein 15. Saisonspiel auf Sand und holte vor seinem Heimpublikum zum fünften Mal nach 2005, 2010, 2013 und 2014 den Titel.

Für Thiem war das Turnier trotzdem ein voller Erfolg, war er doch bei seinem 28. Antreten bei einem 1000er-Event erstmals ins Semifinale bzw. Endspiel vorgestoßen. Auf der Tour hält er nach nun 13 Final-Teilnahmen weiter bei acht Erfolgen, einer gelang 2017 (Rio de Janeiro). Neben einem satten Preisgeld von 511.740 Euro (brutto) bringen ihn vor allem die 600 ATP-Punkte weiter. Am Montag wird Österreichs Nummer eins in der Weltrangliste von Rang neun auf sieben klettern, sein Karrierehoch aus dem Juni 2016 ist damit eingestellt. Der Sechste Milos Raonic (CAN) ist zudem nur noch 145 Zähler entfernt.

Nadal war für Thiem zum zweiten Mal in Folge eine zu hohe Hürde. Im Vergleich zum 4:6,1:6 im Barcelona-Endspiel vor zwei Wochen stellte der ÖTV-Star den ehemaligen Weltranglisten-Ersten aber diesmal vor deutlich größere Probleme. Der routiniertere Nadal stellte trotzdem im Head-to-Head auf 4:1. Thiems vorerst einziger Erfolg gegen den 30-Jährigen bleibt jener im Buenos-Aires-Semifinale 2016. “Es war ein super, schönes Match, ein großartiger Kampf”, sagte Thiem in einer ersten Reaktion auf dem Platz.

Thiem und Nadal lieferten einander vor 12.500 Zuschauern einen Fight auf absoluter Augenhöhe. Der Ranglisten-Neunte schaffte zum 2:1 mit seiner ersten Chance früh ein Break, Nadal gab mit dem Rebreak zum 3:3 aber bald eine Antwort. Bei 4:5 und 0:40 stand Thiem mit dem Rücken zur Wand, es erinnerte alles an das Barcelona-Duell, in dem Thiem auch zum 4:6 seinen Aufschlag verloren hatte. Der Lichtenwörther zeigte aber mentale Stärke, wehrte drei Satzbälle ab und rettete sich in der Folge ins Tiebreak.

Das war nichts für schwache Nerven, Thiem vergab bei 6:5 und 8:7 zwei Satzbälle, ehe Nadal seinen mittlerweile fünften nach 1:18 Stunden verwertete. Alleine der erste Satz dauerte damit ähnlich lang wie Thiems vorangegangenen Partien gegen Borna Coric (1:20) und Pablo Cuevas (1:23).

Der mit einem Regenerationsvorteil ins Spiel gegangene Nadal nahm den Schwung mit und Thiem gleich zu Beginn des zweiten Satzes den Aufschlag ab. Der ÖTV-Star kämpfte wie im Achtelfinale, wo er gegen Grigor Dimitrow fünf Matchbälle abgewehrt hatte, verbissen, ließ aber eine Chance auf das sofortige Rebreak aus. Das wollte nicht mehr gelingen.

Bei 3:5 konnte Thiem noch zwei Matchbälle abwehren, bei 4:5 einen weiteren nach vier vergebenen Breakbällen, seine vierte Chance ließ sich Nadal aber nach einem harten Fight über 2:17 Stunden nicht mehr entgehen. Thomas Muster bleibt damit Österreichs bisher letzter Sieger auf dieser Turnierebene, er hatte vor 20 Jahren in Key Biscayne triumphiert. Ausschlaggebend waren Kleinigkeiten, Thiem unterliefen mit 29 deutlich mehr unerzwungene Fehler als Nadal (18), das vor allem mit der Vorhand (22:8). Die Winner-Bilanz war mit 27:25 zugunsten Nadals fast ausgeglichen.

Für den Ranglisten-Fünften Nadal war es ein besonderer Triumph. Mit seinem 30. Masters-1000-Turniersieg zog er in der ewigen Bestenliste mit dem führenden Serben Novak Djokovic, den er im Halbfinale ausgeschaltet hatte, gleich. Insgesamt war es bereits Titel Nummer 72 im 107. Finale auf der Tour. Auf Sand hat er 2017 nicht nur alle Spiele gewonnen, sondern dabei auch nur zwei Sätze abgegeben.

Nächste Woche könnten die beiden Akteure, die ab Montag die Nummern eins (Nadal) und drei (Thiem) in der Jahreswertung sind, beim nächsten 1000er-Event in Rom bereits wieder aufeinandertreffen – da allerdings gemäß der Auslosung schon im Viertelfinale. Thiem, der diese Saison bei vier Sand-Turnieren nur in Monte Carlo nicht das Finale erreichte, hat zum Auftakt ein Freilos, in der zweiten Runde dürfte es eine neuerliche Auflage des Duells mit Cuevas geben, den er im Madrid-Halbfinale mit 6:4,6:4 in die Schranken gewiesen hatte.

Thiem bilanzierte trotz der Final-Niederlage positiv. “Es war eine der besten Wochen meines Lebens, tennismäßig einer der größten Erfolge auf jeden Fall”, sagte der ÖTV-Star nach einem “guten Match auf sehr hohem Level”. Es gebe viele positive Sachen. “Ich war viel besser und näher dran als in Barcelona, da bin ich ziemlich vorgeführt worden, heute war es ein ziemlich offenes Match.”

Vor allem im ersten Durchgang war der Niederösterreicher an einem Satzerfolg hauchdünn dran. “Da hatte ich einige Chancen. Gegen viele andere Spieler hätte es wahrscheinlich gereicht, aber gegen die besten Spieler der Welt verlierst du eben manchmal auch, wenn du gut spielst. So ist es im Tennis, es gibt eben nur einen Gewinner”, schilderte Thiem. Auch im zweiten Satz wäre mehr möglich gewesen, da vergab Thiem im letzten Game vier Breakchancen. “Ich habe da aber keine unnötigen Fehler gemacht, er hat sie gut abgewehrt”, meinte Thiem.

Den Auftritt auf dem mit 12.500 Zuschauern ausverkauften Center Court habe er von Anfang an genossen. “Ich war gar nicht nervös und habe es sehr genossen, vor so einer Kulisse zu spielen, auch wenn alle klarerweise für Nadal waren. Es war ein super Erlebnis. Das Match hat trotz der Niederlage einen Riesen-Spaß gemacht”, erklärte Thiem.

Vom 14-fachen Grand-Slam-Sieger und nun fünffachen Madrid-Sieger gab es lobende Worte. “Die Wahrheit ist, dass ich gegen einen Gegner gespielt habe, der in den nächsten fünf bis zehn Jahren um die wichtigsten Titel im Tennis kämpfen wird. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich gewonnen habe”, sagte Sand-Dominator Nadal. Thiem hörte das natürlich gerne. “Das freut mich riesig, es gibt kein besseres Kompliment und auch von niemandem besseren als von ihm”, so der ab Montag Ranglisten-Siebente.

Bereits nächste Woche in Rom könnte es neuerlich zum Duell der beiden kommen. Deshalb bleibt Thiem auch nur wenig Zeit, den Erfolg auszukosten. “Ich werde jetzt ein paar Stunden vielleicht den Erfolg genießen und dann schön langsam an Rom denken”, erklärte der Lichtenwörther. Am Montag reist er nach Italien weiter.

Von: apa