Thiem wirkte müde

Thiem verpasste Paris-Bercy-Finale gegen Chatschanow klar

Samstag, 03. November 2018 | 20:20 Uhr

Der Traum vom zweiten Finale auf Pariser Boden im gleichen Kalenderjahr ist für Dominic Thiem am Samstag geplatzt. Der French-Open-Finalist war am Samstag im Semifinale des Masters-1000-Turniers in Paris-Bercy gegen Moskau-Sieger Karen Chatschanow beim 4:6,1:6 überraschend chancenlos. Im hochdramatischen zweiten Halbfinale setzte sich Novak Djokovic 7:6,5:7,7:6 gegen Roger Federer durch.

“Chatschanow hat von Anfang bis zum Ende wirklich sehr gut gespielt, das muss ich ganz klar sagen. Er hat mich mit seinem Aufschlag und seinem Return, also von der Spieleröffnung an, sofort schwer unter Druck gesetzt”, sagte Thiem nach dem Match. “Ich habe heute zu wenig entgegensetzen können”, gestand Thiem und führte dafür einige Gründe an. “Ich habe sehr viel investiert in die letzten zwei Siege, natürlich ist mir auch ein bisserl ein Stein vom Herzen gefallen, als London dann fix war und dann war ich heute vielleicht nicht komplett auf der Höhe. Auf der muss ich sein, dass ich so einen Gegner besiegen kann.”

Mit der Niederlage bleibt es vorerst bei bisher zwei Finali auf 1000er-Niveau, die Thiem beide auf Sand in Madrid (2017 und 2018) erreicht hatte. Über den geschafften Masters-Hattrick war Thiem trotzdem heilfroh. “Das ist sehr, sehr positiv. Auf die Woche in London freue ich mich extrem.” Auch die Woche in Paris sei trotz der “relativ bösen Niederlage” am Samstag sehr positiv zu sehen. “Ich habe schon deutlich schlechtere Wochen gehabt, vor allem auf Masters-1000-Niveau.” Das Semifinale in Bercy nehme er sehr gerne und er hofft, dass er es nächstes Jahr noch besser machen kann. “Ich schaue, dass mir das ganze Trara um London erspart bleibt und ich mich schon ein bisserl früher qualifiziere als dieses Jahr.”

Unbelastet hat ihn die ganze Situation nicht gelassen. “Natürlich ist einiges in meinem Kopf vorgegangen. London ist ein ganz großes Ziel, da will ich unbedingt dabei sein und das war ja bis gestern nicht fix. Da hat es schon ein bisserl rotiert auch.” Schon das Viertelfinale gegen Jack Sock sei spielerisch nicht wirklich gut gewesen und ganz über den Kampf entschieden worden. Und Chatschanow sei nicht zufällig im Halbfinale gewesen.

Das erste Aufeinandertreffen auf der ATP-Tour begann so ausgeglichen wie es von beiden erwartet worden war. In den ersten 28 Minuten blieben die Aufschläger bis zum 4:4 unantastbar, doch dann geriet Thiem plötzlich mit 0:40 in Rückstand. Zwei von drei Breakbällen konnte der Lichtenwörther noch abwehren, dann gelang aber dem Weltranglisten-18. gegen die Nummer 8 im ATP-Ranking die 5:4-Führung. Thiem fand zwar postwendend selbst sein ersten beiden Breakbälle vor, doch mit seinem zweiten Satzball stellte der Moskauer nach 41 Minuten die 1:0-Satzführung her.

Thiem verlor auch gleich zum Auftakt des zweiten Durchgangs sein Service und hatte damit nach einer 4:3-Führung vier Games en suite abgegeben. Doch der elffache Turniersieger bäumte sich auf und holte diesmal tatsächlich sofort das Rebreak. Da sprang auch sein Coach Günter Bresnik applaudierend auf. Doch als Chatschanow dem ÖTV-Davis-Cup-Spieler neuerlich den Aufschlag zum 2:1 abnahm, war bei Thiem die Luft draußen. Thiem wirkte müde und hatte dann seinem Gegner nur noch wenig entgegenzusetzen.

Für Thiem beginnt nun die Vorbereitung auf seine dritten ATP World Tour Finals in Folge. Der 25-jährige Thiem, der in einer Gesamtsiege-Bilanz des Jahres mit 53 Siegen (18 Niederlagen) nur einen Sieg weniger in der Tasche hat als der in dieser Statistik führende Deutsche Alexander Zverev, steht als einer der acht Starter beim mit 8,5 Mio. Dollar dotierten ATP-Saison-Showdown in der Londoner O2-Arena. Die Auslosung dafür erfolgt am Montagabend, erster Spieltag ist am 11. November. Thiem hat nun zumindest noch drei Gruppen-Spiele vor sich, die jeweiligen Gruppen-Sieger und -Zweiten spielen kommenden Samstag in London im Halbfinale.

Seine Erwartungen für seinen dritten Auftritt in der mächtigen O2-Arena von London, noch ehe er die Auslosung kennt? “Ich spiele um einiges besser als die letzten zwei Jahre. Das auf jeden Fall. Ich fühle mich frischer und bin natürlich auch erfahrener. Ich habe mich dort, denke ich, etabliert und natürlich ist das ganz große Ziel, dass ich das erste Mal weiterkomme als Round Robin.” Das würde als den erstmaligen Einzug ins Halbfinale bedeuten.

Der Finalgegner von Chatschanow wurde danach in einem hochklassigen Duell zwischen Novak Djokovic und Roger Federer ermittelt. Der als Nummer zwei gesetzte Serbe, der ab Montag nach langer Zeit wieder auf Platz eins aufscheint, rang den Schweizer schließlich nach 3:03 Stunden mit 7:6(6),5:7,7:6(3) nieder.

Der aktuell unaufhaltbar scheinende “Djoker” feierte nach dramatischem Spielverlauf seinen bereits 22. Sieg in Folge. Nach den Titeln in Cincinnati, bei den US Open und Shanghai steht er im vierten Endspiel hintereinander. Zuvor hatte Djokovic auch in Wimbledon triumphiert. Mit dem Sieg über Federer hat Djokovic dem Schweizer auch die letzte Chance genommen, das Jahr 2018 noch auf Platz eins zu beenden.

Federer, der am Samstag kein einziges Mal den Aufschlag abgeben musste, war nach seinem Titel in Basel in Paris-Bercy auch auf dem Kurs zu seinem 100. Titel gelegen. Er sei nicht nach Paris gekommen, um das Turnier zu gewinnen, sagte Federer aber danach. “Mein Ziel ist es, übernächste Woche in London zu triumphieren. Ich habe geahnt, dass ich in Paris für Djokovic noch nicht ganz bereit sein würde. Dass es derart knapp wurde, ist mit Blick nach London umso besser.”

Von: apa

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